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Bergischer Hc
Irgendwann war auch Gustavsson machtlos

Bergischer Hc: Irgendwann war auch Gustavsson machtlos
Torwart Björgvin Gustavsson pariert hier den Siebenmeter von Marko Vujin und hielt seinen BHC in Hälfte eins im Spiel. FOTO: Imago
Solingen. 13.380 Zuschauer bedeuten Saisonrekord in dieser Saison der Handball-Bundesliga. Der BHC unterliegt Kiel in Köln mit 28:31. Von Georg Amend

Das Rekordspiel mit 13.380 Zuschauern in der Kölner Lanxess-Arena war finanziell sicher ein Segen für den Handball-Bundesligisten Bergischer HC. Sportlich war die Partie gegen den THW Kiel zu früh entschieden, als das noch hätte Spannung bis in die Schlussminuten aufkommen können: Nach Viktor Szilágyis Treffer zum 3:3 (14. Minute) setzte sich der haushohe Favorit schnell auf 7:3 (17.) ab, dann durften Moritz Preuss und Arnor Gunnarsson mal für die Gastgeber treffen, aber die Norddeutschen konterten das mit einem neuen Drei-Tore-Lauf, so dass die Frage nach dem Sieger beim Stand von 6:11 aus Sicht der Bergischen eigentlich schon beantwortet war. Am Ende setzten sich die Kieler mit 31:28 (15:10) durch.

BHC-Trainer Sebastian Hinze hatte gehofft, dass die Atmosphäre in der bestens gefüllten Lanxess-Arena sein Team "beflügeln" würde, doch das Gegenteil war der Fall. Seine Schützlinge ließen reihenweise freie Würfe liegen, zudem vergaben Gunnarsson und Christian Hoße Siebenmeter gegen Niklas Landin im Kieler Tor. Die Fehlwürfe eröffneten den Gästen immer wieder die Gelegenheit zu Gegenstößen, die anfangs zwar der starke Björgvin Gustavsson im BHC-Tor vereitelte, doch irgendwann war auch der Isländer machtlos.

So plätscherte die Partie ein wenig dahin, denn immer, wenn die Bergischen mal einen Hauch näher als auf fünf Tore herankamen, drehten die Gäste wieder ein Stückchen auf. Einzige Ausnahme: Aus einem 19:25-Rückstand (43.) machten Alexander Hermann, Gunnarsson, Christian Hoße, Gunnarsson und Szilágyi ein 23:25. Und plötzlich war auch in Köln die Halle da: "BHC, BHC, BHC" schallte es von den Rängen. Die Aufholjagd wurde aber nicht gekrönt, auch, weil Gunnarsson beim 23:26 mit seinem Siebenmeter an Landin scheiterte, und so war der Sieg der Kieler letztlich ungefährdet. Überschattet wurde ihr Erfolg allerdings von der Verletzung ihres Kreisläufers René Toft Hansen, der sich im Zweikampf mit Maximilian Weiß wohl das Knie derart verdrehte, dass er mit einer Trage vom Feld gebracht werden musste.

Was für langwierige Auswirkungen Verletzungen haben können, erlebt der BHC derzeit. Denn sein Kapitän, der in Eisenach sein Comeback nach einem Teilriss der Achillessehne gefeiert hatte, ist noch lange nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Zwar traf Szilágyi gestern in Köln sieben Mal und war damit bester Schütze, doch an alte Klasse reichte seine Vorstellung noch lange nicht heran. Mit seinen sonst so gefürchteten Schlagwürfen kam der Österreicher wie schon bei der 26:28-Niederlage in Eisenach zwar immer mal wieder durch, aber die Power dahinter ist noch nicht wieder da. Einen dieser Würfe fing Landin sogar.

Erst Mitte Februar geht es in der Bundesliga weiter, Szilágyi hat also jetzt wie seine Teamkollegen, die nicht mit den Nationalmannschaften unterwegs sind, Zeit, wieder zu Kräften zu kommen. Denn die werden gesammelt nötig sein, da der Kampf um den Klassenerhalt im Neuen Jahr sehr hart zu werden verspricht. "Wir müssen uns alle überlegen, was besser werden muss", sagte Szilágyi nach der Partie. "Der allergrößte Wunsch ist, dass alle gesund werden, und wir komplett in eine Vorbereitung starten, mit der wir nach der Pause die nötigen Punkte zu holen."

Auch BHC-Beirat Jörg Föste setzt Hoffnung auf die Zeit, die nun ansteht: "Es gibt 2015 einen Wermutstropfen, und das sind zwei Zahlen: sieben und 33", sagte er mit Blick auf die Punktausbeute. "Es ist eine Tabellensituation, die uns allen nicht gefällt. Wir werden alles daran setzen, die Vorbereitung so zu gestalten, dass wir aus dem Tabellenkeller herauskommen." Auf die Nachfrage, ob er damit auch mit demselben Trainer meine, sagte Föste: "Diese Dinge haben wir noch nie öffentlich thematisiert, und wir werden damit jetzt nicht anfangen." Immerhin ergänzte er noch, dass es Spiele gegeben habe, die man lieber anders gestaltet hätte - das gestrige ausgeschlossen, dafür war der Gegner zu übermächtig. Stattdessen nannte er die Partie in Eisenach, gegen Stuttgart, in Leipzig und sogar das gegen Lemgo, auch wenn das als einziges davon gewonnen wurde. Es gebe aber ein Schema, das all diesen Spielen gemein sei.

Und wenn man mit diesem Schema keinen Erfolg hat, muss man in der Regel Änderungen vornehmen. Das Spiel gestern in Köln war für den BHC ein Highlight, eine tolle Abwechslung und ein finanzieller Glücksgriff - der Alltag heißt aber: Abstiegsplatz in der Bundesliga.

Quelle: RP
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