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HSV Gräfrath vergrätzt Mäzen Kölker

Handball: HSV Gräfrath vergrätzt Mäzen Kölker
Michael Kölker will nicht mehr mit dem HSV arbeiten. FOTO: Mit (Archiv)
Solingen. Der Hauptsponsor will mit dem Klub nicht mehr zusammenarbeiten. Den Drittliga-Handballerinnen droht so das Aus. Von Georg Amend

Sportlich läuft es alles andere als rund für die Drittliga-Handballerinen des HSV Gräfrath. Doch weit schwerer könnte für den Tabellendrittletzten die Entscheidung der Vereinsmitglieder wiegen, den Vertrag mit der Unternehmergesellschaft (UG) zu kündigen. Als Grund dafür steht die Ablehnung gegenüber dem Einfluss des Sponsors und Gesellschafters Michael Kölker im Raum - der aber den Profihandball im HSV größtenteils finanziell erst möglich macht.

Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigt sich der Mäzen mehr als nur irritiert: "Das ist nicht ganz schön. Zumal ich eine Woche zuvor noch ein Gespräch mit dem ersten Vorsitzenden, dem Geschäftsführer und dem Rechtsanwalt des HSV hatte, in dem wir ein Konzept entwickelt haben, dass wir weiter so zusammenarbeiten." Der Vorsitzende Stefan Clauberg sagt unserer Redaktion dazu: "Ja und nein. Michael Kölker hätte bei diesem Konzept mehr Kompetenzen erhalten. Er hat jetzt 49 Prozent der Stimmanteile, der HSV 51. Nach dem neuen Konzept hätte er mehr gehabt."

Kölker wiederum fand folgendes "schlimm": "In der Mitteilung über diese Entscheidung steht ,einstimmig'. Das heißt, dass Vorsitzender und Geschäftsführer dabei waren. Das verstehe ich nach unserem Gespräch nicht. Aber das müssen sie selber wissen. Sie sind alt genug." Clauberg erklärt: "Einstimmig von den Mitgliedern. Ich bin kein Mitglied und deswegen auch nicht stimmberechtigt."

In jedem Fall war der Hauptsponsor ob der Entscheidung der Mitglieder vergrätzt. Aus dieser Stimmungslage heraus soll Kölker den Einsatz der Spielerinnen Kamila Caluzynska und Julia Schumacher beim Spiel am Sonntag bei Bayer Leverkusen II untersagt haben. "Das stimmt, das habe ich", gibt der UG-Vorsitzende unumwunden zu. "Wenn Sie so einen vor den Bauch kriegen, sind Sie erstmal sauer. Ich tue das alles ja auch für Kamila und Julia. Sie sind tief in meinem Herzen drin. Und dann lese ich, dass sie angeblich davon abgelenkt gewesen seien. Die Spielerinnen haben mir aber gesagt, dass das alles Quatsch sei."

Für Kölker steht fest, dass er "auf keinen Fall" weiter mit dem Klub zusammenarbeiten möchte. "So etwas wie den HSV habe ich noch nicht erlebt. Die sind beratungsresistent. Die Umstände sind unschön aus meiner Sicht. Mir ist die Mannschaft einfach wichtig, nicht der Verein. Es gibt viele Mädels, die ich ins Herz geschlossen habe. Aber wie es mit dem HSV weitergeht oder ob in China ein Sack Reis umfällt, ist für mich gleich."

Für den Profihandball im Klub sieht er als letzte Chance: "Es könnte nur noch das Wunder geschehen, dass der HSV die Spielberechtigung für die Dritte Liga auf mich überträgt", sagt Kölker. Clauberg verneint das: "Der HSV ist der Lizenzinhaber, und eine Lizenz kann weder übergeben noch verkauft werden. Nur ein Verein kann eine Lizenz in Anspruch nehmen." Also keine Einzelperson. Kölker betont aber: "Mit dem HSV noch etwas zusammen zu machen, geht für mich nicht mehr. Wir müssen überlegen: Was tun wir jetzt? Meine bevorzugte Lösung ist: Wenn wir uns schon trennen, soll der HSV das Sportliche übernehmen und ich komme meinen Verpflichtungen nach."

Das heiße aber nicht, dass der HSV in der nächsten Saison weiter in der Dritten Liga spielen könne. Denn ohne den finanziellen Aufwand, den der Mäzen betreibt, wird es nicht für diese Spielklasse reichen. "Das haben der Vorsitzende und der Geschäftsführer mir auch genau so gesagt", berichtet Kölker. "Dass sie die Liga ohne mich nicht halten können." Clauberg meint dazu: "Es stimmt, dass man eine erste Damen-Mannschaft in der Dritten Liga nicht ohne einen Sponsor halten kann. Allein mit Reisekosten und Kosten für den Deutschen Handball-Bund fallen circa 20.000 Euro an, und da sind Trainer und Spielerinnen noch gar nicht enthalten. Das kann der HSV ohne Sponsoren nicht."

Wie es weitergeht, steht in den Sternen. "Diese Saison ist vom Grundsatz her gesichert. Und dann kommt es darauf an, wie man sich einigt", betont Kölker, der außerdem zu beachten gibt, dass der genannte Termin für die Kündigung des Lizenzvertrages, der 31. Dezember, nicht zu halten sei, weil "es eine Kündigungsfrist von sechs Monaten" einzuhalten gebe.

Quelle: RP
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