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Bergischer Hc
Huhnstock ebnet Szilágyi den Weg

Bergischer Hc: Huhnstock ebnet Szilágyi den Weg
Alle wussten, dass Viktor Szilágyi in den Schlusssekunden werfen würde. Verhindern konnte die Abwehr der HSG Wetzlar den Ausgleich aber nicht. FOTO: Anja Tinter
Solingen. Der Torwart ist in der entscheidenden Phase voll da - ein Grundstein zum Punktgewinn beim 28:28 gegen Wetzlar. Von Georg Amend

Mit "Crunchtime" bezeichnen Sportler die entscheidende Phase eines Spiels. Im Duell des Bergischen HC gegen die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga lief in dieser Mario Huhnstock zu großer Form auf: Der Torwart, der den Klub am Saisonende verlassen wird, entschärfte Mitte der zweiten Halbzeit reihenweise Würfe des Gegners - in gerade einmal 30 Spielminuten gelangen ihm starke neun Paraden.

So hielt er den BHC, der in der gesamten Partie nicht geführt hatte, im Spiel. Nutznießer dieses Rückhalts war offensiv ein weiterer "Crunchtime-Spieler" der Bergischen: Viktor Szilágyi. Der Kapitän ist der Mann der wichtigen Tore, er erzielte das 27:27 und in der Schlusssekunde auch den Endstand beim 28:28 (14:16)-Unentschieden, das der BHC wie einen Sieg feiern durfte.

Nicht zufällig lobten nahezu alle, die die Partie beschrieben, die Leistung dieser beiden Akteure. Wetzlars Torwart Andreas Wolff, der ein starkes Spiel gemacht hatte, fand: "Uns war klar, dass Szilágyi in der zweiten Halbzeit noch mal kommt. Er ist ein hervorragender Spieler, den krieg' ich einfach nicht drauf. Er hat zusammen mit Huhnstock den Punkt geholt." BHC-Rückraumschütze Fabian Gutbrod, der - anders als im Hinspiel - eine ganz starke Partie mit acht Toren abgeliefert hatte, fand: "Dank der Paraden von Mario konnten wir auch einfache, schnelle Tore erzielen." Wetzlars Trainer Kai Wandschneider vertat sich zwar, wer da am Ende im Tor des BHC gestanden hatte, er meinte aber Huhnstock als er sagte: "Ich denke, dass das Unentschieden gerecht ist, weil wir in der Crunchtime zu viele freie Bälle liegen gelassen haben. Wir sind zu oft an Gustavsson gescheitert." Der BHC-Starttorwart, Björgvin mit Vornamen, hatte in Halbzeit eins sechs Bälle pariert.

Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp sagte: "Ein großes Kompliment an Mario Huhnstock, der uns zur Verzweiflung gebracht hat. Dass Viktor die entscheidenden Bälle gegen uns reinmacht, ist schon ein kleines Schreckgespenst." Und auch sein Pendant beim BHC, Jörg Föste, kam nicht umhin, die Leistung des Torwarts, den er ziehen lässt, an dessen 29. Geburtstag zu loben: "Gefreut hat mich das auch für Mario Huhnstock, der an seinem Geburtstag eine sehr, sehr gute Leistung geboten und geholfen hat, dass Viktor Szilágyi am Ende den Punkt sichert."

Einer der wenigen, der nicht diese beiden Akteure herausstellte, war BHC-Trainer Sebastian Hinze, der, seinem Naturell entsprechend, die ganze Mannschaft in den Vordergrund rückte: "Ich bin froh, dass wir es, ohne ein Mal im Spiel zu führen, geschafft haben, etwas mitzunehmen. Die Jungs haben mit Leidenschaft daran geglaubt. Wir hatten in der Crunchtime die Chance, in Führung zu gehen, haben es aber nicht geschafft. Es ist aber ein Punkt, den wir uns redlich verdient haben mit aufopferungsvollem Kampf. Ich bin unfassbar stolz auf die Mannschaft, und ich gehe sehr, sehr glücklich aus der Halle."

Immerhin sehr zufrieden konnte Huhnstock sein, der zuletzt aufgrund seiner unsicheren Zukunft keine einfache Zeit hatte. Der Torwart sagte unserer Redaktion: "Ich war angespannter als sonst. Es war schließlich das erste Mal, dass ich in einer so wichtigen Situation auf das Feld gekommen bin, seitdem feststeht, dass ich in der kommenden Saison nicht mehr beim BHC spielen werde. Zum Glück habe ich die Kurve bekommen."

Der andere "Crunchtime-Spieler" des BHC, Szilágyi, beschrieb die letzten Sekunden so: "Ich habe mich gut gefühlt bei meinen Würfen, auch wenn der Torwart ein paar gehalten hat. Deswegen habe ich die Verantwortung übernommen. Es war ein Kampfspiel, für das man belohnt werden muss." Direkt mit Schlusspfiff hatte der BHC-Kapitän dem gegnerischen Torwart per Fingerzeig klargemacht, dass er der Sieger in diesem Duell geblieben war. Szilágyi: "Das ist nicht respektlos gemeint, aber der Torwart war bei meinen Würfen oft unterwegs in die andere Ecke. Wir respektieren uns. Er hat letzte Saison hier einen Siebenmeter gehalten, jetzt hat er einen reingekriegt. Es ist alles okay. Es ist ja nicht nur ein Kampfspiel, sondern auch ein mentales." Und da hatte der BHC in der Crunchtime die besseren Waffen - namentlich Huhnstock und Szilágyi.

Quelle: RP
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