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Bergischer Hc
Sieben Mann sind keiner zu viel

Solingen. Der BHC verliert gegen Kiel mit 25:31. Die eigenen Fehler werden bestraft. Von Thomas Rademacher

Seine Verletztenmisere hatte der Bergische HC zuletzt beinahe vergessen gemacht. Fünf Punkte in Folge hatte sich der Handball-Bundesligist mit einem Rumpfkader gesichert und ging deshalb auch mit viel Schwung in das Heimspiel gegen den THW Kiel. Zwei Mal durften sich die 5112 Zuschauer in der Lanxess-Arena Hoffnung machen, dass dem BHC gegen den Rekordmeister eine Sensation gelingen könnte. Am Ende war es eine achtbare Leistung, trotz der 25:31 (12:18)-Niederlage.

Die Mannschaft setzte während der kompletten Spielzeit auf den taktischen Kniff, im Angriff Torhüter Christopher Rudeck gegen einen siebten Feldspieler zu ersetzen. Es funktionierte, solange das Team sich nicht stressen ließ und keine Fehler fabrizierte. Das war vor allem in den ersten zehn Minuten beider Halbzeiten der Fall. Zu Beginn lief es fast optimal. 4:2 und 5:3 führte der BHC - so hoch, wie noch nie gegen den THW. Lediglich in drei von acht bislang absolvierten Duellen gegen die Norddeutschen lagen die Bergischen überhaupt einmal vorne - stets jedoch nur mit einem Tor ganz zu Beginn der Spiele. Den letzten Vorsprung hatte das Team am 8. November 2014 beim Stande von 2:1. Die Partie endete damals 20:31.

Jan Artmann hatte nun die Chance, die höchste Führung der Klubgeschichte gegen die Kieler auf 6:3 auszubauen. Sein Versuch landete allerdings am Pfosten, und Rune Dahmke warf den Abpraller ins leere BHC-Tor zum 4:5-Anschluss. Das war Pech. Was dann folgte, waren allerdings eigene Fehler und Abweichungen von der taktischen Disziplin. Bogdan Criciotoiu zum Beispiel nahm sich einen unnötigen Wurf, der gleich bestraft wurde. Zudem verloren die Gastgeber vorne viele Bälle beim Anspiel - Moritz Preuss griff gleich ein paar Mal daneben.

Die Kieler freute es, denn sie durften die Kugel ins verwaiste Gehäuse werfen. Torhüter Andreas Wolff gelang dies gleich drei Mal. Insgesamt sieben Gegentreffer musste der BHC in der ersten Halbzeit auf diesem Wege in Kauf nehmen. Das war bitter, denn Rudeck spielte überragend, bekam aber so oft keine Chance einzugreifen. "Wir haben dann leider zu viele Fehler gemacht, wodurch es Kiel einfach hatte", meinte Rechtsaußen Arnor Gunnarsson. "Aber es gab keine Alternative zum siebten Feldspieler. Wir wollten auch nach der Pause so weitermachen, weil es ja eigentlich gut funktioniert hat."

Ein guter Plan, denn zu Beginn der zweiten Halbzeit setzten die Hausherren zum Wunder von Köln an. Mit 12:18 kamen die Teams aus der Kabine. Neun Minuten später stand es 18:18, und das Publikum feierte die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Rudeck vernagelte seinen Kasten, während die Mannschaft vorne fast perfekt spielte. Ganz nebenbei erzielte Max-Leon Bettin seinen ersten Treffer in der Bundesliga per Siebenmeter. Es blieb beim Achtungserfolg - auch weil beim BHC die Kräfte nachließen und die Kieler in Marko Vujin noch einen frischen Weltklasse-Spieler brachten, der sein Team wieder auf die Siegerstraße führte.

"Solange wir am Limit spielen, können wir auch den THW in eine unangenehme Lage bringen. Nach der Halbzeit haben wir Moral gezeigt, aber da waren wir wirklich am Limit", meinte der erneut spielende Sportliche Leiter Viktor Szilágyi. "Kiel lässt sich nicht verunsichern", sagte Trainer Sebastian Hinze mit Blick auf den Ausgleich zum 18:18. "Aber ich finde, wir haben es in der zweiten Halbzeit fast optimal gemacht." Gemeint war, mit dem siebten Feldspieler vorne eine Überzahl-Situation zu kreieren.

Man war sich einig, dass dies die bestmögliche taktische Ausrichtung gewesen war. Auch Rudeck bestätigte dies, obwohl ihm so bei vielen Gegentoren die Chance zur Parade vereitelt wurde: "Wir machen vorne die Fehler, die Kiel die Chancen einbringt. Wenn sie nicht ins leere Tor werfen, haben sie 1:0-Gegenstöße, die sie wohl auch alle verwandeln". 60 Minuten hatte Rudeck, der seinen Vertrag beim BHC bis 2019 verlängert hat, auf der Platte gestanden. Beim 18:18 hatte er ein "Deja-vu". "Das war so wie in Göppingen", meinte der Keeper. "Aber Kiel ist eben nicht Göppingen." Die Norddeutschen blieben in ihrer Torflaute unfassbar souverän und gelassen.

Dass die eigenen Nachlässigkeiten ein besseres Abschneiden verhindert hatten, darin waren sich alle Akteure der Gastgeber einig. "Wir machen zu viele vermeidbare Fehler, die von Kiel gnadenlos bestraft werden", analysierte Hinze. Dennoch: Mit der Vorstellung durfte der BHC zufrieden sein. "Ich denke, die Leistung war okay heute vom ganzen Team", formulierte Rudeck gewohnt entspannt. Er meinte wohl noch ein kleines Stück mehr als nur "okay".

Quelle: RP
 
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