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Sportpolitik
Der Sportempfang sah viele Gewinner

Solingen. Jonas Reckermann war stark am Mikro, neue Preisträger sind Rugbyspieler Prieß und die B-Mädchen des HSV Gräfrath. Von Georg Amend

Eigentlich ist alles wie immer. Beim Sportempfang des Solinger Sportbundes (SSB) gestern Morgen kassiert SSB-Präsident Hartmut Lemmer den ersten Lacher: "Ich bin überwältigt, wie viele hier sind", sagt er angesichts von rund 200 Gästen in der Hauptgeschäftsstelle der Stadtsparkasse. "Wenn wir nur die Hälfte davon bei der Jahreshauptversammlung hätten, ginge es uns richtig gut." Doch dem ersten Lacher der Veranstaltung sollen noch einige Überraschungen folgen, so dass dann doch nicht alles wie immer ist. Erfrischend.

Da ist zunächst der Gewinner des Fairnesspreises 2015, der den Kapitän des Handball-Bundesligisten Bergischer HC, Viktor Szilágyi, beerbt. Für den diesjährigen Gewinner kommt die Ehre komplett überraschend: Denn Alexander Prieß, Rugbyspieler der "Zebras" vom Wald-Merscheider TV, weiß davon rein gar nichts. Er steht mit zwei Mitspielern und Pressesprecher Daniel Konrad unter den Zuschauern, als Lars Hoffmann von der BKK - die Bergische Krankenkasse - zur Laudatio anhebt: "Der Vorplatz des Düsseldorfer Hauptbahnhofes", sagt Hoffmann, und da wird Prieß zum ersten Mal hellhörig.

Als die Geschichte weitergeht, wird er immer unruhiger, die Gesichtsfarbe wechselt, ein ungläubiges Lächeln stiehlt sich in sein Gesicht. "Es war eine Begegnung der schmerzhaften Art", erzählt Hoffmann weiter. "Zwei Männer stürmen durch den Hauptbahnhof, es erschallen Rufe ,Haltet den Dieb'. Ein junger Mann steht abseits, und auch die Warnung, dass der Dieb eine Waffe habe, hält ihn nicht auf. Er geht in die Knie, und als der Dieb an ihm vorbeilaufen will, schnellt er empor und trifft ihn mit der Schulter an der Brust - ein Tackle. Dank unserem Sportler liegt die Diebesbeute von 15.000 Euro verstreut auf dem Vorplatz und wird sichergestellt. Er hat Zivilcourage im Alltag gelebt. Er ist ein Sportler mit Herz und Verstand, der erst vor zwei Jahren zum Rugby gekommen ist und eine Bereicherung für den WMTV darstellt: Alexander Prieß." Der ist mittlerweile schier überwältigt, und als er unter dem tosenden Applaus der Anwesenden auf die Bühne kommt, erklärt Hoffmann grinsend: "Das Schöne ist, dass er nicht wusste, warum er heute in die Sparkasse kommen sollte. Deswegen schaut er noch etwas verwirrt." Zu einer Dankesrede reicht es dann bei Prieß naturgemäß auch nicht, ein scheuer Gruß mit der Trophäe ins Rund, mehr geht nicht in diesem Moment, den seine Mitspieler genüsslich mit dem Handy als Video aufnehmen. Die Überraschung ist vollkommen.

Doch es ist nicht die letzte. Denn dass Jonas Reckermann, Beachvolleyball-Olympiasieger von London 2012, ein so hervorragender Moderator sein würde, dass er Lemmer bei dessen eigener Veranstaltung dabei nachhaltig Konkurrenz macht, ist die nächste und diejenige, wodurch der Empfang eben nicht wie immer ist. Reckermann ist Pate für den Jugendförderpreis, und er eröffnet: "10.000 Euro sind nicht normal für einen Nachwuchspreis. Das ist nicht, weil der Sportbund plötzlich im Geld schwimmen würde. Das ist nur möglich gewesen durch eine Stiftung - die Ulrike-und-Klaus-Krebs-Stiftung."

Die beiden Namensgeber kommen nun erstmals ins Licht der Öffentlichkeit, aus dem sie sich eigentlich bescheiden heraushalten wollten. 2006 gründeten sie die Stiftung, aus der kulturelle Projekte und eben der Jugendsport finanziert werden. "Wir freuen uns, dass wir das zum zweiten Mal machen können", sagt Klaus Krebs. "Ich hoffe, dass dieser Preis die nächsten 100 Jahre verliehen wird." Als der Senior hernach Reckermanns nächste Frage beantworten will, unterbricht der Beachvolleyball-Star ihn lächelnd: "Jetzt lassen Sie Ihre Frau doch auch mal was sagen. Wie? Ja, okay, nur kurz." Ulrike Krebs erzählt daraufhin: "Wir haben uns beim Sport kennengelernt. Beim Tennis. Wir haben zugeschaut, wie der andere spielt." Ihr Mann wirft ein: "Im Mixed waren wir erfolgreich." "Ja - im Tennis!", kontert seine Frau trocken. Die Lacher gehören längst nicht mehr nur Lemmer. Dem das im Übrigen völlig recht ist: "Er hat das super gemacht, oder?", meint er über Reckermann.

Die Entertainer-Qualitäten des Zwei-Meter-Hünen werden auch im Gespräch mit den Nominierten (siehe Info-Kasten) für den Preis "Jugend-Sportteam des Jahres" offensichtlich. Von den Zirkusturnerinnen des Merscheider TV will er wissen, ob es bei der Vertikaltuch-Akrobatik mehr auf Kraft oder Technik ankomme. "Man kann das auch nur mit Kraft machen, aber dann sieht das nicht so schön aus", lautet die Antwort. Reckermann: "Ich glaube, bei meiner Körpergröße würde da nix schön aussehen." Charmant-witzig bleibt der Olympiasieger auch bei den erstplatzierten Handball-Mädchen vom HSV Gräfrath: "Eine Frage an den Trainer. . ." "Ich bin eigentlich nur der Co-Trainer. . ." "Dann gehe ich mal zur Trainerin", sagt Reckermann und stapft zu Ariane Bergfeld. "Wer will denn noch was sagen?" fragt er anschließend, und als die Handballerinnen da zurückweichen, meint er grinsend: "Nicht weiter, sonst fallt ihr von der Bühne."

Im Gespräch mit den Müttern der zweitplatzierten B-Jugendfechter vom WMTV nimmt ihm Mutter Disler einfach das Mikrofon ab, das sich Reckermann aber direkt wieder holt: "Erste Moderatorenregel: Das Mikro nie aus der Hand geben", erklärt der Blondschopf grinsend. Die Mütter erklären, dass ihre Söhne verhindert seien, weil sie in Bergheim fechten: "Das Finale läuft gerade. Wir sind ganz aufgeregt." Darauf geht Oberbürgermeister Tim Kurzbach zu Beginn seiner Rede später noch ein: "Wie ist der Stand in Bergheim? Haben wir schon Ergebnisse?" "Gewonnen", schallt es ihm entgegen. Die Goldmedaille für den WMTV live zum Sportempfang übertragen - überraschend und erfrischend. Dieser Morgen hatte viele Gewinner.

Quelle: RP
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