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Bergischer Hc
"Mit Platzierungen profilieren ist falsch"

Solingen. Am 11. April übernimmt Jens Sieberger das Amt von Handball-Trainer Julian Bauer bei der A-Jugend des Bergischen HC auf. Der Ex-Profi will dort Bundesligaspieler für die erste Mannschaft entwickeln. Das sagt er im Interview.

Störe ich Sie gerade?

Sieberger Nein. Ich bin mit dem Auto auf dem Weg nach Solingen und habe eine Freisprecheinrichtung - das ist ganz entspannt.

Okay. Als der Bergische HC Sie vergangene Woche als neuen Trainer für sein A-Jugend-Bundesliga-Team vorgestellt hat, haben Sie bereits erklärt, dass Sie Handballer für die erste Mannschaft entwickeln wollen . . .

Sieberger Wenn man als A-Jugend-Trainer bei einem Bundesligisten beginnt, sollte das immer die Zielsetzung sein. Das heißt nicht, dass wir jedes Jahr zwei Spieler herausbringen, aber vielleicht alle zwei Jahre einen. Das ist auch schon ein Erfolg, denn die Leistungsdichte im Handball ist immer höher geworden. Man muss gucken, dass man die Talente, die man in den eigenen Reihen hat, im Verein halten kann und sie so gut ausbildet, dass sie in der Bundesliga Fuß fassen können. Hierfür muss man gewisse Rahmenbedingungen schaffen. Der Verein ist noch in der Entwicklung, ist aber schon auf einem guten Weg und bereits ordentlich aufgestellt, was Trainingszeiten und Trainingsstätten angeht.

Ihr Vorgänger, Julian Bauer, der ja noch bis zum 11. April im Amt ist, hatte als einen Grund für seinen Abschied vom BHC angegeben, dass er zu wenig Trainingseinheiten sehe . . .

Sieberger Da hat ja jeder Trainer eigene Ansichten. Klar, der DHB (Deutscher Handball-Bund, Anm. d. Red.) fordert zehn bis zwölf Einheiten pro Woche, und darauf kommen wir aktuell nicht. Ich denke aber, dass man auch mit fünf Hallen- und zwei Krafteinheiten in der Woche gute Handballer hervorbringen kann. Da ich aber gerade erst ein paar wenige Trainingseinheiten an neuer Wirkungsstätte absolviert und noch immer nicht alle Spieler des kommenden Jahrgangs gesehen habe, können wir uns gerne noch mal in einem Monat unterhalten. Aber ich bin zuversichtlich, dass man das hinkriegt. Die Leute beim BHC machen einen sehr vernünftigen Eindruck.

Wie oft haben Sie selber in dem Alter in der Woche trainiert?

Sieberger Da sollte man schon jeden Abend mit der Mannschaft in der Halle stehen. Dazu kommen dann noch individuelle Lauf-, Kraft- oder Wurfeinheiten. Beim BHC hat man großes Glück, mit der FALS eine Kooperationsschule zu haben. Da können die Spieler auch schon vormittags vernünftig trainieren. Aus unserem jetzigen C-Jugend-Jahrgang gehen, so habe ich gehört, bereits sehr viele Spieler auf diese Schule - das ist natürlich die Ideallösung, wenn man gleich eine komplette Vereinsmannschaft da zusammen hat.

Wie sieht es diesbezüglich bei der A-Jugend aus?

Sieberger Bei der ist das nicht der Fall, das muss jetzt von unten nachwachsen. Trotzdem kriegen die Spieler natürlich individuelle Trainingspläne. Da erkennt man dann auch, ob die Jungs den Biss haben. Das Mannschaftstraining im Verein reicht nicht, wenn man den Anspruch hat, erste oder zweite Bundesliga spielen zu wollen. Hierfür muss man einfach auch viel Eigeninitiative an den Tag legen. Dieser Gedanke für den Leistungssport muss sich bei vielen Jungs noch entwickeln.

Ist das das Leitmotiv, dass Sie als ehemaliger Bundesligaprofi Ihren Spielern vermitteln wollen?

Sieberger Ich will mich da nicht als Oberlehrer hinstellen und sagen: So schafft ihr das und so nicht. Viele der Spieler haben ein gewisses Talent, ein Grundtalent gehört einfach dazu. Aber ob man dann nachher Bundesliga oder Oberliga spielt, hat vor allem mit Fleiß zu tun. Ich war selber ein Spieler, der nicht die optimalen körperlichen Voraussetzungen für einen Bundesliga-Rückraumspieler mitbrachte. Es gibt immer noch Zwei-Meter-Jungs, die nicht alles aus sich herausholen - das ist schade. Es muss aber auch jeder wissen, was man dafür für einen Aufwand betreiben muss.

Einfach mal angenommen, die A-Jugend schafft erneut die direkte Qualifikation für die Bundesliga. Was ist Ihr Ziel in der neuen Saison?

Sieberger Mein Ziel ist und bleibt immer: die individuelle Ausbildung der Spieler. Die Förderung der Talente sollte in der Jugend vor dem Mannschaftserfolg stehen - das ist bei den Senioren natürlich nachher anders. Ich bin sicherlich auch ein Trainer, der lieber gewinnt als verliert, aber wenn man nur auf Platzierungen guckt und sich damit profilieren will, ist man meiner Meinung nach in der Nachwuchsförderung falsch aufgehoben. Der Schwerpunkt muss auf der individuellen Ausbildung liegen, die Jungs sind ja noch in einem sehr lernfähigen Alter und sollten in dieser Zeit so viel wie möglich mitnehmen.

GEORG AMEND FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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