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Ehrung Solinger Sport 2015/16
Mit Vollgas an der Volleyball-Seitenlinie

Solingen. Nach einer fast perfekten Saison und dem Meistertitel in der 2. Liga trennten sich die Wege. Von Sonja Bick

Das Telefon von Bernd Werscheck klingelte in den vergangenen Wochen ein wenig häufiger als gewöhnlich. In der Volleyball-Szene spricht es sich schnell herum, wenn ein erfahrener Trainer kein Engagement bei einem Verein mehr hat. So wurden nach der Bekanntgabe der Trennung von den Volleys vor gut einem Monat einige Anfragen an ihn herangetragen. "Ich habe aber alle abgelehnt", sagt der 55-Jährige. "Es bleibt dabei, dass ich gerne in Solingen Trainer geblieben wäre - allerdings nur hauptamtlich. Da das aus finanziellen Gründen für den Verein nicht machbar ist, werde ich mich nun erstmal um meine Beachvolleyball-Firma VolleyScheck kümmern."

Wichtig ist es Bernd Werscheck aber zu betonen, dass die Trennung mit dem Neu-Erstligisten einvernehmlich verlaufen sei: "Ich bin nicht im Bösen gegangen, es war eine ganz faire Geschichte." So wolle er auch so oft es geht in der Halle dabei sein, wenn "seine Jungs" in der ersten Bundesliga antreten.

Gut drei Monate ist es mittlerweile her, dass die Solingen Volleys den Meistertitel in der 2. Bundesliga Nord perfekt gemacht haben. "Es war eine tolle Saison, und letztendlich haben wir souverän Platz eins geholt", blickt Werscheck zurück. "Allerdings war es gar nicht so einfach, weil es ein Meistertitel mit Ansage war. Deshalb bin ich schon sehr stolz." Mit evivo Düren feierte Bernd Werscheck bereits Deutsche Vize-Meisterschaften sowie den Einzug in die Champions League. Zwei Mal - 1993 mit den Damen des TV Creglingen und 2011 mit dem VC Mendig - holte er den Meistertitel in der 2. Bundesliga. Zudem führte er das Beachvolleyball-Duo Susanne Lahme und Danja Müsch bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen als Coach bis ins Achtelfinale. Auch wenn er dies als Highlight seiner Trainerlaufbahn bezeichnet, wird er das zweijährige und überaus erfolgreiche Gastspiel in Solingen immer positiv in Erinnerung behalten: "Es war eine tolle Mannschaft, eine tolle Geschichte. Hier hat sich etwas entwickelt, und der Traum von der Ersten Liga wurde erfüllt - das krönt das Ganze und ist eine super Sache für Solingen."

An diesem Erfolg hat der Trainer, der in Ahrweiler wohnt, einen großen Anteil. Zum einen menschlich. So konnte man an den Spieltagen immer wieder beobachten, dass er einen guten Draht zu seinen Spielern hat - egal ob Nachwuchstalent oder Führungsspieler. Musste ein Leistungsträger ersetzt werden, gab er den Jungen ein gutes Gefühl. Ob Maximilian Ströbl oder Tom-Julius Werscheck - sie überzeugten und hatten einen demensprechend großen Anteil am Erfolg. Zum anderen kann der Trainer auf sein Fachwissen und seine langjährige Erfahrung setzen.

Dass er deshalb allerdings ein ruhiger Vertreter an der Seitenlinie wäre, kann man keineswegs behaupten. Der 55-Jährige sitzt kaum eine Sekunde, ist immer in Bewegung - er motiviert, feuert an, baut auf und teilt den Schiedsrichtern lautstark mit, wenn er mit ihren Entscheidungen nicht einverstanden ist - alles aber auf eine faire und nie ausfallende Art und Weise. "Egal ob im Training oder im Spiel: Bernd ist ein Vollgas-Trainer", sagt Co-Trainer und Kapitän Oliver Gies über den Headcoach, mit dem er zwei Jahre in Solingen ein perfektes Trainergespann bildete. "Er hat uns toll zusammengehalten und unsere individuellen Stärken gut im Team vereint." So wird er nicht nur den Spielern positiv in Erinnerung bleiben, sondern auch Vereinsverantwortlichen und Fans. Denn als erster Meistertrainer hat er sich einen festen Platz in der Volleys-Geschichte gesichert.

Quelle: RP
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