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Bergischer HC
BHC belohnt sich mit einem Auswärtssieg

Solingen. Nach mehr als einem Jahr gewinnt das Team in einer fremden Halle: mit 28:26 beim TBV Lemgo, dessen Trainer sauer ist. Von Georg Amend

Schon vor der Schlusssirene in der Lipperlandhalle fallen sich die Gästespieler in die Arme: Der Bergische HC hat beim TBV Lemgo etwas geschafft, dass ihm seit mehr als einem Jahr nicht mehr gelungen ist - einen Auswärtssieg in der Handball-Bundesliga! Den bis gestern letzten hatte es am 21. Februar 2015 (!) in Minden gegeben - diese desaströse Serie ist mit dem 28:26 (10:11) von gestern Nachmittag beendet.

Alexander Hermann schmunzelt, als er darauf aufmerksam gemacht wird, dass es sein erster Auswärtssieg mit dem BHC überhaupt ist. "Das stimmt", sagt der österreichische Halblinke, der erst vor dieser Saison zu den Bergischen gekommen ist, und ergänzt: "Es ist unglaublich geil." Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Maximilian hat er vor allem in der Endphase großen Anteil an diesem im Abstiegskampf so wichtigen Erfolg gehabt, sieben der 18 Treffer nach der Pause erzielten die Österreicher. "Wir haben nicht gut gespielt, aber gekämpft", fand Alexander, dem als Rechtshänder sogar ein Treffer mit links gelungen war, während Maximilian meinte: "Wir haben uns in den vergangenen Wochen immer weiter gesteigert, so auch heute innerhalb dieses Spiels. Die technischen Fehler im Angriff müssen wir noch abstellen, aber wir haben uns heute dafür belohnt, dass wir uns immer weiter gesteigert haben."

Dieser Sieg in Lemgo war ein Verdienst der gesamten Mannschaft, doch es stachen eben einige Akteure noch heraus. Zum Einen der überragende Torhüter Björgvin Gustavsson, der seine unfassbaren 18 Paraden fast schon ein wenig klein zu reden versuchte: "Die Abwehr vor mir war klasse. Wenn man sieht, wie die Jungs da arbeiten - da muss ich einfach ein paar Bälle halten." Zum Anderen aber auch Christian Hoße, der vier seiner fünf Tore nach dem Seitenwechsel erzielte, die allesamt ganz wichtig waren. Insbesondere diejenigen um die 43. Minute herum, als der Linksaußen des BHC das 20:19 in Unterzahl ebenso markierte wie das 21:19 und 22:20. Das war der Knackpunkt in diesem Spiel, Lemgo ließ sich hängen, und der BHC nutzte seine Chance. Hoße selbst fand einen anderen entscheidenden Punkt: "Das war, als wir auf fünf Tore Vorsprung weggezogen sind. Da haben wir es gut verwaltet. Und nicht wie so oft zwei, drei Tore vor nicht bis zum Ende halten können. Diesmal haben wir durchgezogen."

Kreisläufer Moritz Preuss, der in der erwähnten Unterzahl das ebenfalls eminent wichtige 19:19 erzielt hatte, meinte: "Ich bin froh, dass wir über 60 Minuten das gezeigt haben, was wir können. Dieser Sieg war in unserer Situation so unglaublich wichtig. Jetzt müssen wir diesen Schwung mitnehmen."

BHC-Trainer Sebastian Hinze analysierte: "Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Die Mannschaft hat sich belohnt für die sehr harte Arbeit der letzten Wochen. Wir haben die ganze Woche über gesagt, dass wir uns irgendwann dafür belohnen werden." Gestern war es dann so weit. "Wir haben es auch auswärts mal geschafft, diese Leidenschaft, die wir zum Siegen brauchen, auf die Platte zu bringen. Am Ende haben wir im Angriff eine Formation gefunden, die beweglich war und funktioniert hat. Natürlich gehört eine gute Torwart-Leistung dazu, und die war heute da. Vor allem in entscheidenden Momenten hat Björgi freie Bälle weggenommen. So müssen wir insgesamt weiter arbeiten."

Sein Gegenüber, Florian Kehrmann, startete sein Statement mit dem obligatorischen Glückwunsch an den Gegner und der sicher realistischen Einschätzung: "Das muss man anerkennen, dass der Sieg verdient war." Ebenfalls sehr gut eingeschätzt: "Wir haben nicht konsequent genug zu Ende gespielt, den BHC walten lassen und nicht mehr so viel investiert. Dann spielen wir eine schlechte Überzahl, und da gehen die Köpfe schnell runter."

Was dann folgte, muss man indes nicht verstehen: "Als wir mit einem Tor beim BHC verloren haben, wollte mir der gegnerische Trainer nicht die Hand geben", erzählte Kehrmann mit Blick auf das 31:30 der Bergischen im Hinspiel. Was er gestern verschwieg: Hinze hatte damals geärgert, dass sein Gegenüber gefordert hatte, das regelkonforme Siegtor von Max Weiß als nach erfolgtem Schlusspfiff abzuerkennen. Auf der anschließenden Pressekonferenz hatte Kehrmann sich zudem geweigert, ein Statement abzugeben, solange er keinen Spielbericht habe. Erst, als ein Journalist ihm einen reichte, ging es weiter.

Die Show von Kehrmann gestern war noch eine Nummer härter, er unterstellte Hinze schlechten Stil, weil dieser anderthalb Minuten vor dem Ende bei klarer Führung eine Auszeit genommen hatte. Zu diesem Vorwurf erwiderte der BHC-Coach: "Ich lasse das so stehen. Ich glaube aber, dass es jedem Trainer selbst obliegt, wann er die Auszeit nimmt." Klub-Beirat Jörg Föste ergänzte: "Wenn man über ein Jahr auswärts nicht gewonnen hat, kommt man auf die Idee, dass man das noch verlieren kann. Wir sind nicht so übermütig zu glauben, wir könnten das einfach verwalten. Diese Auszeit hatte Sinn und Verstand." Kehrmanns zweiter Eklat auf einer Pressekonferenz mit dem BHC dürfte dem Klub schon heute egal sein. Was bleibt ist der Auswärtssieg - und der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz.

Quelle: RP
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