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Schwimmen
Pauline Paffrath lässt das Schwere leicht aussehen

Solingen. Die Synchronschwimmerin des TSV Aufderhöhe fliegt heute zur Junioren-Weltmeisterschaft ins russische Kazan. Von Georg Amend

Pauline Paffrath lächelt gerne. Es ist ein ansteckendes, gewinnendes Lächeln, ein natürliches obendrein. In ihrem Sport lässt sie das auch ständig aufblitzen, dann kaschiert es allerdings nur die große Anstrengung, die das Synchronschwimmen mit sich bringt. "Dadurch, dass es so leicht aussieht, denkt jeder, es wäre einfach", sagt die 16-Jährige vom TSV Aufderhöhe lächelnd. "Aber am Ende der Kür ist man schon immer platt." Das Schwere sei die Koordination, sich nicht nur über Wasser zu halten, sondern dabei noch exakt innerhalb der vorgegebenen Choreografie. Zudem werde ja auch bewertet, wie hoch man aus dem Wasser kommt - jeder, der schon mal versucht hat, sich ohne Abstoßen vom Boden nur mit der Kraft seiner Beine ein Stück aus dem Wasser zu hieven, dürfte wissen, wie anstrengend das gerade auf Dauer sein muss. Hinzu kommt das Luftanhalten. "Bei einer Kür von drei Minuten ist man anderthalb Minuten unter Wasser", verdeutlicht Paffrath. "Natürlich nicht am Stück", ergänzt sie, lächelnd.

Dass sie diese Leichtigkeit an sich hat, ist angesichts ihres Trainings- und Wettkampfpensums beeindruckend. Gerade erst ist sie mit der Jugend-Nationalmannschaft von der Europameisterschaft in Rijeka (Kroatien) zurückgekehrt, da ging es am vergangenen Wochenende zum Lehrgang mit dem Deutschen Schwimm Verband (DSV) nach Übach-Palenberg, heute fliegt sie zur Weltmeisterschaft nach Kazan (Russland). Erst danach gibt es Urlaub, zunächst geht es mit der ganzen Familie nach Mecklenburg-Vorpommern, von Berlin aus fliegt Pauline Paffrath dann mit einer Freundin für zehn Tage nach Mallorca.

Zunächst freut sich die Synchronschwimmerin aber auf die WM in Kazan. "Ich wollte schon immer mal nach Russland, weil die Russen im Synchronschwimmen einfach die Spitze sind", sagt die Solingerin. Während des Wettkampfes bekommt man zwar einen Eindruck von den Qualitäten der Kontrahenten, richtig viel abschauen kann sie sich aber wohl nicht: "Man guckt so ein bisschen auf die Technik. Was machen die anders als wir? Aber meistens hat man dafür nicht so die Zeit, weil man entweder selber schwimmt oder den eigenen Trainern zuhört."

Das hat bei der EM in Rijeka schon mal ganz gut geklappt, das deutsche Team schaffte es unter mehr als 20 Mannschaften ins Finale der Kombination. "Damit hatten wir nicht gerechnet", sagt Paffrath. "Deutschland war das erste Mal seit sechs Jahren wieder bei einer Jugend-EM dabei. Es geht gerade darum, Erfahrungen zu sammeln und mit neuen Trainern etwas aufzubauen. Das Finale zu erreichen, war also ein großer Erfolg." Am Ende sprang Rang elf von zwölf Finalisten heraus, in der zweiten Kategorie, der Gruppe, langte es zu Rang 14.

Für ihren Sport investiert Paffrath viel Zeit: Neben den Lehrgängen der Nationalmannschaft, die alle in Heidelberg stattfinden, trainiert sie in den ersten sechs Monaten eines Jahres, in der Wettkampfphase, zwei bis drei Stunden täglich im Wasser und ein bis zwei Stunden "an Land". Die zweite Jahreshälfte dient vor allem dem Krafttraining. In Solingen kann die TSV-Schwimmerin am Wochenende nicht trainieren, deshalb fährt sie freitags nach der Schule nach Bochum, wo sie bei ihrer Duett-Partnerin Daniela Dachtler von den Freien Schwimmern Bochum übernachtet, um dort am Wochenende zu trainieren. Sonntags geht es dann wieder heim. "Andere Hobbies kriegt man da nicht mehr unter", gibt Paffrath zu und lächelt. "Es ist schon gut, wenn die Schule läuft. Die ist da echt super und unterstützt mich ganz toll. Ich kann zum Beispiel meine Klausuren auch in Heidelberg schreiben." Pfuschen geht da auch trotz der Distanz nicht. "Da gibt es ein Internat, wo ich mit anderen Schülern zusammengesetzt und beaufsichtigt werde."

Zum Synchronschwimmen ist Paffrath fast schon nebenbei gekommen. "Ich habe früher beim TSV normales Bahnschwimmen gemacht", erinnert sie sich. "Die Schwester einer Freundin hat Synchronschwimmen gemacht. Wir haben das immer gesehen und wollten das auch machen, also sind wir von uns aus dahin. Meine Eltern wussten das gar nicht, ich habe das einfach gemacht."

Geschadet hat ihr diese Entscheidung aus dem Jahr 2007 nicht. Wie es weitergeht, will sie auf sich zukommen lassen. "Dieses Jahr ist ja gar kein deutsches Team bei Olympia dabei", erinnert Paffrath. "Und wie das in vier Jahren ist, muss ich gucken. Ich mache in zwei Jahren Abi und muss dann schauen, wie es mit dem Studium aussieht. Daneben ist Leistungssport fraglich. Erstmal mache ich weiter wie bisher."

Ihr Sport beinhaltet übrigens ein besonderes Hilfsmittel: "Beim Wettkampf schmiert man sich Gelatine in die Haare", verrät Paffrath das Erfolgsrezept für die trotz der Strapazen perfekt sitzende Frisur. "Die wird da noch heiß aufgetragen. Nach dem Wettkampf steht man dann mit ganz viel Shampoo unter Dusche und kratzt das eine halbe Stunde raus", berichtet Pauline Paffrath - und lächelt.

Quelle: RP
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