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Bergischer Hc
Balsam für die bergische Handball-Seele

Der BHC siegt - und steigt ab
Der BHC siegt - und steigt ab FOTO: Kempner, Martin
Solingen. Der BHC verabschiedet sich mit einem souveränen 32:24-Heimsieg in die Zweite Liga - und wird von 3000 Zuschauern minutenlang gefeiert. Von Guido Radtke

Nach seinen ersten drei verwandelten Siebenmetern hatte Arnor Gunnarsson noch die Siegerfaust geballt. An jedem anderen Spieltag hätte der Isländer in der Schlussminute auch nach seinem vierten erfolgreichen Strafwurf gejubelt. Der Rechtsaußen aber lief nach dem 32:23 mit bitterernster Miene zurück zur Mannschaftsbank, um sich nach einem formalen Abklatscher in den Kreis der enttäuschten Teamkollegen zu gesellen. Bei noch laufender Partie war der Abstieg des Bergischen HC besiegelt - die Nachricht des 32:31-Erfolges des TBV Lemgo gegen den VfL Gummersbach hatte sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen.

"Es war klar, dass wir nur noch unser Spiel beeinflussen können - und das haben die Jungs heute noch einmal überragend gelöst", sagte ein sichtlich enttäuschter Sebastian Hinze, der während der 60 Minuten für seine Verhältnisse ungewohnt zurückhaltend an der Seitenlinie agiert hatte. Mit kleinen Abstrichen in den ersten 20 Minuten bei der Abwehrarbeit, hat das Team seinem Trainer jedoch auch keinen Anlass dazu gegeben. Der 32:24 (17:12)-Erfolg gegen die TSV Hannover-Burgdorf bedeutete einen erstliga-würdigen Abschied aus dem Handball-Oberhaus, das die Löwen nach vier Spielzeiten in Serie wieder verlassen müssen.

Dass der BHC den bitteren Gang in die "stärkste Zweite Liga der Welt" (Hallensprecher Jens Scheffler) nach einer famosen Rückrunde nicht verdient hat, darin waren sich alle einig, die in der Unihalle einen der emotionalsten Momente der Vereinsgeschichte erlebt haben. Einsetzend mit der ernüchternden Nachricht aus Lemgo, standen die rund 3000 Zuschauer auf und feierten die Mannschaft mit Stehenden Ovationen. Selbst nach dem kaum vernehmbaren Schlusssignal wollte der Beifall kein Ende nehmen. Minutenlang hielten sich das rhythmische Klatschen und die Fangesänge. Diese Gänsehaut-Atmosphäre war Balsam für die bergische Handball-Seele.

"Es ist schon so, dass da jetzt eine gewisse Leere ist", gab BHC-Cheftrainer Sebastian Hinze (l.) nach dem Abpfiff Einblick in seine Gefühlswelt. FOTO: Martin Kempner (5), Guido Radtke

"So etwas haben wohl nur ganz wenige Mannschaften erlebt, nach einem Abstieg so verabschiedet zu werden", zeigte sich Sebastian Hinze beeindruckt. Es spiegele den Respekt vor der Leistung der Mannschaft wider und "dass wir alle wieder zusammengewachsen sind". Auch Beirat Jörg Föste lobte die Stimmung in der Halle in höchsten Tönen: "Was Ihr hier nach dem Schlusspfiff gemacht habt, werden wir Euch nie vergessen."

Der Abstieg in die Zweite Liga geht einher mit einem großen personellen Umbruch. Acht Akteure aus dem aktuellen Kader wurden gebührend verabschiedet. Für Nils Artmann, Maximilian und Alexander Hermann, Moritz Preuss, Uros Vilovski, Björgvin Gustavsson und Christian Hoße gab es Präsente vom Verein und den Fanclubs. Letzterer wirkte nach seinem letzten Auftritt im Löwen-Trikot erstaunlich gefasst, als er unter tosendem Applaus seine Abschiedsrunde drehte. Ganz im Gegensatz zu Jens Scheffler: Die Stimme des langjährigen Hallensprechers stockte mehrfach, als er Hoßes prägnante Ereignisse bei der SG Solingen und dem BHC auflistete. Den Linksaußen zieht es zum künftigen Zweitliga-Konkurrenten Rhein Vikings.

Noch während der Szene der großen Enttäuschung war zu spüren, dass die Motivation groß ist, über Dessau, Rimpar, Bad Schwartau oder Konstanz gleich wieder den Weg zurück in die Erste Liga anzuvisieren. Dafür steht bekanntlich ein Kader parat, der auch gegen Berlin, Wetzlar, Leipzig oder Hannover konkurrenzfähig wäre.

Quelle: RP
 
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