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Solingen
Spitz zulaufend und mundgerecht

Solingen. Der Löffel steht zumeist am Anfang der Entwicklung eines neuen Bestecks.

Das Gebrauchsstück hat täglich jeder in der Hand. Mal in einer kleineren oder aber größeren Form, um damit den Kaffee umzurühren, Pudding zu essen oder Suppe zu löffeln. Und die ovale Form der Laffe, die mit einem Stiel verbunden den Löffel ausmacht, ist für Curt Mertens "nichts anderes als ein Ei".

Schon seit Jahrzehnten habe sich an dieser Form bewährt. "Die Laffe muss mundgerecht sein. Sie ist spitz zulaufend, und die ovale beziehungsweise die Ei-Form macht mit einer entsprechenden Tiefe den Löffel aus", sagt der Unternehmer. Die Mertens Besteckfabrik am Krahenhöher Weg hat über Jahrzehnte hinweg entsprechende Werkzeuge für die Produktion von Löffeln konzipiert, zumal sich an der Funktionalität dieses Besteckteils nie etwas grundlegend geändert hat.

Über ein Dutzend verschiedene Werkzeuge hält das Unternehmen vor, neben dem (Suppen-) Löffel gibt es Kartoffel-, Gemüse-, Kaffee-, Sahne- oder Dessertlöffel. Selbst Eierlöffel, die allerdings nicht unbedingt spitz zulaufend sind, sondern eher rund. "So kann man das Ei angenehmer essen", sagt Curt Mertens. Zwar gibt es Designer-Stücke von Löffeln mit einer rechteckigen Form, doch selbst die Vorläufer aus Holz der heutigen zumeist aus Edelstahl bestehenden Löffel hatten bereits die Ei-Form. "Da wurde nach dem gleichen Prinzip gefertigt", sagt der Besteckexperte.

Wobei kleine oder große Löffel heutzutage nicht mehr ausschließlich aus Edelstahl sind. Auch vergoldete, versilberte, selbst verkupferte oder auch titan-schwarz beschichtete Löffel liegen heute im Trend und haben Einzug in die Haushalte gehalten. Für alle aber gilt: "Die Balance muss stimmen, Löffel sollten nicht zu schwer oder zu leicht sein, hier muss sich der Designer auch mit dem Werkzeugbauer abstimmen", erklärt Curt Mertens.

Bei der Entwicklung von neuen Bestecken liegt zudem der Löffel überwiegend am Anfang der Überlegungen. "In 90 Prozent der Fälle ist das so", sagt Mertens. Bei der Konzeption werde die Form festgelegt, beispielsweise der Übergang von der Laffe zum Stiel, der später bei Gabeln und Messern ebenfalls so kreiert wird, damit das gesamte Besteck gut zusammenpasst. "Der Übergang muss harmonisch sein", sagt Curt Mertens und ergänzt: "Der Löffel mit seiner eiförmigen Laffe ist das markanteste Produkt bei der Besteckgestaltung."

Für rund 10 000 Teile täglich ist die Kapazität der Besteckproduktion bei Mertens am Krahenhöher Weg ausgelegt. Gut die Hälfte davon entfällt auf Löffel, zumal allein zum vierteiligen Grundbesteck schon zwei Löffel zählen.

Bevor aber ein Löffel zum Löffel wird und die Ei-Form entsteht, muss der Rohling im Werkzeug entsprechend bearbeitet werden. "Der Rohling ist meistens gerade", sagt Werner Marcus, Besteckstanzengraveur bei der Firma Mertens. "Im Werkzeug entstehen dann Form und Tiefe."

(uwv)
 
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