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Bergischer HC
"Wir müssen vom ersten Tag an gallig sein"

Bergischer HC: "Wir müssen vom ersten Tag an gallig sein"
Christian Hoße traf in der vergangenen Saison aus allen Lagen - auch gegen Hannover: Hier erzielt der Linksaußen des BHC den Treffer zum 31:31-Endstand - von rechtsaußen. FOTO: Stephan Köhlen (Archiv)
Solingen. Der Linksaußen bleibt mindestens bis 2019 beim BHC. Er spricht über die Liga und warum er gerne "Shampoo-Wart" ist.

Sie spielen seit der Jugend beim Bergischen HC beziehungsweise dessen Vorgängerverein SG Solingen. Bedeutet die Vertragsverlängerung bis 2019 nun, dass sie auf Lebenszeit hier bleiben wollen?

Christian Hoße (lacht) Wahrscheinlich schon. Ich werde 2019 im Sommer 31 Jahre alt. Da bin ich jetzt schon gespannt, wie ich mich dann körperlich fühle. Fest steht, dass nun eigentlich meine goldenen Jahre kommen, und ich bin froh, auch diese beim Bergischen HC zu verbringen.

Es heißt ja, nur wer den Verein auch mal wechselt, erhält lukrative Angebote. Können Sie das bestätigen?

Hoße Der BHC wollte die vorzeitige Verlängerung. Klar ist es vorstellbar, dass Klubs es für sich nutzen, wenn man nie weg war. Aber ich kann für mich nur sagen, dass ich mich sehr fair behandelt fühle und mit dem verbesserten Angebot auf jeden Fall zufrieden bin.

Was war Hauptgrund für die Entscheidung des langfristigen Verbleibs im Bergischen?

Hoße Die positive Entwicklung des Vereins auf allen Ebenen. Für mich ist es am wichtigsten, in der ersten Liga zu spielen. Diese Perspektive sehe ich beim BHC, weil wir in den vergangenen Jahren einen sehr guten Weg eingeschlagen haben und diesen auch weitergehen werden. Inzwischen haben wir Kontinuität in der Mannschaft, und das Potenzial ist da, langfristig den nächsten Schritt zu gehen, damit wir uns im Mittelfeld der Liga etablieren.

Aber der Vertrag gilt nur für die 1. Bundesliga.

Hoße Das ist korrekt, wobei es natürlich auch andere Gründe gibt, hier zu bleiben. Ich fühle mich in der Mannschaft wohl, habe das Gefühl, dass wir uns alle gut verstehen und der Teamgeist stimmt. Auch mit dem Trainer passt es einfach.

Dass Sie mit Sebastian Hinze schon als Spieler auf dem Feld gestanden haben, ist überhaupt kein Problem?

Hoße Gar nicht, nein. Seppel ist jung in die Trainerrolle gekommen, aber das war nie ein Problem.

Die Vorbereitung unter seiner Leitung soll intensiv sein. Sie sind zum dritten Mal im Trainingslager im österreichischen Piberstein. Sind das die schlimmsten neun Tage der Saisonvorbereitung?

Hoße Was den Umfang betrift, auf jeden Fall. Die Einheiten sind auch außerhalb des Trainingslagers anstrengend, aber dort müssen wir drei Mal täglich ran. Der Trainer schafft es schon, dass wir unseren Körper zu spüren bekommen. Die Fahradtour auf den Berg vor zwei Jahren werde ich nie vergessen. Das war die schlimmste Trainingseinheit meines Lebens. Ich hoffe, es wird dieses Jahr nicht ganz so anstrengend.

Sonst dürfte die Vorfreude auf das Training im Bergischen Land groß sein. Stört es eigentlich, oft in unterschiedliche Hallen zu müssen?

Hoße Es wäre bequemer, immer am selben Ort zu trainieren, weil wir dann auch unsere Sachen dort verstauen könnten. Aber mich stört es jetzt nicht so, wie vielleicht unsere jungen Spieler, die als Wasserwart fungieren müssen.

Die Jüngsten müssen das Wasser bringen?

Hoße Jeder bei uns in der Mannschaft hat ein Amt. Der Älteste darf zuerst auswählen, der Jüngste zuletzt. Das Amt des Wasserwarts ist mit Abstand am unbeliebtesten, so dass ich mir jetzt schon sicher bin, dass es in der kommenden Saison Moritz Preuss und Christopher Rudeck erwischen wird.

Wofür sind Sie zuständig?

Hoße Ich bin Shampoo-Wart (lacht). Damit bin ich auch zufrieden und hoffe, dieses Amt auch dieses Jahr wieder zu bekommen. Die Jungs hatten es ja auch gut bei mir, weil ich auch Wünsche akzeptiert habe (grinst zufrieden).

Wenn Sie einen Fehler machen, kostet das wahrscheinlich auch einen Beitrag in die Mannschaftskasse.

Hoße Natürlich, wie alles bei uns irgendetwas kostet. Auch für die Buchhaltung des Strafenkatalogs gibt es übrigens ein Amt, das bisher von Jan Artmann bekleidet wurde. Er hat den unbequemen Posten als Geldeintreiber auch gut erfüllt, und auf der Mannschaftstour kommt eine volle Teamkasse auch jedem zugute.

Kommen wir noch einmal zurück zum Ernst des Lebens. In der kommenden Saison geht es erneut um den Klassenerhalt, doch diesmal gibt es in der 18er-Liga nur drei statt vier Absteiger. Ist die Situation dadurch etwas entspannter?

Hoße Klar wäre es mit vier Absteigern schwerer, doch es wäre grob fahrlässig, die Saison auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir haben an Lemgo und Minden in der letzten Saison gesehen, dass es ganz schnell eng werden kann. Es geht von null los, und wir müssen vom ersten Spieltag an gallig sein, um am besten ständig über dem Strich zu stehen.

Wer sind die größten Konkurrenten im Abstiegskampf?

Hoße Neben den drei Aufsteigern (SC DHfK Leipzig, ThSV Eisenach und TV Bittenfeld, Anmerkung der Redaktion) zähle ich Lemgo, Balingen und Nettelstedt-Lübbecke zum erweiterten Kreis der möglicherweise gefährdeten Kandidaten. Die Gummersbacher waren 2014/15 sehr stabil, haben aber trotzdem noch eine sehr junge Mannschaft, also sind sie vielleicht auch noch dabei.

Wenn die Heimbilanz mit 25 Punkten so stark bleibt, klappt die Mission Klassenerhalt. Auswärts war jedoch mit nur drei Zählern der Wurm drin.

Hoße Das kann man wohl sagen. Wenn ich wüsste, was da schief gelaufen ist, hätte ich es schon lange kundgetan. Phasenweise haben wir auch auswärts überzeugt, aber eigentlich nie über 60 Minuten. Leider fehlt mir die Patentlösung, aber wir sollten in der kommenden Saison schon das eine oder andere Mal eine finden.

Abschließend noch eine Frage: Merken Sie es als Spieler eigentlich schon beim Aufwärmen, ob Sie persönlich ein gutes Spiel absolvieren werden?

Hoße Leider lässt das Aufwärmen keinen Schluss auf die Begegnung zu. Manchmal fühle ich mich gut, und später klappt gar nichts mehr. An anderen Tagen ist es umgekehrt. Vor dem Duell gegen Flensburg habe ich bei unseren freien Würfen auf die Torhüter von sechs Versuchen keinen getroffen. Im Spiel waren es dann neun Tore und eine hundertprozentige Quote.

THOMAS RADEMACHER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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