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Volleyball
Den Boers Aus trübt den Sieg der Volleys

Solingen. Mit 3:1 setzt sich der Zweitligist im Heimspiel gegen Giesen durch, die Freude fällt ob der Verletzung aber verhalten aus. Von Georg Amend und Sonja Bick

Der 3:1 (25:22, 25:20, 22:25, 25:22)-Sieg der Solingen Volleys über den TSV Giesen war einer der unangenehmeren. Erst für Hauke Wagner vom Kontrahenten, der beim Versuch, einen Ball noch zu erlaufen, die Bande in der Wittkulle durchbrach. Bis auf eine Schramme am rechten Oberschenkel kam der Giesener aber unverletzt aus der Sache heraus. Deutlich schlimmer erwischte es Huib den Boer aufseiten der Gastgeber: Mit Thomas Stark wollte er im Doppelblock den gegnerischen Angriff oberhalb der Netzkante stoppen, doch anstatt danach wieder auf dem Boden zu landen, trat der 34-Jährige mit seinem rechten Fuß auf den seines Mitspielers und knickte um. Sein Schrei war markerschütternd, mit schmerzverzerrtem Gesicht blieb den Boer liegen, musste minutenlang von Physiotherapeut Thomas Güßgen behandelt werden und wurde dann von Güßgen, Stark und Toni Mester unter großem Applaus vom Feld getragen.

Zu der Zeit führten die Volleys gegen die Niedersachsen mit 2:1 Sätzen. Eine ungewohnte Situation für die Gastgeber, die seit Ende November zu Hause keinen Satz mehr abgegeben hatten. Tatsächlich war es für die Hausherren nicht optimal gelaufen, auch der Kontrahent erwies sich in diesem Match als unangenehm, hielt ständig dagegen. Selbst im zweiten Satz, den die Volleys nach vielen Fehlern der Gäste zu dominieren schienen, gaben sie nie auf und waren beim 14:17 wieder dran. Die Volleys machten aber den Sack zu. "Ich bin froh, dass wir gewonnen haben", sagte Headcoach Bernd Werscheck. "Ich bin aber nicht damit zufrieden, wie wir gespielt haben. Aber wenn man Meister werden will, muss man auch solche Spiele gewinnen."

Auch Co-Trainer Oliver Gies, der ziemlich erkältet war, aber dennoch zum wertvollsten Spieler des Siegerteams gewählt wurde, war nicht zufrieden: "Wir haben phasenweise geschwommen. Mal hat die Annahme nicht gestimmt, mal die Blockarbeit - das war nicht gut heute."

Tatsächlich war der Auftritt der Volleys nicht so dominant, wie es die Zuschauer aus den vergangenen Heimspielen gewohnt waren. Aufschlagfehler, Patzer in der Annahme, Angriffsschläge, die oft im gegnerischen Block landeten. Nur selten fanden die Angreifer Daniel Wernitz, Benny Nibbrig und Gies die Lücke in der Giesener Abwehr. Entlastung gab es über die Mitte in Person von Dirk Pietzonka, Mester und Stark.

Im vierten Durchgang hatten sich die Volleys auf 10:7 abgesetzt, und der Sieg sollte nur noch eine Frage der Zeit sein. Dann aber kam die Verletzung von den Boer - und plötzlich wurde es wieder spannend und vor allem emotional. Während der Zuspieler seinen Fuß kühlte, hochlagerte, von seiner Frau, seinen beiden kleinen Kindern und seinen Eltern getröstet wurde, hatte Gies sein Team noch mal zu einem Kreis zusammengerufen, um sie für die letzten Minuten einzuschwören. Von nun an wurde jeder Punkt auf der Tribüne, vor allem aber auf dem Feld, wie ein gewonnener Matchball gefeiert. Tom-Julius Werscheck, der ins kalte Wasser geworfen wurde, führte nervenstark für den verletzten den Boer Regie. Als Wernitz mit viel Gefühl den tatsächlichen Matchball zum 25:22 verwandelte, wurde kurz im Kreis gesungen und getanzt, um dann geschlossen zum Mannschaftskollegen zu gehen, der mittlerweile wieder das Spiel verfolgen konnte - immer noch liegend, aber grinsend. "Das ist vor dem Spitzenspiel gegen Bitterfeld natürlich sehr ärgerlich", sagte den Boer, der sich selbst die Diagnose Riss des Außenbandes ausstellte. Physiotherapeut Thomas Güßgen bestätigte diese Vermutung: "Am Knöchel ist nichts, aber ein Band wird schon kaputt oder zumindest angerissen sein." Damit würde der Routinier das Topspiel nächsten Sonntag in der Wittkulle gegen den Tabellenführer VC Bitterfeld-Wolfen verpassen. Das wäre bitter, aber wie Bernd Werscheck schon erkannt hat: Wer Meister werden will, muss solche Spiele gewinnen.

Quelle: RP
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