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Bergischer HC
Die 7 Gebote des BHC "Dieses Jahr sind alle ziemlich brav"

Solingen. Um die Mannschaftskasse zu füllen, gibt es bei Sportlern einige Regeln. So auch bei den Profi-Handballern des BHC. Von Georg Amend

Mallorca ist das Mekka für Handballer - jährlich treffen sich hier Hobby- bis Profispieler, um Sonne, Strand und mehr zu genießen. Manche feiern den Aufstieg in die Bezirksliga, andere den Einzug ins internationale Geschäft. Das Geld für solch eine Reise wird im Laufe der Saison so gut es geht in der Mannschaftskasse gesammelt - bei Hobbysportlern wie Bundesligaprofis.

  • 1) Du sollst nicht zu spät kommen
  • 2) Du sollst keine Teile vergessen
  • 3) Du sollst dein Amt ehren
  • 4) Du sollst die Kleiderordnung einhalten
  • 5) Du sollst dein Handy auf lautlos stellen
  • 6) Du sollst beim Fußball nicht an die Decke schießen
  • 7) Du sollst nicht Meckern

Auch beim Erstligisten Bergischer HC gibt es viele Regeln, um die Kasse zu füllen. Deren Herr ist Maximilian Hermann. "Das suche ich mir auch nicht ganz freiwillig aus", sagt der Österreicher. Beim BHC werden die Ämter - etwa Harzwart, Wasserwart oder eben Kassenwart - gewählt, der älteste Spieler darf sich zuerst eines aussuchen, dann geht es bis zum jüngsten, der entsprechend wenig Auswahl hat. "Ich bin ja immer noch einer der Jüngsten", erklärt der 24-Jährige, der das Amt zum zweiten Mal in Folge innehat. "Und ich wollte das nicht für Tomás Babák übrig lassen, weil er ein Neuer ist und das dann nicht gleich machen muss. Das ist schon genug Arbeit."

Und die sieht so aus: "Ich muss immer aufpassen, wer gegen den Strafenkatalog verstößt", erläutert Hermann. Zum Beispiel, wenn ein Spieler die Kleiderordnung, für die der Halbrechte ebenfalls zuständig ist, nicht einhält. "Ich bestimme, was wir etwa bei Auswärtsfahrten in Hotels oder beim Essen anhaben. Wenn einer dann das Falsche anhat, werden drei Euro fällig." An Spieltagen verdoppelt sich übrigens jede Strafe. "Wenn einer eine falsche Hose und noch einen falschen Pullover dazu anhat, werden das an einem Spieltag schon mal happige zwölf Euro", sagt der Österreicher grinsend. Fatal sind dann falsche Socken, weil es sich immer gleich um zwei Teile handelt.

Ein Gebot beim BHC ist natürlich Pünktlichkeit. "Zuspätkommen ist teuer bei uns", weiß Hermann. Ab der ersten Minute werden zehn Euro fällig, jede weitere kostet einen Euro. Ein vergessenes Teil kostet drei Euro, vernachlässigt ein Spieler sein Amt, werden fünf Euro fällig. "Wenn kein Harz da ist oder kein Öl, um das nach dem Training wieder abzukriegen, oder wenn der Fußball nicht da ist." Apropos Fußball: Wird im Training Alt gegen Jung gespielt, zahlt die Verlierermannschaft einen Euro pro Spieler. Wer den Ball an die Decke schießt, muss ebenfalls einen Euro berappen. "Interessant wird es bei den großen Strafen", sagt Hermann. Klingelt das Handy während einer Besprechung oder beim Essen kostet das 20 Euro. Richtig teuer wird Meckern im Spiel gegen die Schiedsrichter: "Eine Gelbe Karte kostet 25 Euro, zwei Minuten 50 - und eine Rote Karte 200", berichtet der Kassenwart, der bislang noch keinen Spitzenreiter ausmachen kann: "Die wechseln sich gut ab. Dieses Jahr sind alle ziemlich brav."

Im Handball ebenfalls üblich sind neben Geld- die Bierstrafen. Hierauf achtet beim BHC Kristian Nippes. Beim 26:26 in Göppingen musste der Bierwart Torwart Christopher Rudeck eine Kiste aufschreiben, weil der sein erstes Bundesliga-Tor erzielt hatte. Auch für den 30. Treffer in einer Partie wird eine Kiste fällig, beim 40. werden es zwei, beim 50. drei. Fängt der gegnerische Torwart einen hart geworfenen Ball, muss ebenfalls Bier her. Abwehrchef Ace Jonovski kommt um diese Regeln bislang herum, weil er in seiner Zeit beim BHC noch nicht ein einziges Mal auf das Tor des Gegners geworfen hat. Aber: "Wer ein neues Auto oder eine neue Wohnung hat, muss auch eine Kiste mitbringen", weiß Nippes.

Ein Foto oder eine Überschrift in der Zeitung kostete früher auch so viel. "Das wurde aber abgeschafft. Ich weiß gar nicht, warum", wundert sich der Bierwart, der beim 22:20 in Wetzlar zwei Kisten von Sebastian Hinze aufschreiben durfte, da der Trainer bei jedem Sieg mit weniger als 25 Gegentoren so viele versprochen hat. Nippes erläutert den Bezug zu Max Hermann. "Es werden so viele Kisten aufgeschrieben - die können wir gar nicht alle trinken. Wir haben ja auch nur bei Auswärtsfahrten eine dabei. Was über ist, wird mit zehn Euro pro Kiste in der Mannschaftskasse verrechnet." Damit es mit Mallorca klappt.

Quelle: RP
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