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Bergischer Hc
Ein Pfeifkonzert epischen Ausmaßes

Solingen. Die Rote Karte gegen Viktor Szilágyi entschied das Bundesliga-Duell des Bergischen HC gegen den HSV Handball. Von Thomas Rademacher

Viktor Szilágyi steigt drei Minuten vor Schluss hoch und versenkt den Ball zum 25:26-Anschluss hinter Jens Vortmann im Tor des HSV Handball. Der Bergische HC ist dran - zum ersten Mal seit Beginn der ersten Halbzeit. Die 2 720 Zuschauer in der Wuppertaler Unihalle sind elektrisiert, wittern die Überraschung gegen die Hanseaten in einer Bundesliga-Begegnung, die schon lange verloren schien.

BHC-Kapitän Szilágyi hat fast die gesamte Partie nur zugesehen. Angeschlagen hatte der Österreicher unter der Woche mit dem Training aussetzen müssen. Doch in den letzten zehn Minuten schickt er sich an, die Partie doch noch zugunsten seiner Mannen zu drehen. Wie üblich mit tollen, blitzschnellen Anspielen und dem Zug zum Tor, wenn er nötig ist. Gleichzeitig findet der HSV kaum Mittel gegen die offensive 3:3-Abwehr, die die Löwen in der Schlussphase versuchen.

Mit dem 25:26 ist die Tür zu einer spektakulären Schlussphase weit geöffnet. Szilágyi ist beim erfolgreichen Torabschluss von Matthias Flohr etwas unsanft zu Fall gebracht worden. Was dann passiert, haben wohl nur die Wenigsten mitbekommen. Plötzlich zeigen die Unparteiischen dem Österreicher die Rote Karte. Szilágyi kann es nicht fassen. "Ich habe mich von ihm weggedrückt", wird der Kapitän einen Tag später sagen. "Ein Schlag oder irgendetwas Vergleichbares war da nicht. Deswegen finde ich die Rote Karte auch nicht angebracht." Dennoch entschuldigt sich Szilágyi später bei der Mannschaft: "Ich muss mir ankreiden, dass ich die Schiedsrichter überhaupt in die Lage gebracht habe, über eine solche Entscheidung nachzudenken."

Das Entsetzen über die Disqualifikation ist allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben. Das Publikum will es nicht wahrhaben. Zwei Minuten müssen die Löwen nun in Unterzahl agieren und dabei ohne ihren besten Spieler ein Tor aufholen. Ein Pfeifkonzert epischen Ausmaßes beginnt mit dem nächsten Hamburger Angriff. Es ist so unglaublich laut in der Wuppertaler Unihalle, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann.

Der BHC gibt alles, um irgendwie an den Ball zu kommen, doch die Hanseaten spielen ihren Angriff kühl herunter. Am Ende landet die Kugel bei Rechtsaußen Hans Lindberg. Der abgezockte Linkshänder verwandelt mit einem Heber, den Björgvin Gustavsson im Zurückspringen noch von der Linie kratzen will, aber doch so eben verpasst. Ein dermaßen cooler Abschluss in einer solch brisanten Situation ist bemerkenswert.

Fabian Gutbrod trifft im Gegenzug zwar zum erneuten Anschluss, doch auch Flohr bleibt auf der anderen Seite souverän. Die Löwen bekommen keine große Chance mehr, das Spiel noch zu gewinnen. In den Buh-Rufen und Pfiffen geht das letzte BHC-Tor zum 27:29 fast unter. Bei den traditionell folgenden Interviews in der Halle verzichtet der Klub darauf, das Gespräch mit Hans Lindberg auf die Lautsprecher zu übertragen. Es hätte ihm ohnehin niemand zuhören wollen, so aufgebracht sind die Fans.

Was passiert wäre, wenn Szilágyi nicht disqualifiziert worden wäre, bleibt natürlich offen. Doch das Gefühl, dass sich die Begegnung gerade zugunsten des BHC drehte, ist allgegenwärtig. "Ich hatte den Eindruck, dass wir zum ersten Mal eine Situation hatten, in der der HSV im Angriff Fragezeichen über den Köpfen hatte", erläutert Sebastian Hinze. "Viktor war da, in der Abwehr waren wir auch dank Brian Gipperich gut auf den Beinen. Dieses Gefühl haben wir mit der Roten Karte verloren."

Dass es überhaupt noch zu einer so dramatischen Schlussphase kam, war sogar etwas überraschend. In der ersten Halbzeit vergaben die Hausherren zu viele hochkarätige Chancen. Drei Mal in Folge donnerten die Löwen den Ball an die Latte. Weitere Hundertprozentige ließ das Team liegen. Der 12:16-Rückstand zur Pause war vermeidbar.

Nach Wiederanpfiff bekam der BHC in der Abwehr auch nicht von Beginn an Zugriff auf den HSV. Erst mit der Umstellung auf die 3:3-Variante kamen die Gäste, die ebenfalls zu keinem Zeitpunkt überragend agierten, in ernsthafte Verlegenheit. Offensiv waren 15 Tore in der zweiten Halbzeit keine schwache Ausbeute, dennoch gingen die Bälle teilweise immer noch zu einfach verloren. Die Hamburger wären zu knacken gewesen.

Quelle: RP
 
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