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Ehrung Solinger Sport 2015/16
Majlen Müller muss einen Gang zurückschalten

Ehrung Solinger Sport 2015/16: Majlen Müller muss einen Gang zurückschalten
Schlammige Bedingungen sind für Mountainbike-Fahrer kein Hindernis. Majlen Müller kommen sie sogar entgegen - so gewann sie am Wochenende den NRW-Cup in Haltern. FOTO: Stephan Köhlen (Archiv)
Solingen. In drei Ausgaben stellen wir die Top Drei der Nominierten zur Ehrung unserer Redaktion vor. Heute machen die Sportlerinnen den Auftakt. Von Thomas Rademacher

Der Radsport war Majlen Müllers Leben. Die 21-Jährige hatte alles auf Mountainbikerennen auslegt. Doch dies gehört inzwischen nahezu der Vergangenheit an. "Ich habe mich nicht zurückgezogen, aber die Zeiten, in denen ich Mountainbike als Hochleistungssport betrieben habe, sind vorbei", erläutert die Fahrerin von Velo Solingen. Ausgesucht hat sich Müller diese Veränderung nicht. Vielmehr wurde sie Ende 2015 dazu gezwungen, weil sie trotz ihrer Erfolge aus dem U 23-Nationalkader gestrichen wurde.

"Das hat mich schon überraschend getroffen, weil die Ergebnisse 2015 stimmten", sagt Müller. Sie gewann die Silbermedaille in der U 23-Altersklasse bei der Deutschen Meisterschaft in der olympischen Cross-Country-Disziplin. Ebenfalls Silber sicherte sie sich im etwas exotischeren Sprint - diese Medaille gewann die Wuppertalerin sogar in der Elite-Klasse. "Der Sprint hat mit dem Nationalkader nichts zu tun, aber auch sonst passte es 2015 bei mir. Ich kann die Entscheidung nach wie vor nicht nachvollziehen." Die sympathische Sportlerin ist deshalb ein wenig verbittert und prangert generelle Strukturen an: "Es wird nicht offen darüber gesprochen, aber es fällt schon ein bisschen auf, dass Fahrer aus Süddeutschland bevorzugt werden".

So endete das Jahr 2015 für Majlen Müller nicht positiv. Nicht nur die Kaderstreichung, sondern auch ihre Gesundheit machten ihr Probleme. Von einem Etappenrennen in Israel kehrte die Mountainbikerin erkrankt zurück. "Hier wurde eine Mandelentzündung diagnostiziert, aber meine Beschwerden wollten einfach nicht weggehen." Nach einem Ärztemarathon stellte sich heraus, dass Müllers Probleme aufgrund der Kombination von vielen Kleinigkeiten entstanden sind. "Meine Halswirbelsäule ist nicht ganz normal, ich habe zu große Schwellkörper in der Nase und außerdem Allergien", erläutert die 21-Jährige. "Inzwischen geht es mir wieder besser, aber am Anfang hat es mich im Training und im Rennen immer noch stark beeinflusst." So konnte sie sich im Winter auch nicht so intensiv auf die Saison vorbereiten wie in der Vergangenheit.

Nach all diesen Strapazen sandte die Sportlerin nun am Wochenende wieder ein gutes Zeichen: Beim NRW-Cup in Haltern, wo auch die NRW-Landesmeisterschaften ausgetragen wurden, fuhr sie in überzeugender Manier ins Meistertrikot der Elite-Damen im Cross-Country. Es war gleichzeitig der dritte Lauf im NRW-Cup, den Müller für sich entscheiden konnte. Die schlammigen Bedingungen kamen ihr zugute, so dass sie von Beginn an ein gutes Gefühl hatte und mit Tempo durchziehen konnte.

All das bringt Majlen Müller auch zu dieser Einschätzung: "Ich bin weit weg davon, mit dem Radsport aufzuhören, aber klar war die Motivation zwischendurch mal nicht so hoch", sagt sie. "Das Mountainbike wird immer ein Teil meines Lebens bleiben, auch wenn ich vom Hochleistungs- zum Leistungssport gewechselt bin." In ihrem Team, den Fujibike-Rockets, fährt sie weiterhin. Bei der in drei Wochen stattfindenden Deutschen Meisterschaft ist sie ebenfalls dabei. "Da wird es aber wohl nicht um Medaillen gehen, sondern um ein für mich aus persönlicher Sicht gutes Ergebnis." Sprintrennen möchte sie ebenfalls weiterhin bestreiten, auch wenn diese nicht olympisch sind. "Leider ist der Sprint auch aus dem Weltcup genommen worden, ich musste also eher einen Rückschlag verkraften." Dennoch: Es gibt Bestrebungen, Mountainbike-Rennen in die Städte zu bekommen, um sie attraktiver für das Publikum zu machen. "Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln."

In Müllers Leben dreht sich nicht mehr alles um ihre Leistungen auf dem Fahrrad. "Mein Fokus liegt auf dem Studium." Die Velo-Fahrerin möchte im kommenden Semester mit Sport auf Lehramt beginnen. Angenommen ist sie noch nicht, doch den Eignungstest hat sie bereits bestanden. "Das war auch eine große Herausforderung, die ganzen anderen Sportarten zu lernen. Aber es hat gut geklappt", freut sie sich. Außerdem leitet Müller inzwischen im Verein ein Kindertraining. "Das sind Dinge, die mir Spaß machen, die ich aber früher nie machen konnte, weil ich mich auf mein eigenes Training konzentrieren musste." In dieses kommt in jüngster Vergangenheit zwar immer mehr Struktur herein, doch ganz so intensiv wie in den den vorigen Jahren, wird es wohl nicht mehr.

Aber wer weiß? Vielleicht kann Majlen Müller ja doch noch mal irgendwann wieder ganz oben angreifen.

Quelle: RP
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