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Handball
"Die Schiedsrichter werden gefordert"

Handball: "Die Schiedsrichter werden gefordert"
Sebastian Hinze (BHC, Bundesliga) FOTO: Imago (Archiv)
Solingen. Das sagen Trainer zu den Regel-Änderungen, die der Weltverband IHF zur neuen Handball-Saison einführen wird. Von Georg Amend und Lars Hepp

Insgesamt fünf Regel-Änderungen (siehe Info-Kasten) hat der Handball-Weltverband IHF beschlossen, die zur neuen Saison von der Bundes- bis in die Kreisliga inkrafttreten und schon bei den Olympischen Spielen umgesetzt werden. Unsere Redaktion hat Trainer aus vier verschiedenen Spielklassen gefragt, wie sie zu den neuen Regeln stehen. Fazit: Vor allem die Änderung, dass ein auf dem Feld behandelter Spieler drei Angriffe seiner Mannschaft aussetzen muss, sofern es keine Strafe gegeben hat, bereitet Sorge.

Sebastian Hinze, Trainer des Bergischen HC (Bundesliga): "Beim passiven Spiel müssen wir noch die genaue Formulierung abwarten, ich stehe dem aber grundsätzlich offen gegenüber. Ich finde es grundsätzlich positiv, da eine Beschränkung einzuführen, aber wir müssen abwarten, wie es in der Praxis wird. Man wird auch sehen müssen, was sich für taktische Mittel ergeben können, dass man den zusätzlichen Feldspieler nicht mehr markieren muss. Das braucht sicher Vorbereitungszeit, aber es ergeben sich daraus bestimmt auch ein paar Optionen. Was die Verletzten angeht - da werden die Schiedsrichter schon stark gefordert. Die werden ja noch geschult und kommen danach in die Bundesliga-Vereine, das müssen wir abwarten. Bei Olympia werden wir schon sehen können, wie das so ist, aber es wird sicherlich eine Umstellung sein."

Max Ramota, TSV Aufderhöhe (Oberliga): "Meiner Meinung nach werden die Schiedsrichter durch die Regeländerungen noch mehr zu tun bekommen. Gerade in unserem Leistungsbereich sehe ich darin einige Probleme, dass sich viele Referees deutlich umorientieren müssen. Das Passiv-Spiel mit sechs Pässen zu ahnden, halte ich für schwierig. Zumal die Thematik mit den Freiwürfen in diesem Zusammenhang noch nicht ganz klar ist. Auch einen verletzten Spieler für mindestens drei Angriffe auswechseln zu müssen - da wird viel auf die Schiris und das Kampfgericht zukommen. Die Torhüter-Thematik finde ich ganz gut, damit sollte mehr Aktion und Torgefahr entstehen. Über eine blaue Karte kann man wahrscheinlich hoch und runter diskutieren."

Ernie Meyer, HSV Gräfrath (3. Liga Frauen): "Ich denke, dass sich die Neuerungen im Großen und Ganzen einspielen werden. Allerdings sehe ich da auch viele Probleme auf alle Beteiligten zukommen. Für mich ist entscheidend, wie im Passiv-Spiel oder auch bei Verletzungen die Anzahl von Pässen und Angriffen bewertet wird. Darauf bin ich mal sehr gespannt. Siebter Feldspieler und blaue Karte finde ich gut."

Heino Kirchhoff, Solinger TB (Landesliga): "Ich weiß nicht, wie das alles umsetzbar sein soll. Da wird eine Menge auf die Schiedsrichter und das jeweilige Kampfgericht zukommen. Ich denke, dass es in den nächsten Jahren eine Flut von Einsprüchen gegen diverse Regelverstöße geben wird. Da wurden Änderungen beschlossen, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und die ich für schwachsinnig halte.

Eine Festlegung beim passiven Spiel mit einer Sekunden-Regelung wäre besser, als die Anzahl von Pässen zu begrenzen. Beim Basketball klappt das auch bestens.

Die Auswechselung von Spielern bei Verletzung halte ich für großen Irrsinn - wie oft kann jemand nach einer kurzen Behandlung weitermachen? Dadurch wird enorme Unruhe entstehen, und die Mannschaften müssen wesentlich mehr durchwechseln als aktuell.

Es darf nicht sein, dass die Gesundheit der Spieler geopfert wird für ein schnelleres und damit vermeintlich attraktiveres Spiel. Jeder, der einmal Handball gespielt hat, weiß, dass jemand, der umgeknickt oder nach einem Stoß auf den Rücken gefallen ist, zunächst nicht weiß, ob er weiter spielen kann. Genau um das zu beurteilen sind Ärzte und Physiotherapeuten da. Nun soll der Spieler dafür bestraft werden, dass er etwas Vernünftiges getan hat. Das kann sich kein Europäer ausgedacht haben, und man kann nur hoffen, dass die EHF (die europäische Handball-Föderation, Anm. d. Red) noch Macht genug hat, sich zu wehren."

Quelle: RP
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