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Wolff nagt am Selbstvertrauen des BHC

Lokalsport: Wolff nagt am Selbstvertrauen des BHC
Sinnbild: Alexander Oelze ist erneut an Wetzlars Torwart Andreas Wolff gescheitert, dessen Mitspieler Evars Klesniks (von links) freut das. FOTO: Imago
Solingen. Der Torwart treibt die Gäste in Wetzlar zur Verzweiflung. Die Offensive ist bei der 19:28-Klatsche erschreckend schwach. Von Georg Amend

Drei Minuten vor dem Ende erheben sich die Fans der HSG Wetzlar von ihren Sitzen und stimmen den Klassiker "Oh wie ist das schön" an. Aufseiten des Bergischen HC mag da niemand einstimmen. Zu deutlich war der Unterschied in den vorangegangenen Minuten dieser Partie der Handball-Bundesliga. Beim Zwischenstand von 21:8 nach knapp 41 Minuten hatte es nach einem Debakel ausgesehen. Das blieb den Gästen in der Rittal-Arena zwar letztendlich erspart, doch die 19:28-Klatsche war auch so klar genug. Sie hätte noch deutlich höher ausfallen können, doch Wetzlar kassierte vier seiner fünf Zeitstrafen in Hälfte zwei, wodurch der BHC etwas Ergebniskosmetik betreiben konnte, und ging ein wenig vom Gas.

Dabei hatten die Bergischen in der ersten Viertelstunde durchaus dagegengehalten, doch dann folgte ein Bruch im Angriffsspiel. Sinnbildlich dafür die 14. Minute: BHC-Mittelmann Alexander Oelze versetzte mit einer Wurftäuschung seinen Gegenspieler und Torwart Andreas Wolff, schloss dann aber zu ungenau ab, der Wetzlarer Keeper riss noch die Hand hoch, parierte und leitete einen Tempogegenstoß ein - statt 5:5 stand es da 6:4. Und noch schlimmer: Wolff war nun richtig heiß. Der Torwart trieb den BHC nun im Zusammenspiel mit seinem Innenblock zur Verzweiflung. So setzte sich Wetzlar bis zur Pause schon auf 14:7 ab, und als die Gäste hernach wieder ins Spiel finden wollten, klappte offensiv gar nichts mehr. Viktor Szilágyi erzielte das einzige Tor in den ersten knapp zwölf Minuten nach der Pause. Eine erschreckend schwache Offensive.

"Wir kommen in dieser Phase einfach nicht zu klaren Chancen, weil wir es nicht schaffen, die Abwehr auseinandergezogen zu kriegen", analysierte Oelze. Und der Mittelmann ergänzte: "Ich weiß nicht, wie viele Hundertprozentige wir auslassen, wo wir frei vor dem Torwart sind - ich allein bestimmt fünf oder sechs. Wenn wir die machen, sieht es vielleicht anders aus."

Sicherlich fehlen dem BHC die Verletzten Kristian Nippes, Christian Hoße und Alexander Hermann, doch das mag Trainer Sebastian Hinze eigentlich nie als Ausrede gelten lassen. Untypisch für ihn, dass er diesmal auf die personelle Situation einging: "Am Ende wird es schwierig für uns: Da sieht man den Unterschied zwischen einer Mannschaft, die kein großes Selbstvertrauen und viele Verletzte hat, und einer Mannschaft, die viel Selbstvertrauen und einen Lauf hat."

Insgesamt fand Hinze: "Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben eine ordentliche Abwehr gestellt und hatten viele Ballgewinne. Schade, dass wir das nicht ausnutzen und zu oft an Wolff scheitern, so dass wir das nicht auf die Anzeigetafel bringen. Dann verlieren wir im Angriff das Vertrauen in das System, und das nutzt Wetzlar zum Ende der ersten Hälfte gnadenlos aus." Und als es dann zu Beginn der zweiten Hälfte gar nicht mehr laufen wollte, war die Partie schon verloren.

Hinze bemühte sich aber, auch aus der erschreckenden Vorstellung von Wetzlar noch etwas Positives zu ziehen: "Was wir mitnehmen müssen, ist die erste Viertelstunde und das Vertrauen in unser Spielsystem. Es ist wichtig, die Köpfe frei zu behalten - dann werden wir nächsten Samstag gegen Hamburg ein besseres Spiel abliefern." Auch Beiratsmitglied Jörg Föste meinte: "Wir sollten aus der ersten Viertelstunde das Beste rausnehmen." Was er außerdem in Wetzlar bemerkt hatte: "Man hat heute gesehen, dass der gesamte Klub auf einer Woge der Euphorie segelt - das kann man von uns nicht eben behaupten." Stimmt - das "Oh wie ist das schön" kam ja auch nur den Wetzlarer Fans über die Lippen.

Quelle: RP
 
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