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Bergischer Hc
Der BHC geht am Stock

Solingen. Der Tabellenletzte der Handball-Bundesliga hat massive Verletzungssorgen und muss personell nachlegen. Von Georg Amend

Es läuft die 44. Minute im Spiel des Bergischen HC gegen die Füchse Berlin, die Partie der Handball-Bundesliga ist beim Stand von 13:25 bereits entschieden. Bemerkenswert ist aber die Formation, die der BHC im Angriff aufbieten muss: Rechtsaußen Nils Artmann darf noch auf seiner angestammten Position ran, ebenso sein Zwillingsbruder Jan auf der linken Außenseite, Uros Vilovski am Kreis und Alexander Oelze auf der Mitte. Doch auf den Halbpositionen steht kein Shooter, sondern in Tomás Babák auf links ein gelernter Mittelmann und in Arnor Gunnarsson auf rechts ein Außen. Das ist nicht die Wunschformation von Trainer Sebastian Hinze. Es ist das Bild eines BHC, der am Stock geht.

Schon vor der Partie fehlten die Rückraumspieler Fabian Gutbrod (halblinks, Innenbandriss), Maciej Majdzinski (Kreuzbandriss) und Kristian Nippes (Schulterverletzung, beide halbrechts), zudem noch Abwehrchef Ace Jonovski und Linksaußen Christian Hoße. Während der Partie fiel dann noch Alexander Hermann (halblinks) aus. "Er hat einen Stich im Adduktorenbereich gespürt", erklärte Viktor Szilágyi später. Der Sportliche Leiter fügte hinzu: "Es ist ganz ehrlich sehr, sehr, sehr frustrierend jetzt, diese Situation Mitte September so vorzufinden." Da sich Nippes' Verletzung als schwerer herausgestellt hat - der Kapitän wird diese Woche an der Wurfschulter operiert und fällt demnach länger aus -, muss der BHC personell nachrüsten. "Wir haben ein Angebot für einen Spieler abgegeben, von dem wir hundertprozentig überzeugt sind. Wir hoffen auf eine positive Entscheidung, dass wir vielleicht Anfang der Woche jemanden haben, der uns sofort weiterhilft", berichtete Szilágyi. Denn: "Mit den wahnsinnig vielen Verletzten haben wir Probleme, wettbewerbsfähig zu bleiben."

Das deckten die Füchse Berlin bei ihrem Gastspiel in Wuppertal schonungslos auf. Am Ende hatten sie locker mit 31:20 gewonnen, und hätte sich Christopher Rudeck nicht in blendender Verfassung im Tor des BHC präsentiert, wäre es vermutlich noch bitterer geworden. Der 21-Jährige kam direkt gut in die Parie, nahm Kresimir Kozina gleich mal einen Gegenstoß und einen freien Wurf vom Kreis weg. Nach elf Minuten brachte seine spektakuläre Doppelparade gegen den Wurf von Petar Nenadic aus dem Rückraum und dann im Fallen mit dem Fuß gegen Kozina vom Kreis die Unihalle zum Kochen - da stand es 4:4. Am Ende kam Rudeck in 47 Minuten Spielzeit auf stolze 15 Paraden. "Sebastian hat mich morgens angerufen und mir gesagt, dass ich im Tor anfange", sagte "Rudi" über die Nachricht seines Trainers. "Ich habe mich sehr gefreut und glaube, dass ich es auch verdient hatte, mal den Start zu bekommen."

Und der war trotz der Rumpftruppe mit gerade einmal neun Feldspielern, die der BHC ins Rennen schicken konnte, sehr gut. Bis zum 10:12 in der 26. Minute hielten die Hausherren die Begegnung absolut offen, was nicht nur an Rudeck lag, sondern auch an einer geschickten Angriffssteuerung von Babák, der sein bestes Spiel im BHC-Trikot machte. Doch Fehler kurz vor der Pause brachten die Gastgeber aus dem Tritt, Berlin zog auf 15:10 davon. "Ich glaube nicht, dass wir in der ersten Halbzeit fünf Tore schlechter sind", meinte Rudeck.

Trainer Hinze betonte: "Wir haben eine erste Halbzeit gesehen, mit der ich extrem zufrieden bin. Wir haben alles gezeigt, was den BHC ausmacht. Wir hatten sehr viel Struktur im Spiel und waren auch defensiv da, sind in die Zweikämpfe gekommen." Er wusste aber auch: "Trotzdem haben wir zur Halbzeit zu wenig mitgenommen. Mit minus fünf ist es schwer, mit neun Feldspielern, davon drei Außen, gegen ein Berlin, das komplett ist. Es fehlten dann ein paar Zentimeter, etwa bei den Kontern von Mattias Zachrisson. Das ist normal, wenn man mit dem Rückraum fast durchspielen muss." Hinze schloss positiv: "Die Jungs haben alles gegeben, und ich bin extrem stolz, wie sie zusammen agiert und das Maximum aus sich herausgeholt haben."

Babák sah es ähnlich: "Wir müssen das Positive mitnehmen, dass wir 25 Minuten mit so einer starken Mannschaft mithalten können. Wir haben gut angefangen, aber dann leider unnötige Fehler gemacht. In der zweiten Halbzeit hat uns mit den vielen Verletzten vielleicht die Kraft gefehlt. Mit zwei Mittelmännern und drei Außen auf der Platte zu stehen ist schon schwierig."

Einer der Genannten war Gunnarsson, der erstmals seit fast zehn Jahren wieder im Rückraum aushelfen musste. "Das letzte Mal habe ich da 2007 gespielt, als mein Verein in Island ähnlich viele Verletzte hatte", berichtete der 1,80 Meter große Linkshänder. Er ergänzte: "Ich weiß, ich bin eigentlich zu klein für den Rückraum, aber ich kann vielleicht das Spiel mit meinen Bewegungen etwas schneller machen. Ich will der Mannschaft helfen, und wenn Sebastian sagt: , Du spielst Rückraum', dann spiele ich Rückraum." Immerhin erzielte er mit einem Unterarmwurf auch sein einziges Tor im Spiel von dieser Position. Eine Dauerlösung wird das aber nicht. So muss Szilágyi den BHC nun nachrüsten.

Quelle: RP
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