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Bergischer HC
Die Bundesliga verneigt sich vor Viktor Szilágyi

Bergischer HC: Die Bundesliga verneigt sich vor Viktor Szilágyi
FOTO: imago sportfotodienst
Nach 16 Jahren in der "stärksten Liga der Welt" hat der Kapitän des Bergischen HC gestern seine aktive Handball-Karriere beendet. Von Georg Amend

Außergewöhnlich ist ein Mensch, der sich von der Masse abhebt. Viktor Szilágyi hat als einziger Handballer weltweit alle europäischen Klubtitel gewonnen. Das ist außergewöhnlich. Es beschreibt den Österreicher, der gestern als Kapitän des Bergischen HC seine aktive Karriere in der Bundesliga beendet hat, aber nicht ansatzweise. Der 37-Jährige hat nicht nur mit dieser Sportart so unglaublich viel erreicht, er hat sie auch verändert. In einem Spiel, das früher von der individuellen Stärke einzelner Akteure geprägt wurde und das sich immer mehr zu einem einstudierten Zusammenspiel des Kollektivs entwickelt hat, war Szilágyi das maximale Moment des Unvorhersehbaren. Vor rund drei Wochen in Balingen gab es diese Szene: Der Mittelmann geht in den Zweikampf mit seinem Gegenspieler, zieht ihn dabei nach rechts, springt ab, hebt den Arm mit dem Ball, als wolle er nach rechts passen oder aufs Tor werfen, und verdreht sich dann fast den Rücken, um ohne zu Schauen einen Pass über seinen Kopf nach hinten links auf Kreisläufer Moritz Preuss zu spielen. Es sind Szenen wie diese, die es in Zukunft nur noch selten geben wird.

Nun wird er Sportlicher Leiter beim Bergischen HC, seine aktive Karriere in der Liga ist beendet, am 4. Februar wird es eine Abschiedspartie geben. Szilágyis Spiel war ästhetisch ohne überheblich zu sein. Kraftvoll ohne brutal zu sein. Effektiv ohne langweilig zu sein. Das "Hirn" der österreichischen Nationalmannschaft hat 16 Jahre die Bundesliga bereichert – und alle Spielklassen darunter. Generationen von Handballern hat der Regisseur inspiriert, plötzlich war die Umschulung von der "Königsposition" halblinks zu einem Mittelmann salonfähig. Mit seinen Schlagwürfen, Wurf- und Körpertäuschungen, seiner Spielübersicht und seinem unbedingten Willen, jede Partie gewinnen zu wollen, war Szilágyi ein Vorbild, dem Generationen von Spielern nacheifern wollten. Freilich ohne auch nur in die Nähe seiner Perfektion kommen zu können, die bis zuletzt gestandene Bundesligaspieler verzweifeln ließ, die gegen ihn decken mussten. Szilágyi hat diesem Sport so unglaublich viel Inspiration und Ästhetik verliehen wie kaum ein anderer.

Mit der Partie gestern in Flensburg hat er 412 Bundesligaspiele absolviert, in denen er 1326 Tore geworfen hat. Etliche von ihnen waren spielentscheidend. Das zeichnet ihn als einen herausragenden Akteur seiner Sportart aus. Szenen wie die, als er nach seinem Siegtreffer für den Bergischen HC gegen Wetzlar als erstes den gegnerischen Torhüter Andreas Wolff in den Arm nahm und ihm tröstende Worte zusprach oder die, als er in seiner Abschiedsrede beim BHC als erstes seiner Partnerin Nora für die Unterstützung über all die Jahre dankte, stehen in keiner Statistik. Sie machen aus einem außergewöhnlichen Spieler aber vor allem eins: einen außergewöhnlichen Menschen.

Unsere Redaktion hat  alle Vereine, die in dieser Saison in der Handball-Bundesliga vertreten waren, gebeten, Viktor Szilágyi zu verabschieden. Die Reaktionen lesen Sie links in der Rubrik "Mehr zum Thema" beziehungsweise mobil unter diesem Text. 

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