| 00.00 Uhr

Bergischer Hc
"So reicht es nicht, das wissen wir"

Solingen. Der BHC kassiert eine 27:33-Niederlage in Hannover. Die nun anstehenden Länderspielpause soll genutzt werden. Von Georg Amend

In dieser Verfassung, wie Mitte der ersten Halbzeit gestern, wird es der Bergische HC schwer haben, den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga zu schaffen. Freilich kann man die Leistung nicht auf eine missratene Viertelstunde herunterbrechen, doch dürfen sich diese Phasen eben nicht häufen. Bei der 27:33 (13:19)-Niederlage gestern bei der TSV Hannover-Burgdorf war das aber der Fall.

Das begann schon im Tor, wo sich Björgvin Gustavsson nach gerade einmal sieben Minuten selbst auswechselte, nachdem er keinen Ball hatte parieren können. "Ich habe einfach kein gutes Gefühl gekriegt", erklärte der Isländer, der Christopher Rudeck für die restliche Spielzeit - abgesehen von einem Siebenmeter, den er ebenfalls passieren lassen musste - Platz gemacht hatte. "Wenn man so schlecht anfängt, ist es schwer, deswegen bin ich raus. Und Rudi hat das dann auch super gemacht, vor allem in den ersten 13 Minuten. Da hat er der Mannschaft Sicherheit gegeben."

Überhaupt war Rudeck gestern der beste BHC-Akteur (siehe Spielfilm zur Partie). Doch diese Schwächephasen, in denen den Gästen minutenlang kein Treffer gelingen wollte, und die ihren negativen Höhepunkt in der erwähnten Viertelstunde mit zahlreichen technischen Fehlern hatten, nahmen ihnen früh die Chance zu punkten. "Dass die Mannschaft nach zwei Niederlagen in Balingen verunsichert ist, ist klar", meinte Trainer Sebastian Hinze. Er sagte aber auch: "Es ist so, dass es so nicht reicht. Das wissen wir. Wir werden die Defizite aufarbeiten, dafür haben wir jetzt zwei Wochen Zeit."

Denn es steht eine Länderspielpause in der Liga an, und fast alle Nationalspieler des BHC sind von ihren jeweiligen Auswahltrainern auch angefordert worden, so dass gleich sieben Akteure nicht unmittelbar bei der Aufarbeitung dabei sein können: Ace Jonovski (Mazedonien), Alexander und Maximilian Hermann (Österreich), Gustavsson und Arnor Gunnarsson (Island), Bogdan Criciotoiu (Rumänien) und Tomás Babák (Tschechien).

Die Defizite, die es laut Hinze zu beseitigen gilt: "Vor allem das Tempospiel, wo uns Hannover klar geschlagen hat." In seiner Analyse wurden noch andere Dinge angesprochen, an denen es zu feilen gilt: "Am Anfang finden wir vor allem defensiv nicht gut rein. Und ab der 15. Minute sind wir in eine Phase der Unsicherheit reingekommen, in der Offensive, und leider auch in der Rückzugsphase, wo wir aus dem Kontakt noch Tore bekommen und dann auch noch viele technische Fehler machen. So gehen wir mit minus sechs in die Pause."

Nach dem Seitenwechsel keimte kurz Hoffnung auf, als der BHC zwei schnelle Tore erzielte, spannend wurde es aber nicht mehr, weil immer wieder der letzte Tick fehlte. Hinze nannte es so: "Mit der zweiten Halbzeit können wir leben, aber in den entscheidenden Situationen hat der Killerinstinkt gefehlt. Wenn wir noch näher als minus fünf rangekommen wären, vielleicht auf minus drei, dann kann man noch mal dran riechen, hier vielleicht doch was mitzunehmen."

Interessant, dass sein Gegenüber, Jens Bürkle, trotz des letztlich klaren Sieges mit der Leistung der eigenen Mannschaft nicht zufrieden war. "Es ist so wie Sebastian gesagt hat: Der BHC hatte Chancen, das Spiel noch sehr eng zu gestalten - und das ist das, was mich ärgert", schnaubte der Hannoveraner Trainer, der dann zu einer regelrechten Wutrede anhob: "Es steht 24:16, und anstatt dass wir das durchziehen mit aller Konsequenz, lassen wir es rausplätschern. Wir haben Spieler, die wenig gespielt haben, und denen nehmen wir damit mögliche Einsatzzeit. Das macht mich wütend. Wir hatten die Chance, es deutlicher zu machen und geben dem Gegner die Chance, hier was mitzunehmen. Das regt mich auf. Das kann in dieser engen Tabelle auch Plätze kosten."

TSV-Geschäftsführer Benjamin Chatton merkte an: "Dieser Gegner hat uns heute wieder gezeigt, dass man 100 Prozent geben muss, jede Minute. Wir müssen uns da bissiger zeigen." Bürkle: "Das ist ein Konsequenz-Thema. Es geht darum, um jedes Tor zu kämpfen und nicht um zu gucken, was hier so lustiges auf dem Feld passiert."

Das war die Wutrede des Siegers. Diese Sorgen hätte der BHC indes gern. Er steht weiter auf dem ersten Abstiegsplatz.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Bergischer Hc: "So reicht es nicht, das wissen wir"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.