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Bergischer Hc
365 Tage nach dem "Big-Big-Big-Point"

Bergischer Hc: 365 Tage nach dem "Big-Big-Big-Point"
Gegen GWD Minden - hier eine Szene aus dem Hinspiel der Saison 2014/15 - gewannen der BHC und Milos Dragas (am Ball) damals beide Partien. FOTO: Köhlen (Archiv)
Solingen. Sonntag ist es exakt ein Jahr her, dass der BHC zuletzt auswärts in der Handball-Bundesliga gepunktet hat. Der Tag in Minden war besonders. Von Thomas Rademacher

Die Saison 2014/15 habe ich noch gut im Gedächtnis. Der Bergische HC spielte zeitweise überragenden Handball und war mit Siegen gegen die Rhein-Neckar Löwen, die Füchse Berlin oder auch die SG Flensburg-Handewitt die Überraschung der Bundesliga. Doch auch damals beschäftigte mich eine Sorge - die Auswärtsbilanz. Ein Pünktchen sprang am vierten Spieltag beim HC Erlangen heraus, doch danach herrschte Flaute. Immer wieder stellte ich mir die Frage, wo der BHC wohl stehen würde, wenn er auch auswärts so stark agieren würde wie zu Hause.

Beim HSV Handball stand die Mannschaft kurz vor dem Sieg, gab den Erfolg aber in den Schlussminuten doch noch aus der Hand. Dazu kamen eine Menge mehr oder weniger klare Pleiten gegen zumeist in der Tabelle deutlich weiter oben platzierte Gegner. Doch am 21. Februar 2015 hatte die Mannschaft eine neue Chance. Bei GWD Minden muss es doch reichen können, hatte ich mir vorher schon ausgerechnet. Die Mindener stemmten sich gegen den drohenden Abstieg - ein Kampf, den sie am Ende verlieren sollten.

Die Partie wirkte wie ein Befreiungsschlag. Milos Dragas, dessen Vertrag mit den Bergischen inzwischen aufgelöst ist, absolvierte eines seiner wenigen guten Spiele im "Löwen"-Trikot und trug mit sechs Treffern maßgeblich zum Sieg bei. Ein Erfolg, der nach zwischenzeitlich deutlicher Führung in der Schlussphase noch in Gefahr geriet, weil die Gäste müde wurden. Zwei Stürmerfouls von Kristian Nippes machten es den Mindenern einfacher, doch eine Zeitstrafe für die Hausherren entschied die Begegnung zu Gunsten des BHC. Die Gäste spielten die Überzahl besonnen und trafen durch Arnor Gunnarsson und Fabian Gutbrod.

Die Euphorie nach dem Sieg war damals groß. Auch bei mir.

Überschwänglich schrieb ich, dass es sich sicher nicht um den letzten Auswärtssieg der Saison gehandelt habe. Ich sollte mich irren. Nippes war froh, dass die Mannschaft sich keine Auswärtsschwäche habe einreden lassen - weil sie ja eigentlich gar nicht vorhanden sei. Auch er irrte sich. Recht behielt BHC-Beirat Jörg Föste, damals noch Geschäfsführer, heute Beirat, der den Erfolg als "Big-Big-Big-Point" bezeichnete. Das Team blieb im ruhigen Fahrwasser auf dem Weg zum Klassenerhalt, gewann aber nur noch daheim.

Auswärts setzte es eine Pleite nach der nächsten. Auch gegen vermeintlich schlagbare Gegner, wie Lemgo, Balingen, Friesenheim, Lübbecke oder Bietigheim. Was in der aktuellen Saison auswärts schiefgelaufen ist, brauche ich niemandem zu erzählen. Kein einziges Bundesliga-Pünktchen sprang in den vergangenen 365 Tagen heraus. Wie sehr ich ein Happy-End à la Minden bei einem Auswärtsspiel des Bergischen HC vermisse.

In dieser Saison haben sogar Überzahl-Situationen manchmal das Gegenteil eines Vorteils bewirkt. Plötzlich glitt der Mannschaft das Spiel trotz numerischer Überlegenheit aus der Hand. Ich erwische mich inzwischen dabei, wie ich befürchte, dass die Partie nun verloren geht - wenn es auswärts am Ende eng zugeht.

Und leider hat mich mein Gefühl noch nicht getrogen. Wenn es den Spielern auch so geht, hat der BHC ein ernsthaftes Problem. Ohne einen einzigen Auswärtssieg wird es sogar bei nur zwei Absteigern wirklich eng mit dem Klassenverbleib.

Am Sonntag hat das Team eine neue Chance. In Berlin. Genau ein Jahr nach dem Erfolg von Minden. Das muss doch ein gutes Omen sein. Und, hey, ich werde auch vor Ort sein. Als Glücksbringer sozusagen.

Quelle: RP
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