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Bergischer Hc
Weiß befreit den BHC vom Ballast

Solingen. Der Kreisläufer erzielt mit der Schlusssirene den 31:30-Siegtreffer gegen Lemgo. Die Negativserie ist beendet. Von Georg Amend

Es sind nur Sekunden, aber sie sind so bedeutend. Vier Sekunden vor dem Ende der Partie der Handball-Bundesliga zwischen dem Bergischen HC und dem TBV Lemgo in der Solinger Klingenhalle trifft Arne Niemeyer für die Gäste zum 30:30. Es ist das Déjà-vu des bitteren Gefühls, das die Hausherren in Leipzig erlebt haben, wo sie trotz aller Vorteile mit 28:31 verloren, und wie sie es in Solingen erlebt haben, als der TV Bittenfeld-Stuttgart in den letzten zwei Minuten aus einem 18:21 noch ein 21:21 macht.

Doch diesmal jubelt der BHC, denn Torwart Björgvin Gustavsson wirft den Ball zur Mittellinie, wo Max Weiß wartet, der die Kugel drei Sekunden vor Ablauf der Spielzeit fängt und dann direkt ins leere Tor wirft, weil Lemgos Trainer Florian Kerhmann seinen Torhüter zugunsten eines siebten Feldspielers vom Parkett genommen hat. In der folgenden Jubeltraube wird Weiß fast erdrückt, die Klingenhalle tobt, der Negativlauf von neun sieglosen Spielen - darunter acht Niederlagen - ist in dieser Sekunde beendet.

Als der Matchwinner mit seinem Team die LaOla gemacht hat, schildert er: "Ich bin zur Mitte gerannt, habe gesehen, dass noch drei Sekunden auf der Uhr sind, und einfach gebetet, dass Björgi den Ball schnell zur Mitte bekommt. Das hat zum Glück geklappt." Die Frage, ob er sich nun als Held fühle, beantwortet Weiß lapidar: "Es ist meine Aufgabe, den Anwurf auszuführen." Nur, dass dieser diesmal gleichbedeutend mit dem Siegtreffer war. Ob er es nach so einem emotionalen Ende nicht bereut, seine Handballschuhe nach der Saison wie angekündigt an den Nagel zu hängen? Der 27-Jährige grinst: "Wenn das das letzte Spiel und die entscheidenden zwei Punkte für den Klassenerhalt gewesen wären - vielleicht." Dann ernst: "Nee, Quatsch. Ich habe gesagt, ich ziehe bis zum Ende voll durch."

Das taten seine Mitstreiter gegen Lemgo ebenso, die Emotionen legten neben der überragenden Leistung von Gustavsson gerade zu Beginn des Spiels den Grundstein für den Sieg. Und die Gefühlsausbrüche erstreckten sich bis auf die Bank, wo Sebastian Hinze mitfieberte, -tobte und -feierte. "Das war bedingungsloser Kampf", fand der Trainer später. "Es war auch ein emotionales Coaching von mir. Ich glaube, das brauchten wir auch."

Hinze mahnte trotz aller Euphorie aber mit Blick auf das 21:34-Debakel eine Woche zuvor: "Wir haben vor Gummersbach viel über entscheidende Phasen geredet, haben da aber vergessen, wie wir dahin kommen. Dieses Erfolgserlebnis jetzt hilft uns, daran zu arbeiten."

Denn das ist trotz des Sieges nötig, denn beinahe hätte es wieder ein bitteres Déjà-vu gegeben und statt dem strahlenden Helden Weiß einen tragischen: Alexander Oelze - der, wie von unserer Redaktion schon am 27. November exklusiv berichtet, seinen Vertrag bis 2018 mit Option auf ein weiteres Jahr verlängert hat - machte so viel richtig, leistete sich aber in der Endphase einen Fehlpass und einen Fehlwurf, so dass Lemgo zum 29:29 kam. Daher mahnte auch Abwehrchef Ace Jonovski: "Wir haben immer Stress, das ist unnötig. Wir haben immer wieder Fehler in entscheidenden Situationen. Wie in Leipzig, wie gegen Bittenfeld. Klar, das sind stressige Wochen, aber das kann nicht sein." Der Mazedonier schloss aber versöhnlich: "Ich glaube, nach dem Spiel jetzt kommen wir da raus. Wir haben eine gute Mannschaft."

Die bereits Mittwoch wieder gefordert ist, wenn sich ihr gegen Zweitligist Minden die große Chance bietet, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Finalturnier des nationalen Pokals einzuziehen. Dann muss es nicht unbedingt wieder so spannend sein, fand auch Lemgo-Bezwinger Weiß: "Mein Vater hat schon gesagt, dass er immer einen Herzinfarkt bei unseren Spielen kriegt. Ich hoffe, ich kriege diesmal eine positive SMS von ihm."

Quelle: RP
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