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Bergischer HC
Dem Tiefschlag folgt ein Dauer-Hoch

Bergischer HC: Dem Tiefschlag folgt ein Dauer-Hoch
In der 2. Bundesliga läuft es für den BHC rund. FOTO: OTTO KRSCHAK
Solingen. 2017 war für den BHC ein erfolgreicher Fehlschlag. Dem Abstieg aus dem Oberhaus steht die zweitbeste Bilanz der Klubgeschichte gegenüber. Von Thomas Rademacher

Statistisch ist der Bergische HC im abgelaufenen Jahr über jeden Zweifel erhaben. 55:17-Punkte holten die Handballer. Seit der BHC-Gründung 2006 hat der Club nur einmal erfolgreicher gespielt: 2010 holte das Team unter Trainer "HaDe" Schmitz im Ligaspielbetrieb 57:13-Zähler. Was Sebastian Hinze 2017 mit den Löwen gelang, ist trotzdem noch bemerkenswerter, denn die Bilanz beinhaltet ein halbes Jahr im Oberhaus, während der Verein 2010 ausschließlich in der Zweiten Liga rangierte.

Phase 1: sportliche Auferstehung

Trotz 17:15-Punkten seit Beginn des vorigen Jahres stieg die Mannschaft am 10. Juni aus der Bundesliga ab. Wie konnte das geschehen? "Unsere Leistung 2016 ist schuld am Abstieg", stellte Arnor Gunnarsson nach dem starken 32:24-Erfolg am letzten Spieltag gegen die TSV Hannover-Burgdorf klar. Der Isländer hatte Recht. 5:31-Punkte zum Jahreswechsel erwiesen sich als zu große Hypothek. Sogar eine sportliche Auferstehung, die im Handball ihresgleichen sucht, konnte die Löwen nicht retten. Unfassbar war es, als die Mannschaft nach zwölf Niederlagen in Folge Mitte Februar mit 30:29 bei den Füchsen Berlin gewann. Doch dieser eigentlich unvergessliche Sieg wird nicht in Erinnerung bleiben. Denn trotz des Erreichens des in der Winterpause verkündeten kühnen Zieles von acht Siegen befand sich die Mannschaft am letzten Spieltag auf einem Abstiegsplatz - nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses im Vergleich mit dem VfL Gummersbach. Überhaupt waren die Ergebnisse der Konkurrenz an den letzten drei Spieltagen alles andere als Löwen-freundlich. Der ebenfalls bedrohte TBV Lemgo gewann gar dreimal in Folge.

Phase 2: am Boden

Es war der emotionale Tiefpunkt in elf Jahren BHC-Geschichte, obwohl sich das Team doch eigentlich auf einem Höhenflug befand. Paradoxer geht es nicht. "Wahrscheinlich kann man nicht schlimmer absteigen", meinte Linksaußen Jan Artmann immer noch sichtlich bewegt, nachdem die Zuschauer in der Wuppertaler Unihalle ihr Team minutenlang mit stehenden Ovationen und BHC-Rufen aufgemuntert hatten. Dieser 10. Juni war aus der Sicht des BHC der sportlich schlimmste Tag des Jahres. Doch schon wenige Minuten nach der Gewissheit des ersten Abstiegs seit vier Jahren hatten die Löwen-Fans mit ihrer Aktion für eine Aufbruchstimmung gesorgt. Der Sommerurlaub war zur Verarbeitung trotzdem bitter nötig für die Spieler, die beim BHC blieben.

Phase 3: die Dominanz

Dass es für die Zweitliga-Saison sechs Zugänge zu integrieren gab, kam dann wohl gar nicht so ungelegen. Denn die Neuen waren nicht vorbelastet, während ein Großteil des verbleibenden Teils der Mannschaft einräumte, dass er in besonderem Maße am Abstieg zu knabbern hatte. An ihren Ambitionen ließen die Handballer von Beginn an jedoch keinen Zweifel aufkommen. Kapitän Kristian Nippes sprach bei der Mannschaftspräsentation davon, den Fehler des Abstieges wieder ausmerzen zu wollen. Motivation von außen war überhaupt nicht mehr nötig. Die Clubführung verzichtete darauf, den Wiederaufstieg als Ziel anzugeben. Wie entschlossen die Truppe ist, stellte sie von Beginn an unter Beweis. Nach einer starken Vorbereitung starteten die Löwen mit 30:0-Punkten in die Zweitliga-Saison. Die Integration der Zugänge gelang über den Zeitraum der ersten etwa zehn Partien durch die Bank, wobei Linus Arnesson mit seiner unfassbaren Sprungkraft besonders herausragte. Nach 15 Siegen in Folge setzte es beim 25:30 gegen den VfL Lübeck-Schwartau die bislang einzige Saisonpleite. An der Dominanz änderte dies allerdings nichts. Der Bergische HC absolvierte die vier letzten teils schweren Aufgaben des Jahres erfolgreich. Und im Sommer 2018 wird dann der Aufstieg stehen. Der wird dann gar nicht mehr paradox sein.

Quelle: RP
 
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