| 17.07 Uhr

Bergischer HC beim Final Four
Flensburg ist der erste Finalist

Hamburg. Die SG Flensburg-Handewitt ist der erste Endspielteilnehmer beim Finalturnier um den nationalen Pokal. In der mit 13.200 Zuschauern ausverkauften Barclaycard Arena in Hamburg setzte sie sich mit 31:30 (14:12, 26:26, 27:28) nach Verlängerung durch. Von Georg Amend

Im ersten Halbfinale des Final Four stand ein Spitzenduell aus der Handball-Bundesliga an: Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen tat sich dabei wie erwartet schwer mit dem Verfolger SG Flensburg-Handewitt, der im Pokalturnier in Hamburg von seinen Fans, die recht zahlreich die nicht allzu weite Anreise auf sich genommen hatten, frenetisch angefeuert wurde.  Die Flensburger überraschten die Mannheimer mit einer Manndeckung gegen Spielmacher Andy Schmid, womit der Liga-Primus seine liebe Mühe hatte. So benötigte es für die ersten beiden Treffer die Strafwurf-Qualitäten von Uwe Gensheimer, der zum 1:1 und 2:2 vollstreckte.

Erst eine Überzahl löste bei den Rhein-Neckar Löwen den Knoten, offensiv lief es nun runder, Patrick Groetzki, Henrik Pekeler nach spektakulärem Pass von Gensheimer, und Mads Mensah Larsen über die Zweite Welle stellten auf 6:3. Dann fing sich die Defensive der SG allerdings wieder und zwang die Mannheimer zu Fehlern, die die Flensburger mit Wucht bestraften – Kentin Mahé drehte die Partie mit seinem Treffer zum 8:7 (16. Minute).

Die SG-Führung hatte indes nicht lange Bestand: Groetzki glich – ungewohnt für den Rechtsaußen – aus dem rechten Rückraum zum 9:9 aus, Löwen-Torwart Mikkael Appelgren nutzte kurz darauf eine doppelte Überzahl, die Flensburg mit einem Feldspieler für Torhüter Magnus Andersson ein wenig umgehen wollte, zu einem direkt aus seinem Kreis ins leere Tor erzielten Treffer zum 10:9 (22.).

Das wurde allerdings kein Wirkungstreffer, die Flensburger blieben die aggressivere Mannschaft. Das drückte sich einmal in den Zeitstrafen aus, von denen sie deutlich mehr kassierten als der Gegner, aber auch im Umgang mit diesen. In der Abwehr machten sie mehr  Meter, verdichteten so geschickt die Lücken. Als Mahé einen Pass von Schmid nach Rechtsaußen abfing und Lasse Svan im Gegenstoß bediente, war das daraus resultierende 13:11 das erste Tor der SG in der finalen Unterzahl der ersten Hälfte – Thomas Mogensens Unterarmwurf zum 14:12-Pausenstand war das zweite.

Der Däne war es auch, der nach dem Seitenwechsel für die erste Drei-Tore-Führung der SG verantwortlich zeichnete, als er ein kraftvolles Solo zum 16:13 abschloss. Die Norddeutschen standen nun nicht minder aggressiv, aber deutlich besser in der Abwehr und machte es dem Bundesliga-Spitzenreiter mehr als schwer.  Der kam durch zwei verwandelte Siebenmeter durch Uwe Gensheimer immerhin zum 15:16. Der Kapitän der Rhein-Neckar Löwen stellte kurz darauf ebenfalls per Strafwurf auf 16:17, betätigte sich als Einpeitscher der Fans, und erzielte dann im Gegenstoß auch das 17:17, bevor Kim Ekdahl du Rietz das Spiel mit seinem Treffer zum 18:17 drehte. Nun häuften sich die Fehler der Flensburger, Alexander Petersson besorgte nach einem SG-Fehlpass das 19:17 (44.).

Die Partie blieb aber ein Krimi, Hendrik Toft Hansen glich zum 20:20 aus (49.), Holger Glandorf zum 21:21 (50.), Mogensen zum 22:22 (51.). Glandorf, der lange nur auf der Bank gesessen hatte, wurde nun ein Faktor: Erst holte er sich gegen Ekdahl du Rietz den Ball in der Abwehr, dann erzielte er selber die Führung der Flensburger zum 23:22 (52.). Nach Treffern von Schmid und Groetzki war es erneut der Linkshänder, der zum 24:24 einwarf (56.). Löwen-Trainer Nicolai Jacobsen setzte nun auf einen siebten Feldspieler in der Offensive, in der es weiterhin schwer für sein Team war.

Doch auf Gensheimer war Verlass, nervenstark verwandelte der National-Linksaußen auch den nächsten Siebenmeter und brachte sein Team so mit 25:24 in Front (58.). Als dann Appelgren gegen Svan parierte und Petersson zum 26:24 traf, schien die Partie knapp eine Minute vor dem Ende entschieden – doch Glandorf brachte die SG erneut heran. 52 Sekunden blieben den Norddeutschen noch, in Ballbesitz zu kommen und den Ausgleich zu erzielen, doch der Bundesliga-Tabellenführer machte es clever – Trainer Jacobsen nahm noch eine Auszeit, nur noch 32 Sekunden blieben Flensburg hernach. Und die Löwen taten ihrem Kontrahenten den Gefallen, vertändelte den Ball und kassierten  in Person von Groetzki eine Zeitstrafe. 20 Sekunden verblieben und in Überzahl holte Mogensen einen Siebenmeter und eine Rote Karte gegen Pekeler heraus. Drei Sekunden vor dem Ende lag die Verantwortung auf den Schultern von Anders Eggert – und der Strafwurfspezialist blieb unglaublich cool, vernaschte Appelgren mit einem Heber und rettete sein Team in die Verlängerung.

In diese starteten die Rhein-Neckar Löwen in eine rund anderthalbminütige doppelte Unterzahl – und mit einem Tor von Ekdahl du Rietz zum 27:26. Im Gegenangriff sollte es schön werden, es wurde aber häßlich: Einen Kempa auf Svan unterband Gensheimer, in dem er dem Außen einen Schlag verpasste, der den Ball so am Tor vorbeilegte. Der verhinderte Schütze musste behandelt werden, Gensheimer blieb straffrei und sein Team bekam den Ball. Dass der Mannheimer Kapitän im Anschluss lautstark bei jeder Ballberührung ausgepfiffen wurde, störte ihn nicht nachhaltig: Er verwandelte den nächsten Strafwurf und erzielte mit seinem zehnten Treffer das 28:26 (63.), Mogensen verkürzte auf 27:28. So wurden erneut die Seiten gewechselt.

Die vierte Hälfte startete mit Glandorfs 28:28 und einer Parade von Matthias Andersson gegen Ekdahl du Rietz. Im Nachfassen gelang Rasmus Lauge dann mit dem 29:28 die erneute Führung für Flensburg, die Rafael Baena ausglich (68.). Eggert stellte per Strafwurf auf 30:20 für die SG, Mahé wenig später das 31:29, als er einen Pass von Schmid abfing und ins leere Tor vollstreckte, da die Löwen Appelgren nach einer Zeitstrafe gegen Groetzki erneut gegen einen Feldspieler ausgetauscht hatten. Im Anschluss gab es aufgrund eines Gerangels noch glatt Rot für Lauge und Baena – das war den Flensburgern kurz darauf ebenso egal wie der nächste verwandelte Siebenmeter von Gensheimer: Sie bejubelten den Finaleinzug.

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