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Schach
Jetzt wird die Schachgesellschaft gejagt

Schach: Jetzt wird die Schachgesellschaft gejagt
Warten auf den ersten Einsatz: Anish Giri, Spitzenspieler der SG, konnte in der Vorsaison nicht ans Brett. FOTO: Imago (Archiv)
Solingen. Rekordmeister Baden-Baden hat wegen des Solinger Titelgewinns aufgerüstet. Das freut Teamchef Herbert Scheidt. Von Thomas Rademacher

Zehn Mal in Folge war die OSG Baden-Baden Deutscher Schachmeister. Doch in der vergangenen Saison schnappte die SG Solingen dem Abonnement-Champion den Titel weg. Eine Leistung, die Teamchef Herbert Scheidt noch immer mit Stolz erfüllt. Ob das Kunststück in der am Samstag beginnenden Saison erneut gelingt, ist aber mehr als fraglich.

Denn die OSG Baden-Baden möchte sich mit dem Verlust ihrer Vormachtstellung offenbar nicht anfreunden. Der Klub rüstete auf, und hat nun die Nummern zwei, drei, vier und acht der Weltrangliste in seinen Reihen. Fabiano Caruana (3) und Maxime Vachier-Lagrave (4) sind neu hinzugekommen. Levon Aronian (5) und Viswantahn Anand (8) waren in der vorigen Saison bereits im Kader. "Wenn Baden-Baden mit seiner ersten Acht antritt, haben sie einen ELO-Schnitt von 2764 Punkten", erläutert Scheidt. Zum Vergleich: Die Solinger sind mit einem 2684er Durchschnitt bei ihren besten acht Spielern Dritter der Liga, einen Zähler hinter dem SK Schwäbisch Hall.

Die ELO-Zahl gibt Auskunft über die Stärke eines Schachspielers, je höher desto besser. 80 Punkte sind in diesen Spitzenregionen schon ein gewaltiger Unterschied. Dass Baden-Baden mit der ersten Acht antritt, ist auf Dauer unwahrscheinlich, doch die Bedrohung ist da, speziell, wenn am letzten Spieltag in Berlin die Solinger als amtierender auf den entthronten Meister treffen. "Bis dahin kann es natürlich sein, dass jemand Punkte lässt", weiß Scheidt. Die Schachgesellschaft gehört zu den besten Teams der Liga, eine dominante Vormachtstellung ist aber gegen viele andere Teams des Oberhauses nicht zu erwarten.

Zum Auftakt trifft die SG in der Solinger Sparkasse am Samstag auf die Schachfreunde Berlin und am Sonntag auf den SK König Tegel. Letzterer ist Aufsteiger und deshalb nicht so gefährlich. "Das sollten wir schon schaffen, aber gegen die Schachfreunde müssen wir aufpassen." Denn der Tabellenfünfte 2015/16 hat sich mit einem ehemaligen Weltmeister verstärkt. Veselin Topalov spielt dort am Spitzenbrett. Scheidt weiß, dass er eine gute Aufstellung benötigt, um die Hauptstädter in die Knie zu zwingen.

Das Solinger Aufgebot hat sich kaum verändert. Spitzenspieler Anish Giri, der in der vergangenen Saison aufgrund von terminlichen Problemen nicht ein Mal für die SG angetreten war, befindet sich immer noch im Kader. Und die Akteure, die den Titelgewinn mit ihren Erfolgen an der Spitze sichergestellt haben, sind ebenfalls geblieben. Es waren insbesondere Pentala Harikrishna und Richard Rapport, die überragend spielten. Dahinter sind die Punktegaranten Markus Ragger und Robin van Kampen ebenfalls geblieben. Neu im Kader ist Borki Predojevic. Der bosnische Großmeister ist über Ragger und Rapport, mit denen er in Österreich im selben Team spielt, an die SG vermittelt worden. "Das ist ein Guter und Netter", freut sich Scheidt auf den Zugang.

Wer am Wochenende am Brett für die Klingenstädter sitzt, will der Teamchef freilich nicht verraten. "Das würde den Berlinern helfen", bittet Scheidt um Entschuldigung. Immerhin lässt er sich entlocken, dass Harikrishna und Rapport an Bord sind. Ein gutes Vorzeichen für die Solinger, denn beide haben in der Vorsaison nicht eine Partie verloren. Rapport ist sogar während seiner gesamten Bundesliga-Karriere noch ungeschlagen.

"Es wird eine harte Saison", meint Scheidt. "Wir sind jetzt die Gejagten." Eine Verteidigung des Titels wäre angesichts der Aufrüstung seitens des Hauptkonkurrenten eine Sensation. "Aber Zweiter oder Dritter wollen wir werden. Es macht uns auch ein wenig stolz, dass sich die OSG noch mal so enorm verstärkt, weil wir die Meisterschaft gewonnen haben."

Quelle: RP
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