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Fechten
Kindel holt die letzten Fecht-Medaillen des WMTV

Fechten: Kindel holt die letzten Fecht-Medaillen des WMTV
Klare Ansagen: WMTV-Fechterin Janina Amuser lauscht Trainer Oleksandr "Sascha" Tykhomyrov. FOTO: Köhlen Stephan
Solingen. Mit Bronze im Einzel und Gold in der Mannschaft gehen die Deutschen B-Jugend-Meisterschaften im Damendegen zu Ende. Von Georg Amend

Solche Fragen hat Oleksandr "Sascha" Tykhomyrov in seiner langen und glanzvollen Karriere noch nicht allzu oft gehört: "Habt ihr einen Besen? Die Planche ist so staubig", fragt ein Kampfrichter. Der Fechttrainer schaut ungläubig, brummt, hebt die mächtigen Schultern, lässt sie wieder fallen. Das ist nun wirklich nicht sein Metier, und Tykhomyrov hat gerade andere Gedanken, denn immerhin steht sein Schützling, Rabea Kindel vom ausrichtenden Wald-Merscheider TV, gerade bereit für das Halbfinale im Jahrgang 2002 gegen Kerstin Greul vom TSF Ditzingen. Besen? Tykhomyrov denkt bei den Deutschen B-Jugendmeisterschaften der Damen nur an Degen.

Als Ansprechpartner für das Reinigungsutensil dient dann Markus Adams, zweiter Vorsitzender des WMTV. Kurz darauf sind zwei Besen da, es kann gefegt werden. "Rabea", ruft Tykhomyrov und wedelt mit der Hand - die Fechterin soll zur Seite gehen, um nicht den ganzen Staub abzukriegen. Sie gehorcht sofort. Dann geht die Titelverteidigerin auf die Planche, schnell führt sie 2:0 und 3:1. Doch in den ersten drei Minuten kann sie nicht die erforderlichen zehn Treffer für einen Sieg landen, Tykhomyrov wird trotz einer 9:7-Führung unruhig, sieht das Unheil kommen. "Die Beine zurück, schneller", ruft er aus der ersten Zuschauerreihe hinein - es hilft nicht, Kindel kassiert den Treffer zum 8:9. "Nicht nach unten, bleib groß!" - das 9:9 kann auch das nicht verhindern, es geht in die zweiten drei Minuten, ein Treffer entscheidet. Und den setzt nach 34 Sekunden nicht die Solingerin, sondern Greul, die sich mit einem lauten Schrei über den Finaleinzug freut. Kindel bleibt so der Bronzerang.

WMTV-Fechterin Rabea Kindel (rechts) unterlag im Halbfinale Kerstin Greul vom TSF Ditzingen, holte im Teamwettbewerb aber Gold. FOTO: Stephan Köhlen

Tykhomyrovs Trainer-Partner Dirk Schiffler analysiert: "Vielleicht hat Rabea am Ende die Kraft gefehlt. Sie wollte es vielleicht deswegen schnell zu Ende bringen - zu schnell." Aber der Projektleiter Fechten an der NRW-Sportschule FALS ist in der Sporthalle an der Wittkuller Straße nicht unzufrieden: "Einen Titel zu verteidigen, ist immer schwer. Es ist doch schön, dass wir eine Einzelmedaille haben. Das ist immer das Ziel bei Heim-Wettkämpfen, aber es kann auch passieren, dass man bei einem Heimkampf gar keine Medaille holt."

Eine zweite war in Reichweite, doch Elena Kirschner (WMTV) hatte ihr Viertelfinalgefecht gegen Greul mit 3:10 genauso verloren wie Janina Amuser (WMTV, Jahrgang 2003) ihr Viertelfinale gegen Sarah-Lisa Toumi (Düsseldorfer FV). Dieses Gefecht verlief ganz knapp mit 8:10, so dass die Solingerin nachher bittere Tränen weinte. Da zeigte Tykhomyrov seine andere, nicht-brummige Seite - er tröstete seinen Schützling auf der Bank.

Tags darauf war die Freude bei den Klingenstädtern aber wieder da, denn Kindel und Kirschner sorgten mit dem Team Nordrhein für die Goldmedaille. Im Finale zeigte sich das WMTV-Duo im Team-Quartett nervenstark und besiegte Württemberg mit 45:42. Team Nordrhein II mit Amuser und Helen Schröder vom Solinger Turnerbund wurde Sechste, Nordrhein III mit Maike Schicker (WMTV) kam auf Rang 13.

Mit Mannschaftsgold und Einzel-Bronze verabschieden sich also die Wald-Merscheider von der großen Fechtbühne, die sie mit der FALS im Nachwuchsbereich in Deutschland in den vergangenen Jahren mitregiert haben. Dem stellvertretenden Abteilungsleiter Adams geht das sichtlich nahe, eine Ära von 30 Jahren ist am Sonntag zu Ende gegangen. Er versucht herauszustellen, dass er und sein Klub zufrieden mit der Ausrichtung und dem Abschneiden bei diesen Deutschen Meisterschaften ist, doch er betont auch erneut, dass es "die FALS ohne die Fecht-Abteilung des WMTV gar nicht gegeben" hätte. So bleibt, wie so oft bei einem Abschied, ein fader Beigeschmack, den kein Besen wegwischen kann.

Quelle: RP
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