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Fechten
Kim Treudt-Gösser kämpft für ihre Träume

Fechten: Kim Treudt-Gösser kämpft für ihre Träume
Ein erfolgreiches Duo: WMTV-Fechterin Kim Treudt-Gösser und ihr Trainer Sascha Tykhomyrov. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Die 16-jährige Solinger Degenfechterin des WMTV hat eine sehr gute Saison hinter sich. Der Erfolg hat mehrere Väter. Von Georg Amend

Kim Treudt-Gösser hat in diesem Jahr ihren Traum verpasst. Eine Medaille bei einem großen Turnier sollte es sein, doch bei der Europameisterschaft wurde die Degenfechterin des WMTV 13., bei der Weltmeisterschaft Achte. Was auf den ersten Blick nach einer Enttäuschung klingt, ist jedoch die Bestätigung ihrer Ausnahmestellung im Fechtsport der Klingenstadt. Die 16-Jährige hat zwar keine der erträumten Medaillen erreicht, aber ihre Platzierungen zeigen, dass sie zur Weltspitze in ihrem Alter zählt. Mitleid ist hier fehl am Platz.

Ärger ist aber durchaus verständlich. Mit Blick auf ihr Ausscheiden bei der WM in Taschkent (Usbekistan), als sie trotz einer 11:10-Führung im letzten Gefechtsdrittel in der Runde der letzten acht denkbar knapp mit 13:15 an der Ukrainerin Alle Gryschyk scheiterte, sagt Treudt-Gösser: "Ich habe mich schon geärgert. Ich lag ja die ganze Zeit vorne. Am Ende hat es aber nicht geklappt. Das ist ärgerlich, weil ich ganz nah an Bronze war." Und damit an ihrem Traum.

Dennoch gibt es keinen Grund, betrübt zu sein. Ihr Trainer Sascha Tykhomyrov erklärt: "Der achte Platz ist eine gute Platzierung. Kim hat sehr schnell gefochten, das war mit das beste Fechten bei der WM. Sie hat ganz klasse gekämpft - vor allem gegen sich selbst. Das war nicht einer der besten Tage, wo alles klappt, aber sie hat mit viel Technik und Taktik diesen guten Platz geholt." Generell findet er: "Das ist noch ein Beweis, dass sie zur Weltspitze gehört - ein weiterer Beweis dafür ist, dass sie die Saison als Dritte der europäischen Rangliste der Kadetten abgeschlossen hat." Dazu muss man wissen: Die europäische ist gleichbedeutend mit der Weltrangliste, da der Weltverband kein solches Ranking führt. Und dazu: Treudt-Gösser wurde Dritte mit nur vier Ergebnissen, sie hätte sechs einbringen können, hat aber nur vier Mal gefochten. Sie hätte also noch weitaus höher platziert sein können.

Für diese Erfolge gibt es viele Gründe, doch vor allem die Friedrich-Albert-Lange-Schule (FALS) mit ihren wunderbaren Trainingsbedingungen ist dafür verantwortlich. Laut Tykhomyrov habe zum Beispiel keine andere Sportschule eine eigene Fechthalle, in der die Sensoren für die Treffer bereits in den Wänden vorinstalliert sind. Und angeführt von Rektor Peter Wirtz und Leistungssportbeauftragtem Daniel Certa hat Solingen ein kompetentes und engagiertes Team von Sportlehrern, -koordinatoren, Trainern und Physiotherapeuten. Die Struktur der FALS ermöglicht es Athleten, Schule und Sport bestens zu vereinen, ohne eins von beidem zu vernachlässigen. "Das ist eine Optimallösung", sagt Treudt-Gösser, die pro Woche drei Mal zwei Stunden im Verein und zwei Mal eine Stunde in der Schule trainieren kann. Vor Wettkämpfen kommen noch Sonderschichten im Leistungsstützpunkt des Rheinischen und Deutschen Fechter-Bundes in Bonn hinzu, wo sich die 16-Jährige mit den Top-Leuten des Landes messen kann. Um dort möglichst problemlos hinzukommen, hat sie eine Sondergenehmigung erhalten, um bereits in ihrem Alter den Führerschein machen zu können.

"Das reicht schon, gegen die Aktiven in Bonn zu fechten, das bringt mich schon weiter", berichtet Treudt-Gösser. "Der Unterschied ist vor allem die Erfahrung - ich verliere ja auch nicht immer", sagt sie lächelnd. "Das ist schon ausgeglichen. Aber die Aktiven haben einfach viel mehr Turniererfahrung." Und die hilft ihr. All das brächte ihr aber nichts ohne die Strukturen der FALS und ihres Vereins. Denn nur, wo die Basis stimmt, kann sich Erfolg einstellen. "Es sind so viele Leute, die sich engagieren", sagt Tykhomyrov. Und der 55-jährige Ukrainer betont: "Entscheidend für das erfolgreiche Fechten von Kim ist auch unsere ganze Gruppe von 33 Mädchen, von Anfängern bis zu den Aktiven. Ohne die wäre es unmöglich, Ergebnisse zu holen. Und wir haben ja auch ganz viele erfolgreiche Fechter", ergänzt Tykhomyrov und nennt unter anderem Merit Erkens oder Lisa-Marie Lohr als Beispiele.

Kim Treudt-Gösser ist aber das Aushängeschild des WMTV und des Fechtsports in der Klingenstadt. Und dass sie in dieser Saison ihre erträumten Medaillen verpasst hat, heißt nicht, dass es das war: "Olympia ist schon ein Ziel - wenn alles gut läuft", sagt sie. Und um Träume muss man kämpfen - wer wüsste das besser als eine Fechterin?

Quelle: RP
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