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Fechten
Die Taktik der Lockerheit

Fechten: Die Taktik der Lockerheit
Schneller als die Kamera mitkommt: Nicolas Limbach gewann Bronze. FOTO: AP, AP
Mit zwei Silber-Medaillen kehrte Richard Hübers von den A-Jugend-Europameisterschaften aus Athen zurück. Vom Bundestrainer gab es ein großes Lob für den souveränen Auftritt des Solinger Säbelfechters. Von Guido Radtke

Richard Hübers ist in Erklärungsnot. Warum und wieso der 17-Jährige Säbelfechter derart mühelos bei den Kadetten-Europameisterschaft in Athen einen Sieg nach dem anderen sammelte, wusste er selbst nicht. "Nachdem ich die Woche zuvor schon gut trainiert hatte, war ich mit einem guten Gefühl angetreten." Er sei locker drauf gewesen und habe einfach drauf los gefochten. "Bei Junioren-EM war ich ähnlich locker" – was ihm im November vorigen Jahres völlig überraschend Silber beschert hatte.

Mit der "Ich habe einfach mal gemacht"-Taktik gewann Richard Hübers jetzt in Athen nicht nur alle sechs Vorrunden-Gefechte. In der Direktausscheidung beendete der für Bayer Dormagen startende Solinger alle folgenden Duelle mit weniger als zehn Gegentreffern.

Im Viertelfinale vernaschte er den Ungarn Andras Szatmari förmlich mit 15:4, im Halbfinale fand auch dessen Landsmann Marton Csaba gegen den Deutschen (7:15) kein Mittel. Verständlich, dass Nachwuchs-Bundestrainer Olaf Kawald voll des Lobes war: "Der Junge ging durch wie Butter. Seine Konkurrenten hatten bis zum Finalgefecht nicht den Hauch einer Chance".

Dass Richard Hübers nicht auch noch das Duell um Gold für sich entschieden hat, macht er an einem einzigen Zähler fest. Der Solinger führte mit 13:11 als er einen Angriff startete und tatsächlich Kamil Ibragimov mit seinem Säbel traf – unglücklicherweise an einer Stelle des Oberkörpers, an der die Anzeige den Treffer nicht anzeigte. Beim Kontakt mit der Hand-Innenseite des Russen brach Hübers Klinge, so dass der Kadetten-Weltmeister zum 12:13 konterte. "Anschließend habe ich eine falsche Aktion gestartet und mit dem Ausgleich völlig den Faden verloren." Hübers musste Ibragimov die letzten beiden Treffer und somit auch den Titel des Europameisters überlassen.

Verantwortung als Schlussfechter

Im Team-Wettbewerb war es bei Richard Hübers vorbei mit der Lockerheit. Zumindest im Halbfinale gegen die Ukraine. "Ich hatte die Hosen voll", gibt der 17-Jährige zu, der bei einem Zwei-Punkte-Rückstand als Schlussfechter antreten musste. "Das ist was ganz anderes, wenn du weißt, dass nur noch du etwas reißen kannst." Die Angst zu verlieren und womöglich mit einem 0:5 abzutreten legte der Wahl-Dormagener schnell ab. Mit seinem 7:3 bescherte er sich sowie seinen deutschen Teamkollegen Robin Schrödter (Dormagen), Maximilian Kindler (Eislingen) und Thomas Görzen (Göppingen) den Einzug ins Finale.

"Hier haben wir alle den Anfang verpennt. Gegen so eine Mannschaft ist es extrem schwer, einen Zehn-Punkte-Rückstand aufzuholen." Richard Hübers war glücklich, dass er sein zweites EM-Silber nicht nach einer "totalen Klatsche" gegen Russland (38:45) im Empfang nehmen konnte.

Quelle: RP
 
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