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Bergischer HC
"Herr Gutbrod ist schwer in Stress zu bringen"

Bergischer HC: "Herr Gutbrod ist schwer in Stress zu bringen"
Direkt am Ijsselmeer vor der Promenade in Volendam: Fabian Gutbrod (links) und Jan Artmann. FOTO: Georg Amend
Volendam. Doppel-Interview: Der Halblinke Fabian "Gudi" Gutbrod und der Linksaußen Jan "Poldi" Artmann über Freundschaft, Urlaub und die neue Saison des Handball- Bundesligisten.


Beschreibt doch mal bitte den jeweils anderen. . .
JAN ARTMANN Es ist schon sehr gut, dass er nur 400 Meter Luftlinie von mir und Nils (Jans Zwillingsbruder, Anm. d. Red.) entfernt wohnt. Er ist auch außerhalb des Handballs jemand, mit dem ich sehr, sehr viel mache. Wir kochen zusammen, lernen zusammen – er ist die Person aus der Mannschaft, die schon ein besonderer Freund ist.
FABIAN GUTBROD So wie es Poldi schon gesagt hat – wir sind nicht nur Mannschaftskollegen, sondern inzwischen auch Freunde. Um ihn zu charakterisieren. . . 
ARTMANN Mist, das habe ich vergessen. . . 
GUTBROD . . . Er ist ein sehr, sehr geselliger Mensch, der auch gutmütig ist – ab und zu zu gutmütig. Wenn es ums Einkaufen geht, nehme ich das auch gerne an.
ARTMANN Ich habe was vergessen: Herr Gutbrod ist sehr, sehr schwer aus der Ruhe oder in Stress zu bringen. Das unterscheidet uns sehr. Das merke ich zum Beispiel bei der Fahrgemeinschaft, die Nils und ich mit ihm haben. Ich will immer sehr früh beim Training sein, aber da hat der Schwabe etwas Ruhe reingebracht. . . Wir sind aber noch nie zu spät gekommen, weil er doch sehr diszipliniert ist. (Pause, grinst) Und nett ist er auch. 
GUTBROD Du bist echt okay.

Ihr wart ja auch zusammen im Urlaub. Wie war Vietnam?
ARTMANN Relativ weit. Das Fliegen war mühsam. Auf den langen Flügen hatte Gudi relativ viel Platz, da war es okay, aber auf den Inlandsflügen – ich hätte da Fotos machen sollen. Das war für ihn nicht so bequem. Der Vietnamese an sich ist ja eher viel kleiner und braucht weniger Platz.

Wie kam es zu dem Urlaub?
ARTMANN Eigentlich wollten wir letztes Jahr schon zusammen weg, aber das hat irgendwie nicht geklappt. Und dann hat Gudi gesagt, dass er gerne mal Vietnam machen würde. Und damit hat er uns angesteckt.

Uns?
ARTMANN Wir waren mit unseren Freundinnen da. Ich mit Rike und er mit Gloria.

Wie kamst du auf Vietnam?
GUTBROD Mir gefällt Asien sehr gut, ich mag das. Meine Freundin und ich haben in letzter Zeit immer Wert darauf gelegt, von Touristen-Spots wegzukommen und einen Eindruck von der Kultur zu bekommen. Klar, in drei Wochen schaffst du das nicht. Aber wir haben viel gelesen und dabei festgestellt, dass Vietnam noch nicht so überlaufen ist wie andere Teile Asiens.

Und wie war es dann da?
GUTBROD Sehr warm. Als ich aus dem Flieger gestiegen bin, habe ich angefangen zu schwitzen, und das erste Mal, als das wieder aufhörte, war wieder in Düsseldorf. Aber wir haben auch viele interessante Leute kennengelernt und viele coole Sachen erlebt.

Wie war es für dich, Poldi?
ARTMANN Ich war vorher noch nie außerhalb Europas, deswegen bin ich da relativ unbefangen hin und habe mich leiten lassen. Das Beeindruckendste war etwas, was Gudi noch von Deutschland aus organisiert hatte: einen Home-stay. Wir sind mit einem Guide in einen Nationalpark im Inland gefahren und haben da zwei Tage bei den Einheimischen gewohnt. Der erste Stop war direkt in Reisfeldern. Das Leben ist da komplett anders, erst vor ein, zwei Jahren haben die Sanitäranlagen und Strom bekommen. Ich fand das da unglaublich cool und beeindruckend. Und natürlich gab es unglaubliche Landschaften. Ansonsten war es, ja, sehr, sehr warm.

Wenn ihr euch außerhalb des Spielfeldes so gut versteht, kann das ja auch was für den Handball bringen. In der vorigen Saison wurde bemängelt, der BHC würde seine Außen zu wenig einbeziehen. Wie siehst du das, Poldi?
ARTMANN Letztes Jahr haben uns zu Beginn mehrere einfache Tore durch Konter gefehlt. Es ist ja nicht so: Der Halbe wirft den Ball in die Ecke und dann ist der Außen frei und wirft. Das ist viel komplexer. Intern ist es schon so, dass wir das komplett mit einbeziehen. Ich glaube nicht, dass das Spiel zu den Außen komplett brachliegt.

Was sagt der Halblinke?
GUTBROD Einen Wurf von außen zu kreieren ist mehr, als dass der Halbe einen Pass nach außen spielt. Wenn der Außen einen Wurf kriegt, ist es vorher immer komplex gespielt. Da muss nur die Sperre des Kreisläufers schlecht stehen oder der Mittelmann passt eine Sekunde zu spät, und schon geht das nicht mehr. Wir hatten eine schwere Phase, wo uns ein Stückweit vielleicht der Spielwitz gefehlt hat, um das Element mit den Außen einzubeziehen. Außerdem hat am Anfang das Abwehr-Torhüter-Paket nicht gestimmt, so dass wir weniger Bälle im Gegenstoß hatten. Klar ist aber, dass wir gute Außen haben, die wir auch in Szene setzen wollen.

Was hofft ihr für die neue Saison?
GUTBROD Erstmal, dass wir alle verletzungsfrei bleiben. Was wir dann für Möglichkeiten und für ein Potenzial haben, haben wir letzte Saison gezeigt. Wir sind extrem abhängig von unserer Deckungsleistung und brauchen eine geile Stimmung in der Halle. Wenn wir dann auf unserem Top-Level spielen, ist es für jeden schwierig gegen uns.

Keine Kampfansage?
GUTBROD Klar will ich Meister werden, aber wir müssen einfach realistisch sein und unser Zeug von Anfang an so gut machen wie möglich. Natürlich haben auch wir den Anspruch, jedes Spiel gewinnen zu wollen, um jeden Punkt zu kämpfen. Und jeder kann uns glauben, dass uns das letzte Saison am meisten genervt hat, montags in der Halle zu stehen und wieder nicht gepunktet zu haben.

Dann die Kampfansage von dir?
ARTMANN Nein. Wir sind immer gut damit gefahren, dass wir uns Ziele gesteckt haben. Die kann man ja immer noch im Laufe der Saison korrigieren. So wie letzte Saison: Als der Klassenerhalt fix war, haben wir noch Ziele gehabt und sie erreicht. Für uns ist wichtig, in jedem Spiel am Optimum zu spielen, dann haben wir die Chance, nicht auf einem Abstiegsrang zu stehen. Wie lange das dann dauert, müssen wir sehen, aber wir möchten so früh wie möglich die Klasse sichern. Den Rest machen wir intern aus und setzen uns Ziele, die wir auch erreichen.

Wo kommt eigentlich der Spitznamen "Poldi" her?
ARTMANN Das war noch, als ich in der A-Jugend Deutscher Meister mit Düsseldorf geworden bin. Nach der Meisterschaft habe ich mir die Haare kurz geschoren – leider als einziger. Und dann kam ich zu den Senioren und hatte den Spitznamen weg. (Überlegt) Ich muss sie aber auch durch meine fußballerischen Fähigkeiten beeindruckt haben.

Und wie kam der Spitzname mit zum BHC?
ARTMANN Mit Hege (Rückraumspieler Michael Hegemann, inzwischen beim Zweitligisten TuSEM Essen, d. Red.) habe ich in Düsseldorf zusammengespielt. Er war so etwas wie mein Ziehvater im Handball. Und als ich ihn dann hier wiedergetroffen habe, hat er es hier etabliert.

Unzufrieden damit?
ARTMANN Dagegen kannst du eh nix machen, so einen Spitznamen kriegst du aufgedrückt. Aber ich habe es schon ganz gut getroffen, ich finde Poldi sehr sympathisch. Ich musste bei einem Mannschaftsabend auch Poldi imitieren. Das hat ganz gut geklappt.

Gibt es eine Kostprobe?
ARTMANN Nein, das mache ich jetzt nicht.


Georg Amend führte das Gespräch in Volendam (Niederlande).
 

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