| 21.35 Uhr

Bergischer HC
BHC zeigt eine Wahnsinnsvorstellung

Göppingen. Die Liste der Ausfälle beim Handball-Bundesligisten Bergischer HC wird einfach nicht kleiner: Bei der Partie am Samstagabend bei FrischAuf Göppigen fallen in Maximilian Hermann und Christian Hoße (beide Magen-Darm-Virus) zwei weitere Spieler aus, so dass insgesamt sieben Akteure fehlen. Damit könnte man theoretisch ein ganzes Spiel bestreiten. So wäre ein Punktgewinn schon eine Sensation wie der Sieg in Wetzlar unter ähnlichen Voraussetzungen gewesen. Und das Wunder geschah: Die Gäste bewiesen eine unfassbare Moral und holten mit 26:26 (8:15) einen Zähler. Und wie! Von Georg Amend

Zwei Torhüter und zehn Feldspieler hatte BHC-Trainer Sebastian Hinze in Göppingen zur Verfügung – natürlich nicht die besten Voraussetzungen, um in der "Hölle Süd" genannten Arena die Serie von zwei Siegen in Folge auszubauen. Immerhin konnte sich so Max-Leon Bettin seinen Kindheitstraum erfüllen: Der Halblinke mit Zweitspielrecht vom Drittligisten Bayer Dormagen kam zu seinem ersten Einsatz in der Eliteklasse, und das gleich von Anfang an. Allerdings hatte er sich sein Debüt sicher anders erträumt: Nach rund elf Minuten musste er vom Feld, der Sprung in die "stärkste Liga der Welt" ist doch ein sehr großer.

Für Bettin kam Viktor Szilágyi auf die Platte, und der reaktivierte Sportliche Leiter führte sich mit gefährlichen Anspielen an den Kreis und einem verwandelten Schlagwurf gleich gut ein. So blieb der BHC bis zur 18. Minute bis auf ein Tor dran, doch dann kamen die erste technischen Fehler, vor denen Hinze gewarnt hatte, dass sie gnadenlos bestraft würden. Genauso war es, und als dann noch eine Zeitstrafe für Moritz Preuss, der ohnehin einen gebrauchten Abend erwischt hatte, hinzukam, setzte sich Göppingen mit vier Toren in Folge auf 10:5 ab. Das war schon bitter für den BHC, dessen Rückstand bis zur Pause noch anwuchs.

Nach dem Seitenwechsel keimte kurzfristig etwas Hoffnung bei den knapp 20 mitgereisten BHC-Fans auf, da Arnor Gunnarsson mit zwei Treffern – darunter seinem bereits fünften verwandelten Siebenmeter – und Torwart Christoper Rudeck mit seinem ersten Bundesliga-Tor ins leere Göppinger Gehäuse auf 11:15 verkürzten. Doch der Rückstand war schon zu groß gewesen, zudem hat der Rückraum der Schwaben mit unter anderem Lars Kaufmann und Jens Schöngarth einfach mehr Durchschlagskraft als der des BHC in der gestrigen Besetzung.

Doch dann drehte Rudeck im Tor auf und hielt unter anderem zwei freie Würfe von Anton Halén von rechtsaußen. Und nach Treffern von Bogdan Criciotoiu und Uros Vilovski war der BHC plötzlich wieder voll im Spiel, der Rückstand war auf zwei Toren geschrumpft (16:18, 43. Minute). Und kurz darauf egalisiert, denn das Göppinger Angriffsspiel wurde nun fehlerhaft und fahrig – Criciotoiu und Gunnarsson glichen zum 18:18 aus (44.). Zur ersten Führung in diesem Spiel langte es aber nicht, weil Primosz Prost, der im Tor der Hausherren einen starken Abend erwischt hatte, zum zweiten Mal ins wegen eines zusätzlichen Feldspielers verwaiste BHC-Gehäuse warf, und Adrian Pfahl kurz darauf auf 20:18 stellte.

Doch der BHC kam wieder zurück. Angetrieben von einem immer stärker werdenden Rudeck gelangen Criciotoiu und Vilovski der 25:25-Ausgleich, dann warf Prost den Ball am leeren Tor vorbei und Babák erzielte die erste Führung für den BHC – Wahnsinn! Dann unterlief Kaufmann ein Stürmerfoul, die Gäste hatten den Ball, kamen aber mit der nun offenen Deckung der Hausherren nicht klar. Gunnarsson musste bei angezeigtem Zeitspiel werfen, Prost parierte und Göppingen blieben noch 20 Sekunden zum Ausgleich.  Und der gelang Schöngarth vier Sekunden vor dem Ende. Aber das durfte dem BHC fast egal sein. Er hatte eine Wahnsinns-Vorstellung geboten und großartige Moral gezeigt.

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