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Bergischer Hc
Majdzinski macht dem BHC schon Freude

Solingen. Der 20-jährige Linkshänder spielt in Balingen erstmals 60 Minuten - und macht das offensiv wie defensiv stark. Von Georg Amend

Der Bergische HC hat Maciej Majdzinski vom insolventen Hamburger SV als Perspektivspieler verpflichtet. Der 20-Jährige soll hinter den etablierten Linkshändern Kristian Nippes und Maximilian Hermann behutsam im rechten Rückraum aufgebaut werden. Doch da beide bei HBW Balingen-Weilstetten verletzt nur zuschauen konnten, ruhte die Verantwortung allein auf den Schultern des junge Polen.

Und der überzeugte mit seinem ersten 60-Minuten-Einsatz in der Handball-Bundesliga voll und ganz - ein Grund für den 31:26 (13:15)-Sieg. In seiner ersten Offensivaktion wackelte er Davor Dominikovic gleich formvollendet aus, erzielte das 2:2 und zog noch eine Gelbe Karte gegen den Balinger Abwehrhünen, der kurz vor dem Ende der Partie mit seiner dritten Zeitstrafe disqualifiziert wurde. Majdzinski war eindeutig zu schnell und beweglich für den doch recht groben Defensivmann, den er immer mal wieder in Verlegenheit brachte. Am Ende hatte er satte fünf Tore erzielt, nicht nur aus dem dynamischen Eins-gegen-Eins, sondern auch mal mit einem Wurf aus dem Lauf über das sogenannte falsche Bein, das bei einem Linkshänder das linke ist. Hinzu kamen noch ein abgefangener Gegenstoßpass, ein herausgeholter Siebenmeter und Anspiele auf Kreisläufer Moritz Preuss und Rechtsaußen Arnor Gunnarsson. In der Abwehr hängte sich der 1,89-Meter-Mann voll rein, und auch wenn er zum Beispiel gegen Olivier Nyokas mal Lehrgeld zahlen musste, war es ein starkes Spiel von ihm.

Seine eigene Leistung wollte Majdzinski nicht zu hoch hängen: "Ich bin froh, dass ich die Chance hatte, zu spielen und wir gewonnen haben", sagte der Pole auf englisch. "Das war so wichtig, weil wir die Serie ausbauen wollten." Denn mit dem Erfolg hat der BHC vier Siege in Folge gefeiert und damit die bisherige Rekordserie in der Bundesliga aus der Saison 2013/14 eingestellt. Über seine Beweglichkeit, die Balingens Abwehr arge Probleme bereitete, meinte Majdzinski lächelnd: "Ich bin ja schwächer als die meisten Spieler, also muss ich mir was anderes einfallen lassen."

Seine gute Leistung kommentierte BHC-Kapitän Viktor Szilágyi so: "Vor allem in der Abwehr hat er uns von Anfang an Stabilität gegeben. Er hat in jeder Aktion, egal ob in Abwehr oder Angriff, 100 Prozent gegeben. Das ist der Punch, den er in der Bundesliga haben muss. Ich freue mich unglaublich für ihn - und für uns. Wir wissen, was er kann, er ist eine Bereicherung, aber wir tun ihm keinen Gefallen, wenn wir ihn jede Woche fordern."

Ähnlich sah es Trainer Sebastian Hinze: "Natürlich war das ein klasse Spiel von ihm, und wir können schon sehen, wie viel Freude wir noch an ihm haben werden. Solche Spielanteile tun ihm erstmal gut, aber es wird nicht immer steil nach oben gehen. Wir müssen ihn behutsam aufbauen, auch wenn wir so ein Spiel von ihm wie heute natürlich gerne mitnehmen. Er ist ein überragender Junge, der auch im Training immer alles gibt. In der Abwehr hat er taktisch noch nicht alles richtig gemacht, aber viel mit seiner Beinarbeit wieder rausgeholt."

Damit bildete Majdzinski in Halbzeit eins ein wenig die Ausnahme in der BHC-Defensive, denn mit der war der Coach zunächst so gar nicht einverstanden gewesen: "Wir haben die Zweikämpfe verloren, waren nicht schnell genug auf den Beinen, es gab keine Helferbereitschaft. Damit war ich sehr unzufrieden und bin deswegen für meine Verhältnisse auch sehr laut in der Halbzeit geworden." Das wirkte offenbar, denn nach der Pause kam der BHC ins Rollen, stellte die "Konzentrationsmängel im Angriff" (Hinze) ab und eine wesentlich bessere Deckung. Ausschlaggebend war die Szene in der 39. Minute, als Szilágyi in Unterzahl zum 15:19 traf und sein Team den Balinger Wurf auf das leerstehende BHC-Gehäuse abfing. "Diese Emotionalisierung brauchten wir wohl. Das ist okay, aber ich hätte mir von Anfang an eine bessere Vorstellung gewünscht", erklärte Hinze.

HBW-Trainer Frank Bergemann sah in dieser 39. Minute ebenfalls den Knackpunkt. "Ab da war wie auf Knopfdruck jeder Spieler mit sich selbst beschäftigt, es gab kein mannschaftliches Laufspiel mehr. Alle haben die Köpfe hängen lassen, und das Rückzugsspiel war so schlecht wie lange nicht mehr. Vielleicht war die Information direkt vor dem Spiel, dass wir die Klasse gehalten haben, nicht so gut. So war die letzte Patrone nicht da." Sein Geschäftsführer Wolfgang Strobel fand noch deutlichere Worte: "Ob die Information vor dem Spiel da war, ist für mich irrelevant. Ich bin richtig enttäuscht und auch sauer, auf das, was hier passiert ist. Dass Zuschauer vorzeitig die Halle verlassen, hatte seinen Grund: Weil Auftreten, Kampfgeist und Einsatz der Mannschaft ab einem gewissen Punkt nicht mehr da waren." Tugenden, die der BHC in dieser Phase gezeigt und so verdient gewonnen hatte.

Quelle: RP
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