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Christian Fried
"Freier Eintritt mit Organspendeausweis"

Christian Fried: "Freier Eintritt mit Organspendeausweis"
Christian Fried will als neuer erster Vorsitzender die Alligators weiter nach vorn führen. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Der neue Präsident des Baseball-Meisters Solingen Alligators will die soziale Verantwortung des Klubs stärker herausstellen.

Herr Fried, herzlichen Glückwunsch zum ausgesprochenen Vertrauen Ihrer Mitglieder. Sie haben gesagt, es gebe viel zu tun. Was denn?

Fried Zuerst möchte ich meinem Vorgänger Peter Niemeyer danken und natürlich auch Stephan Bernards, der aus dem geschäftsführenden Vorstand ausgeschieden ist, uns aber weiterhin unterstützt. Zu der Frage: Ich habe dem Verein einen grünen Faden an die Hand gegeben, der dafür sorgen soll, dass wir zurück zu dem finden, was die Allgators früher so stark gemacht hat. In der Vergangenheit stand der Familiencharakter stark im Vordergrund. Jeder war für jeden da, es gab wenig Grüppchenbildung, eine offene Kommunikation. Das ist etwas verloren gegangen.

Was sieht der grüne Faden vor?

Fried 2021, zum 30-jährigen Bestehen der Alligators, möchte ich 333 Mitglieder im Verein haben. Wir stehen jetzt gerade bei 213, was einen rund 50-prozentigen Zuwachs bedeutet. Der zweite wichtige Punkt ist die Abschaffung der Pflichtstunden beziehungsweise Vereinsstunden, wie sie inzwischen heißen. Das soll drei Jahre vorher geschehen.

Jedes Mitglied ist verpflichtet 30 Stunden mitzuhelfen, zum Beispiel bei der Platzpflege oder dem Catering der Bundesligaspiele. Wie soll das abgeschafft werden?

Fried Ich möchte einfach nicht, dass es getan wird, weil es jemand machen muss. Ich will eine Umgebung schaffen, dass es den Leuten Spaß macht, sich in den Verein einzubringen und ihn nach vorne zu bringen.

Was ist es denn, das den Verein nach vorne bringt?

Fried Entscheidend ist eine klare Abhebung von anderen Sportvereinen. Um das zu schaffen, wollen wir den Punkt der sozialen Verantwortung viel stärker spielen. Schon in dieser Saison starten wir ein Projekt. Es fängt damit an, dass Personen mit Organspendeausweis während der gesamten Spielzeit freien Eintritt haben werden. Außerdem wollen wir die Möglichkeit schaffen, während eines Bundesligaspiels unkompliziert eine Knochenmark-Typisierung durchzuführen. Mit solchen Projekten können sich Sponsoren sicher auch identifizieren, was uns letztlich attraktiver macht.

Außerdem soll der Verein in der Stadt wieder präsenter sein.

Fried So ist es. Wir wollen versuchen beim Zöppkesmarkt, Dürpelfest und Karneval dabei sein, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch diese Faktoren sorgen hoffentlich dafür, dass wir einen Mitgliederzuwachs erhalten. Diese können freilich nicht alle aktiv sein, dafür reichen die Kapazitäten am Platz gar nicht aus. Es geht dabei auch um passive Mitglieder und Förderer.

Wie wollen Sie die daraus gewonnenen Mittel nutzen?

Fried Unser größtes Defizit ist, dass die Arbeit bei uns auf zu wenige Schultern verteilt ist. Wir brauchen dringend jemanden, der sich hauptberuflich nur um Baseball kümmert - vorrangig im sportlichen Bereich. So jemanden müssen wir uns natürlich leisten können.

Im Nachwuchsbereich agieren zum Beispiel die Regensburg Legionäre mit einem Sportinternat und gewinnen dadurch viele Talente für sich. Ist so etwas auch in Solingen denkbar?

Fried Nach aktuellem Stand ist ein Internat bei unserer Infrastruktur noch undenkbar. Auch aufgrund solcher Vergleiche fehlt bei uns im Verein ein wenig Selbstbewusstsein, für das, was wir im Nachwuchsbereich dennoch erreicht haben. Wir haben zwei Deutsche Meisterschaften in den vergangenen drei Jahren gewonnen. Das spricht für unsere Jugendarbeit. Nüchtern betrachtet können wir mithalten, indem wir zum Beispiel Praktikums- und Ausbildungsplätze für unsere Talente vermitteln. Über das Netzwerk verfügen wir, die Unterstützung ist gewaltig - auch durch Sponsoren. Nur gilt es, das auch zu nutzen.

Im Bereich der Jugendtrainer fehlt derzeit ein wenig Konstanz.

Fried Das stimmt leider. Durch den Wegfall von Mehmet Alkan sind natürlich Lücken entstanden. Auch dafür wäre die Einstellung des bereits vorher erwähnten festen Mitarbeiters hilfreich. Kurzfristig werden wir die entstandenen Lücken aber durch unsere Importspieler aus der Bundesliga auffangen können, die seit jeher fester Bestandteil unserer Nachwuchsförderung sind. Tanner Leighton wird sich in dieser Saison um die Juniorenmannschaft kümmern, was sicherstellt, dass die Jungs von unseren Besten lernen.

Apropos Bundesliga: Das Team ist das Aushängeschild des Vereins und durch seinen Erfolg auch ein Repräsentant der Stadt. Sieht es da nicht merkwürdig aus, wenn ein Testspiel in Mannheim aufgrund von Personalmangel abgesagt werden muss?

Fried Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir noch Luft nach oben bei der Kommunikation haben. Man kann darüber diskutieren, ob man einen solchen Termin überhaupt vereinbaren darf, denn es war ja klar, dass unsere ausländischen Spieler zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung stehen. Dazu befinden sich einige unserer Baseballer im Schichtdienst. Dann müssen nur ein paar Verletzungen oder Krankheiten dazu kommen, und schon können wir nicht antreten.

Verletzt ist derzeit Julian Steinberg, dem eine Operation am Knie und ein entsprechend langer Ausfall bevorsteht. Als Catcher besetzt er eine Schlüsselposition, die intern kaum geschlossen werden kann. Werden Sie reagieren?

Fried Den Ausfall eines Nationalspielers auf einer Schlüsselposition, wie den von Julian Steinberg, werden wir nie intern auffangen können. Momentan gehen wir davon aus, dass Julian irgendwann im Mai wieder "hinter der Platte" steht, und dass wir in der heißen Phase dann wieder voll auf ihn zählen können. Die Situation wäre jetzt vielleicht nur halb so schlimm, wenn Kai Gronauer sich im Herbst mal mit uns zusammengesetzt hätte. So werden wir nun versuchen, die ersten Wochen der Saison mit dem bestehenden Kader zu überbrücken - sollte sich eine machbare Alternative ergeben, würden wir hier früher oder später aktiv werden.

THOMAS RADEMACHER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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