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Solingen
Sport funktioniert auch ohne gemeinsame Sprache

Solingen: Sport funktioniert auch ohne gemeinsame Sprache
Viel Teamgeist ermöglicht das Sportangebot des TSV Aufderhöhe. Hier trainiert Martin Perry (r.) mit Mohad (17), Dennis (14), Barbara (10) und Aldo (13). FOTO: St. Köhlen
Solingen. Mit dem Sportprogramm "Try it" möchte der TSV Aufderhöhe Flüchtlingskinder und Solinger Kinder zusammenbringen und den Spaß am gemeinsamen Sport vermitteln. Von Maxine Herder

Wenn die Kinder samstags in die Sporthalle an der Querstraße kommen, haben sie die Wahl: können aussuchen zwischen Ballsportarten oder Einradfahren, Slackline oder Frisbee, Basketball oder Spielen, können sich ausprobieren - und entkommen für rund 75 Minuten dem immer gleichen und oft bewegungsarmen Alltag im Flüchtlingsheim. 13 Mädchen und Jungen ganz verschiedener Nationen, die Jüngsten sieben Jahre alt, die Ältesten Anfang 20, die in einer Solinger Flüchtlingsunterkunft leben, kommen seit rund vier Wochen zum Sportprogramm "Try it" der Turnabteilung des TSV Aufderhöhe.

"Wir möchten den Kindern und Jugendlichen ein ganz buntes Angebot machen, das sie mitgestalten können", sagt Marion Schubert vom Verein. Deshalb macht Übungsleiter Ian Dylewski im Vorfeld der Stunden auch keine Planung. "Wir haben alles da, wir machen das, worauf die Kinder Lust haben", sagt er. So hätten sie in den vergangenen Wochen einmal ausschließlich Frisbee gespielt, hätten sich die Mädchen im Einradfahren versucht, während die Jungs Fußball spielten, hätten sich alle Kinder bereits ein spannendes Basketball-Match geliefert. "Diese Kinder sind einfach froh, sich zu bewegen", hat Dylewski beobachtet. Und noch etwas ist ihm aufgefallen: "Ich habe noch nie vorher erlebt, dass Kinder so viel Rücksicht aufeinander genommen haben, wie in dieser Gruppe."

Ziel des Angebots ist es, Kinder zu bewegen, ihnen die Möglichkeit zu geben, verschiedene Sportarten auszuprobieren. Es soll aber auch darum gehen, Solinger Kinder und Jugendliche für das Angebot zu begeistern und so Kinder ganz unterschiedlicher Herkunft zusammenzuführen. "Das Programm ist komplett offen für alle Kinder und Jugendlichen. Schon mehrfach haben uns die Flüchtlingskinder gefragt, ob denn auch andere Kinder und Jugendliche dabei seien. Sie würden sich freuen, wenn auch Solinger Kinder dazu kommen", so Marion Schubert. Damit die jungen Flüchtlinge mit anderen Kindern in Kontakt kommen, will der Verein ihnen nun auch die Teilnahme an einem Aikido-Kurs ermöglichen, der samstags vor dem Programm "Try it" stattfindet. "Da kommen die Kinder in eine Gruppe rein, die besteht", sagt Marion Schubert.

Die Sprache ist dabei bisher kein Problem: "Einige der jungen Teilnehmer sprechen Englisch", sagt Übungsleiter Dylewski. "Viele Regeln im Sport sind bekannt, da reichen wenige Worte, um sich abzustimmen. Und es funktioniert auch ganz ohne eine gemeinsame Sprache."

Die Kosten für Übungsleiter und Halle trägt der TSV Aufderhöhe. "Naürlich ist ein solches Angebot immer auch eine Sache der Finanzierung. Wir würden uns freuen, wenn sich Sponsoren finden würden, die uns unterstützen, um das Sportprogramm langfristig sichern zu können", so Schubert.

Quelle: RP
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