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Bergischer Hc
Der Tiefpunkt

Bergischer Hc: Der Tiefpunkt
Arnor Gunnarsson kann es nicht fassen: Der Rechtsaußen des BHC hämmerte nach dem Ausgleich des TVB mit den Fäusten auf den Boden. FOTO: Imago
Solingen. Der BHC vergibt im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga einen wichtigen Sieg gegen Stuttgart. Die Nerven flattern. Von Georg Amend

Alexander Oelze ist das Entsetzen ins Gesicht gemeißelt. Der Spielmacher des Bergischen HC hat 50 Sekunden vor dem Ende der Partie gegen TVB Stuttgart die Chance, sein Team per Siebenmeter mit 22:20 in Front zu bringen. Doch er scheitert an Torwart Yunus Özmusul. Auf der Gegenseite erwischt Abwehrchef Ace Jonovski Michael Schweikardt im Anschluss an einen Freiwurf hart am Hals, und da das wenige Sekunden vor Ablauf der Spielzeit geschieht, gibt es nicht nur die Rote Karte, sondern verbunden damit auch einen Siebenmeter für die Gäste. Das Regelwerk sieht in den letzten 30 Sekunden einer Partie diese Bestrafung bei einem Foul vor, das grob unsportlich ist. "Unclever" wird Stuttgarts Trainer Thomas König Jonovskis Aktion später nennen. Seinem Rechtsaußen Michael Spatz ist das in diesem Moment wurscht: Er verwandelt den finalen Strafwurf gegen den überragenden Björgvin Gustavsson im BHC-Tor sicher. Der Aufsteiger in die Handball-Bundesliga jubelt so über das 21:21 (13:12) und einen glücklichen Punkt. Die Hausherren dagegen sind entsetzt.

Kristian Nippes, der den verletzten Viktor Szilágyi als Kapitän vertritt, lieferte die erste, präzise Analyse des Spiels: "Der Unterschied war: Siebenmeter reinmachen und Siebenmeter nicht machen", sagte der Linkshänder, der trotz schmerzhafter Beckenprellung der offensiv beste Mann des BHC war, und der in der Endphase mit seinen Treffern zum 18:16, 19:17 und 20:18 den Sieg zu erzwingen schien. Bis eben Oelze scheiterte und Jonovski foulte. Und Nippes blieb bei seiner gestochen scharfen Analyse, selbst als Pressesprecher Thorsten Hesse ihm den einen geholten Punkt schmackhaft machen wollte: "Wir haben einen Sieg, den wir erringen mussten, nicht mitgenommen. Das können wir nicht schönreden."

Die Entscheidung: Michael Spatz verwandelt den Siebenmeter gegen BHC-Torwart Björgvin Gustavsson zum 21:21-Endstand. FOTO: imago sportfotodienst

Das versuchte außer Hesse, zu dessen Aufgabengebiet das freilich zu zählen hat, auch niemand ernsthaft. Zu bitter war das Ende der Partie, zu nervös und fehlerbehaftet das gesamte Spiel. Nicht nur TVB-Trainer König stellte fest: "Wir haben gesehen, dass beide Mannschaften im Abstiegskampf sind. Das hat man den Spielern angemerkt. Nervosität und eine hohe Fehlerquote waren da." BHC-Trainer Sebastian Hinze ergänzte aus seiner Sicht: "Es waren zu viele technische Fehler - zu viel, um das Spiel so zu gestalten, wie wir uns das vorgenommen hatten."

Noch schlimmer: Es war der Tiefpunkt in dieser Saison des BHC. Offensiv war es erschreckend, was die Hausherren boten - nur 21 Tore gegen einen gewiss nicht starken Aufsteiger sind deutlich zu wenig. Oelze, der solide begonnen und immer wieder die gegnerische Deckung mit seinen Spielzügen auseinandergerissen hatte, hatte in Hälfte zwei keine Überraschungen mehr parat, sondern stattdessen plötzlich ebenso ein "Zitterhändchen" wie seine Rückraumkollegen Fabian Gutbrod oder Alexander Hermann. Und Inal Aflitulin konnte bei seiner Premiere nach gerade einmal vier Trainingseinheiten natürlich noch nicht alles allein ordnen. Da sich Stuttgart nach der Anfangsphase auf das Spiel mit dem Kreis eingestellt hatte, und die Außen des BHC zu oft in der Luft hingen, waren die Aktionen der Hausherren zu vorhersehbar, um die Gäste vor größere Probleme zu stellen. Ohne die außergewöhnliche Leistung von Gustavsson hätte der BHC die Partie wohl verloren, denn der Torwart rettete etliche Male gegen frei vor ihm auftauchende Gegner. So bitter es ist: In dieser Form sind die Bergischen ein Abstiegskandidat. Vor dem Remis gegen Stuttgart hatte es zwar acht Niederlagen gegeben, aber dort hatten meist Kleinigkeiten und schwächere Phasen den Ausschlag gegeben. Diesmal kam Angst hinzu. Die ist im Abstiegskampf tödlich.

Inal Aflitulin dirigierte bei seinem ersten Einsatz, doch es brachte noch nicht den Erfolg. FOTO: Martin Kempner

Oelze, der auch nach Niederlagen Rede und Antwort steht, wollte diesmal nichts sagen. Das Entsetzen stand ihm auch zehn Minuten nach Abpfiff noch immer ins Gesicht gemeißelt. Seinen 32. Geburtstag hatte er sich anders vorgestellt. Und der BHC sich diesen Abend sowieso.

Quelle: RP
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