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Bergischer HC
Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt

Solingen. Nach der 29:41-Packung für den Bergischen HC beim SC Magdeburg wartet am kommenden Samstag ein Endspiel auf den weiterhin vom Abstieg bedrohten Handball-Erstligisten. Von Jürgen König

Am 4. September war der Bergische HC mit einer 21:30-Pleite beim SC Leipzig in die Saison 2016/17 gestartet. Die Stimmung seinerzeit war bedrückend. Auf den Tag genau neun Monate später sollte es rund 130 Kilometer davon entfernt noch schlimmer kommen. Die 29:41-Packung beim SC Magdeburg bedeutete nicht nur die höchste Niederlage der Spielzeit, sie war auch negativer Höhepunkt einer Phase, in der alles gegen den BHC (20 Punkte/-94 Tore) läuft. Durch die minus zwölf Tore ist das Duell mit einem möglicherweise punktgleichen TVB Stuttgart (22, -79) praktisch zugunsten der Schwaben entschieden. In verstärktem Maße gilt dies für den VfL Gummersbach (22/66). Erst am Mittwoch spielt der TBV Lemgo (19/ -67) in Hannover. Am letzten Spieltag treffen Lemgo und Gummersbach aufeinander - die Spannung ist enorm. Abgestiegen ist seit dem Pfingstsonntag neben dem HSC Coburg der HBW Balingen.

"Hannover ist ein Endspiel", blickte Kristian Nippes schnell nach vorne und auf die eigene Aufgabe am Samstag ab 16 Uhr in der Wuppertaler Uni-Halle. Der Kapitän kauerte wie viele seiner Mannschaftskollegen völlig ernüchtert hinter der Getec-Arena, schnell erfolgte der Aufbruch mit dem Bus zurück ins Bergische. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt.

Danach sah es eine Viertelstunde lang gar nicht aus, denn die Kontrahenten lieferten sich ein ausgeglichenes Match. Mit 10:9 führten die Gäste durch ihren Taktgeber Tomas Babak - es sollte indes der letzte Vorsprung gewesen sein. Denn zu den bis dahin schon vorhandenen Unzulänglichkeiten im Abwehrverhalten gesellten sich nun Ungenauigkeiten im Angriff. Und die nutzte der SCM zusehends aus, setzte zu seinem gefürchteten Tempohandball an. Im Zusammenspiel mit einer emotionalen Halle im Rücken war dies eine tödliche Mischung für den Bergischen HC.

Trainer Sebastian Hinze musste nach drei Gegentoren in Folge zur Auszeit schreiten und ordnete die Taktik mit dem siebten Feldspieler an. Auch wenn diese Quote nach 60 Minuten nicht die schlechteste war, fruchtete die Maßnahme nicht wirklich. Zumal es nach Angriffspatzern Gegentore in den verwaisten Kasten gab - was die Getec-Arena kochen ließ und das eigene Lager demoralisierte. Die sehenswerten Tore von Kreisläufer Uros Vilovski oder die sicheren Abschlüsse vom besten Torschützen Arnor Gunnarsson gerieten zur Nebensache.

Der Isländer war es auch, der die vorbildlich anfeuernden Fans noch einmal hoffen ließ - in der 36. Minute war der Rückstand auf 19:22 geschrumpft. Dann kam es aber knüppeldick, der SCM sicherte sich den nötigen Zugriff und fegte in der Folgezeit wie ein Orkan über den Gegner her. Das Torhüter-Duell ging klar gegen den BHC aus, Björgvin Gustavsson und Christopher Rudeck waren im Gegensatz zu Jannick Green keine Faktoren.

Das galt bei der 10:19-Phase nach eben jenem ermutigenden Zwischenstand aber für alle Mannschaftsteile, Gunnarsson und Kreisläufer Moritz Preuss trafen zwischendurch mal, aber insgesamt war es viel zu wenig. "Wir haben die ganze Zeit schlecht gedeckt", nannte Kristian Nippes einen wichtigen Grund für das desolate Abschneiden. Hinzu kam eine enorme Fehlerquote im Angriff. Allerdings agierte der SCM mit zunehmender Spielzeit auch auf höchstem Niveau. Ob Mads Christiansen, Michael Damgaard, Jacob Bagersted oder Robert Weber - sie machten einen Klassenunterschied deutlich. Und lösten beim BHC Stress aus, der nicht mehr zu bewältigen war.

40 Minuten habe man gerade diese temporeiche Darbietung nicht unterbinden können, meinte Kapitän Nippes. "Wir haben in der zweiten Halbzeit leichte Tore bekommen. Das tut weh", sagte Bogdan Criciotoiu, der unzufrieden war, aber mit einer Top-Einstellung den Glauben hat, die finale Aufgabe zu lösen. Mit Friesenheim und Eisenach ist der Rumäne bereits aus dem deutschen Oberhaus abgestiegen - das soll sich für Criciotoiu nicht wiederholen. Und für seinen BHC nicht der zweite Gang in Liga zwei nach 2012.

Quelle: RP
 
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