| 14.13 Uhr

Handball
Offensive Magerkost

Der Bergische HC verlängerte seine kleine Erfolgsserie zwar auf drei Siege. Doch geglänzt hat der Tabellendritte in einer kampfbetonten Zweitliga-Partie gegen den abstiegsbedrohten TuSEM Essen (24:22) nicht. Erst im Schlussspurt demonstrierten die Löwen ihre Überlegenheit. Von Guido Radtke

Mit dem unbekümmerten und leidenschaftlichen Handball hatte der Bergische HC seine Schwierigkeiten. Diese waren derart groß und offensichtlich, dass sich der Tabellendritte im Derby der 2. Handball-Bundesliga Süd gegen den abstiegsbedrohten TuSEM Essen neun Minuten vor Schluss fast schon damit abgefunden hatte, sein zweites Heimspiel in dieser Saison zu verlieren. Als Martin Wozniak für den Traditionsklub in Unterzahl zum 22:20 traf und Jens Reinarz auf der Gegenseite mit seinem Siebenmeter an Jan Kulhanek scheiterte, schienen sich die Löwen festgefahren zu haben.

Ha De Schmitz hatte schon einen Tag zuvor beim Abschlusstraining ein komisches Gefühl gehabt. "Ich habe gesehen, dass die Jungs nicht voll konzentriert waren." Also hat der BHC-Trainer ganz tief in die Trickkiste gegriffen, um zu verhindern, dass sich dies beim Anpfiff fortsetzen würde. Schmitz beorderte eine Anfangsformation auf das Feld, die unter seiner Leitung so noch nie begonnen hatte. Dass Sebastian Aschenbroich nach erledigter Abwehrarbeit Arthur Giela den Offensivpart auf der Spielmacher-Position überließ, war die mutigste Entscheidung schlechthin.

Belohnung für Trainingsleistung

"Er trainiert super. Und irgendwann muss er ja die Möglichkeit bekommen, das auch im Spiel zu zeigen", sagt Ha De Schmitz. Am Anfang sei das einfacher als in der 50. Minute. "Dann würde er anfangen zu zittern." Gleichzeitig hatte der Trainerfuchs mit Gielas Einsatz aber auch an der Konzentrationsschraube drehen wollen, "indem ich mal etwas Besonderes mache, so dass die Anderen anfangen zu überlegen." Sein Konzept ist zumindest in der Defensive aufgegangen. "Leider haben wir im Angriff die spielerische Leichtigkeit der beiden vergangenen Wochen nie auf die Platte bekommen." Als Folge dessen wechselte Ha De Schmitz munter durch, bis er einmal das Personal nahezu komplett ausgetauscht hatte. So entwickelte sich eines der unter den Handballern ungeliebten "Schweinespiele", in denen die Abwehrreihen die harte Gangart vorgeben.

Abgesehen von einem vierminütigen Zwischenspurt, als die Bergischen einen 12:14-Rückstand in eine 16:15-Führung (43.) verwandelten, war die offensive Magerkost von Zweikämpfen und weniger von Zusammenspiel geprägt. Der Auftritt wurde erst ansehnlich, als TuSEM-Abwehrchef Paul Trodler mit der Roten Karte für seine dritte Zeitstrafe bedacht wurde. Auf einmal war sie da, die Konzentration und Bewegung ohne Ball beim Bergischen HC. Die Essener hatten Schwierigkeiten, die beide am Kreis aktiven Sebastian Hinze und Kristoffer Moen unter Kontrolle zu halten. Beide trafen zum 22:20 und 23:21 (57.), nachdem zuvor Jens Reinarz (2) und Jiri Vitek mit ihren Treffern in Serie den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf gestellt hatten.

Den knappen Vorsprung ließ sich der Favorit nicht mehr aus der Hand nehmen – obwohl Kenneth Klev nach einer harten Attacke von Patrick Wiencek wegen Schauspielerei zu Unrecht eine Zwei-Minuten-Strafe erhielt und Jiri Vitek per Siebenmeter die Chance vergab, das Zweitliga-Derby mit dem 24:21 zu entscheiden. Seinen Fehlwurf machte der Tscheche wett, als er in Unterzahl Matthias Gerlichs 22:23 unter Zeitspiel-Druck von Rechtsaußen beantwortete.

Quelle: RP
 
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