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Interview
"Das Gerüst steht für beide Ligen"

Interview: "Das Gerüst steht für beide Ligen"
BHC-Beirat Jörg Föste hat an Trainer Sebastian Hinze (im Hintergrund auf dem Foto) festgehalten. FOTO: Imago (Archiv)
Solingen. Der Beirat des Bergischen HC spricht über den Abstiegskampf in der Handball-Bundesliga, die zweigleisige Planung, die vertragliche Situation der Spieler, die Infrastruktur des Vereins und die Rückendeckung durch die Fans.

Wie ist das werte Gefühl anderthalb Wochen nach dem Sieg in Lemgo?

Föste Die Mannschaft hat sich belohnt für die Arbeit. Es ist ein wohltuendes Gefühl, dass sich das, was sich in den Spielen zuvor schon angedeutet hatte, auch im Ergebnis niedergeschlagen hat. Das war im Hinblick auf die Tabellensituation für den ganzen Klub eminent wichtig.

Die Tabellensituation ist nach wie vor nicht rosig. Man steht zwar jetzt auf dem ersten Nichtabstiegsplatz, aber die Konkurrenz tut ja auch etwas: Nettelstedt punktet inzwischen relativ konstant, Eisenach hat nun Trainer Velimir Petkovic entlassen. Was bedeutet das für den BHC?

Föste Unsere Hauptaufgabe ist, auf uns selbst zu schauen und die jüngsten Leistungen, die man erbracht hat, zu bestätigen - und das am besten schon im Heimspiel gegen Hannover am Samstag. Das ist angesichts der Ausgangslage sicher wieder ein schwieriges, aber auch wegweisendes Spiel.

Das heißt, man schaut als Klub gar nicht, was die anderen so machen?

Föste Selbstverständlich verschafft man sich im Alltagsgeschäft einen Überblick, und dazu gehört die Wettbewerbsbeobachtung. Wer da aber letztlich am Saisonende involviert sein wird im Rennen um den Klassenverbleib, steht ja noch dahin. Es ist daher einigermaßen früh, Ergebnisse der Konkurrenz zu werten. Fest steht im Übrigen, dass Trainerwechsel in der Regel keinen Erfolg zeitigen.

Ist das ein Gefühl oder eine Statistik?

Föste Das ist nachgewiesen, vor allen Dingen, wenn man das über einen Zeitraum definiert, der länger als vier Wochen währt.

War das der Grund, an Sebastian Hinze als BHC-Trainer festzuhalten?

Föste Das stand nie in Rede.

Auch nicht in Gedanken?

Föste Auch das nicht. Die entscheidende Frage für die Verantwortlichen des BHC ist die: Welche Konstellation ist die erfolgversprechendste? Die Antwort ist seit vier Jahren die gleiche. Das gilt insbesondere bei der uns eigenen mittel- bis langfristigen Betrachtungsweise.

Die Abstiegsgefahr ist ja logischerweise nicht gebannt. Planen Sie für erste und zweite Liga?

Föste Das müssen wir zwangsläufig aufgrund der Statuten der HBL (Handball-Bundesliga, Anm. d. Red.), da wir für beide Ligen die Lizenz beantragen und dafür das Zahlenwerk durcharbeiten müssen. Das ist in den vergangenen vier Spielzeiten zur Routine geworden.

Sie haben ja mit etlichen Spielern verlängert. Welche Verträge gelten denn für erste und zweite Liga?

Föste Das Gerüst steht für beide Ligen unter Vertrag. In den einzelnen Verträgen sieht es so aus, dass beide Torhüter (Björgvin Gustavsson und Christopher Rudeck, d. Red.) für beide Ligen unterschrieben haben, auf Linksaußen Jan Artmann, auf Halblinks beide (Fabian Gutbrod und Alexander Hermann, d. Red.), auf Rückraum-Mitte Ali (Alexander Oelze, d. Red.) und Tomás Babak (tschechischer Mittelmann, Vertrag ab Sommer 2016, d. Red.), im rechten Rückraum Maximilian Hermann und Maciej Majdzinski sowie auf Rechtsaußen beide (Arnor Gunnarsson und Nils Artmann, d. Red.).

Spielmacher Viktor Szilágyi ist eh ein Sonderfall, aber es fehlen Kreisläufer sowie Linksaußen Christian Hoße und der andere Halbrechte Kristian Nippes . . .

Föste Alle Positionen bis auf den Kreis sind besetzt. Das meinte ich mit Gerüst. Das heißt nicht, dass Spieler, die keinen Kontrakt haben, nicht auch für den Bergischen HC in der zweiten Liga Handball spielen könnten.

Gesetzt den Fall eines Abstieges - was würde das für eine Bergische Arena bedeuten?

Föste Idealerweise möchten wir uns mit der Frage detailliert erst dann beschäftigen, wenn es soweit ist. Was man sagen kann: Die Planung für ein derartig bedeutendes Projekt ist unabhängig von der Ligenzugehörigkeit zu betrachten. Wir werden oft gefragt: Was macht ihr denn, wenn ihr absteigt? Eine andere Frage beschäftigt uns viel mehr: Was machen wir denn, wenn wir drinbleiben? Für die zweite Liga reichen die vorhandenen Kapazitäten gerade so, für die erste sicher nicht. Und Solingen hat schon einmal einen Fehler gemacht: Als die Klingenhalle 1973 endlich fertig war, war der führende Handball-Klub schon von der Bildfläche verschwunden. Es ist an der Zeit, sich an diesen Fehler und die Folgen zu erinnern.

Gab es denn schon einmal den Fall, dass ein Spieler gesagt hat, er würde nicht zum BHC kommen, weil die Infrastruktur mit den beiden Hallen in Wuppertal und Solingen ihm nicht passt?

Föste Das gab es noch nicht. Das liegt aber daran, dass es jeder weiß - und damit billigend in Kauf nimmt.

Also war das nicht der Grund, warum man aus der "Konkursmasse" des HSV Handball nicht noch andere Spieler außer dem jungen Linkshänder Majdzinski verpflichtet hat?

Föste Diese besondere Transfersituation im Januar kam eher den Klubs zustatten, die zu diesem Zeitpunkt kurzfristigen Bedarf hatten. Den haben wir bei uns nicht gesehen, sondern einen langfristigen, zu dem Maciejs Verpflichtung gut passt.

Aber gerade, wenn man im Abstiegskampf steckt, sucht man doch Spieler, die einem "sofort weiterhelfen" können. Das war doch auch das Anforderungsprofil an Inal Aflitulin, den Sie im November aus Baia Mare geholt haben. . .

Föste Inals Verpflichtung zwei Monate vorher war eine Notwendigkeit, weil wir aufgrund von Verletzungen keine Stabilität auf der Spielmacherposition gesehen haben. Zum Handlungsbedarf gesellte sich die Chance aufgrund der speziellen Lage in Rumänien, wo der dortige Klub in finanzielle Engpässe geraten war.

Wenn Sie Majdzinski als Linkshänder für die Zukunft haben - was ist dann mit Brian Gipperich, der in dieser Saison seinen ersten Profivertrag bei Ihnen bekommen hat?

Föste Wir denken, dass Brian vor allem Spielpraxis braucht und wir ihm diese ermöglichen müssen. Wir sprechen also ganz offen über ein Zweitspielrecht für einen Zweitligisten für die nächsten beiden Spielzeiten, so dass er die Möglichkeit hat zu spielen und wir später die Chance erhalten, unser Talent entwickelt zurückzuholen.

Die Arbeit des Klubs hat also mit dem Sieg in Lemgo nicht aufgehört?

Föste (lacht) Das ist richtig.

Dann danke für das Gespräch. . .

Föste Ich möchte noch etwas anderes sagen: Ich möchte meiner Bewunderung Ausdruck verleihen, was unsere Zuschauer an Enthusiasmus und Treue mitbringen. Es ist keine einfache Saison für uns alle, aber wie viel Unterstützung wir durch das Publikum, durch sein Kommen und durch seine Rückendeckung erleben, ist sehr positiv und beeindruckt mich persönlich sehr. Das ist nicht selbstverständlich. Es zeigt, dass das Gros des Publikums verstanden hat, wo die Schwierigkeiten in dieser Saison gelegen haben - und wie sehr sich alle wünschen, dass wir unser gemeinsames Ziel erneut erreichen.

GEORG AMEND FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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