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Bergischer HC
Der letzte Wurf gegen Magdeburg

Bergischer HC: Der letzte Wurf gegen Magdeburg
Jannick Green kommt nicht an den Ball - der Dreher von Arnor Gunnarsson (nicht im Bild) war eigentlich gut, findet aber nicht den Weg ins Tor. Rechts kann Yves Grafenhorst nur bang hinterherschauen. FOTO: Imago
Solingen. Beim Stande von 29:29 hatte Arnor Gunnarsson die Chance, den Bergischen HC ins Final Four-Finale zu werfen. Von Georg Amend

Während unten die Spieler des SC Magdeburg ihren Pokal-Erfolg über die SG Flensburg-Handewitt feierten, verließen die Akteure des Bergischen HC die Barclaycard-Arena in Hamburg. Sie waren beim Endspiel im Finalturnier des nationalen Pokals nur noch Zuschauer gewesen, nachdem sie gegen eben diese feiernden Magdeburger das Halbfinale mit 33:36 nach Verlängerung verloren hatten.

Dabei hätten sie es sein können, die Flensburg im letzten Duell forderten. Es hing am Ende alles an dieser finalen Aktion im Halbfinale. BHC-Trainer Sebastian Hinze hatte einen Spielzug ausgesucht, den Fabian Gutbrod abschließen sollte. Der Halblinke hatte sich bei seinem Comeback nach monatelanger Verletzungspause in blendender Verfassung präsentiert - nur konsequent, dass er nun beim Stand von 29:29 in die Verantwortung gehen sollte. Doch Magdeburg verteidigte gut, so dass der Halblinke nicht abschloss, sondern Arnor Gunnarsson auf rechtsaußen bediente. Der Isländer sprang in den Kreis und versuchte, mit einem Dreher an SCM-Torwart Jannick Green ins Tor zu treffen. Doch der Ball ging am Pfosten vorbei. Abpfiff, Verlängerung, Pokal-Aus.

Dieser letzte Versuch von Gunnarsson lässt so viele Möglichkeiten zu, wie die Pokalgeschichte des BHC noch anders hätte ausgehen können. Magdeburgs Linksaußen Yves Grafenhorst schubste den Isländer im Sprung - das hätte nach der Regel einen Siebenmeter nach sich ziehen müssen, doch den gaben die Unparteiischen nicht. Gunnarsson sagte einen Tag nach dem Halbfinale unserer Redaktion, er hätte ihn auch nicht gepfiffen, wenn er Schiedsrichter wäre. Ehrlich. Man kann dem Außen aber auch den Vorwurf machen, dass er Grafenhorsts Geschenk nicht annahm, sondern auf Siegtreffer ging, anstatt mit ein wenig Theatralik für den Strafwurf zu sorgen. Egoistisch? Unclever? Oder ehrlich?

Sein Kapitän Viktor Szilágyi sagte unmittelbar nach dem Pokal-Aus: "Das war eigentlich der perfekte Wurf, aber irgendwas war nass." Deshalb habe der Ball nicht den notwendigen Spin gehabt, um den Weg ins Tor zu finden. Diesen Umstand bestätigte Gunnarsson ebenfalls, ohne dass er wusste, ob seine Hand, der Ball oder der Boden nass gewesen waren. Schützenhilfe bekam er nach dem Finale von Michael Haaß: Der deutsche Europameister in Magdeburger Diensten sagte zum Pokalgewinn in kleiner Runde: "Wir haben aber auch Glück gehabt. Wenn der Ball vom BHC-Außen reingeht, fliegen wir im Halbfinale raus. Der Boden war an einer Stelle nass, deswegen ging der Wurf daneben. Dann würden wir hier heute nicht feiern." Haaß sagte das ganz ehrlich - mit der goldenen Pokal-Medaille über dem nackten Oberkörper.

Um die hätte der BHC kämpfen können, wenn der Boden trocken gewesen wäre. Oder Gunnarsson den Siebenmeter genommen hätte. Oder, oder, oder. Der Konjunktiv hat im Sport keinen Platz - auch wenn er immer wieder zu Rate gezogen wird. Szilágyi schätzte dann auch ganz nüchtern ein: "Da sieht man mal, an welchen Kleinigkeiten es manchmal im Sport hängt." Eine nasse Stelle auf dem Boden, die den Drall des Balls so verändert, dass am Ende das Pokal-Aus steht. Irre.

Zur Erinnerung - der BHC war nur zum Final Four gekommen, weil Linksaußen Christian Hoße mit der finalen Aktion einen Dreher im Tor von GWD Minden untergebracht und so den Siegtreffer erzielt hatte. Wie in Hamburg hatte da der Gegner direkt davor einen Siebenmeter verworfen. Sachen gibt's. . .

Quelle: RP
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