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Schach
Schach-Könige von Deutschland

Schach: Schach-Könige von Deutschland
Feierten den ersten Meistertitel seit 1997 (v.l.): Richard Rapport, Chanda Sandipan, Predrag Nikolic, Jörg Wegerle, Oliver Kniest, Florian Handke, Robin van Kampen, Herbert Scheidt, Amina Sherif, Kevin Zolfagharian, Alexander Naumann und Jan Smeets. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Die Schachgesellschaft Solingen hat sich ihren Traum erfüllt. Mit dem 6:2 über die SV Hockenheim und dem 5:3 gegen den SV Griesheim besiegelten die Klingenstädter die Deutsche Meisterschaft. Es ist der erste Titel seit 1997. Von Thomas Rademacher

Am Samstag hatte die Schachgesellschaft in der hiesigen Sparkasse die Vorarbeit geleistet. Überraschend deutlich mit 6:2 besiegten die Solinger die SV Hockenheim und waren damit schon fast im Ziel. Nur noch ein Sieg über den SV Griesheim war nötig, um zum zwölften Mal die Deutsche Meisterschaft im Schach zu gewinnen. Doch die Hessen wehrten sich, schließlich hatten sie noch eine Chance, ihren Abstieg aus der Bundesliga zu vermeiden.

"Heute war es keine Frage des Schachspiels", erläuterte Oliver Kniest, der Vorsitzende der Schachgesellschaft. "Es war mehr eine Frage der Nerven." Zunächst schien alles nach Plan zu laufen. Richard Rapport brachte die Solinger am Spitzenbrett in Führung, während sich Chanda Sandipan, Artur Jussupow und Alexander Naumann Remis erarbeiteten. Doch dann spielte sich ein kleines Drama ab. Predrag Nikolic leistete sich einen herben Schnitzer, verlor eine Figur und war danach so im Nachteil, dass er die Partie gegen Lukasz Jarmula aufgeben musste. "Das passiert einem Spieler seiner Klasse eigentlich nie", meinte Kniest. "Aber wie gesagt, da waren wohl die Nerven im Spiel."

Damit war das Duell wieder offen. Florian Handke stand am achten Brett schlechter als sein Gegner, während Robin van Kampen und Jan Smeets eher auf Remis zusteuerten. Doch die Solinger mussten den 2,5:2,5-Zwischenstand in einen Gesamtsieg verwandeln. Schon ein 4:4 hätte den Gewinn der Deutschen Meisterschaft gefährdet. In dem Fall wären die Klingenstädter punktgleich mit der OSG Baden-Baden gewesen, und ein Entscheidungswettkampf hätte über den Titelgewinn entschieden.

Handke behielt die Nerven, rettete ein Remis und sorgte damit für das 3:3. Nun kam es auf Van Kampen und Smeets an. Mit dem Titelgewinn vor Augen blieben die beiden Niederländer abgezockt. Van Kampen gewann am zweiten Brett gegen Jaroslaw Krassowizkij und Smeets an dritter Position gegen Gyula Izsak. Die Entscheidung war damit gefallen. Griesheim steigt aus der Bundesliga ab, und die Schachgesellschaft Solingen ist zum ersten Mal seit 1997 wieder Deutscher Meister. Die Klingenstädter bleiben damit Rekordmeister mit nunmehr zwölf Titeln, nachdem Baden-Baden in den vergangenen zehn Jahren eindrucksvoll gewonnen hatte. "Ich gehe davon aus, dass sie das sehr ärgern wird und sie in der nächsten Saison wieder ganz stark antreten werden, um uns den Titel wieder abzunehmen", meinte Kniest. Doch mit dem gestrigen Tag sind die Solinger wieder die Schach-Könige von Deutschland.

Den Grundstein hatte die Mannschaft am Samstag mit einem Erfolg über die SV Hockenheim gelegt. Nominell traten die Mannschaften fast identisch stark besetzt an. Um die Chancen zu erhöhen, hatte die SG extra Markus Ragger aus Norwegen einfliegen lassen. Der Österreicher befindet sich derzeit als sogenannter Sekundant für SG-Spieler Pentala Harikrishna auf einem großen Turnier in Stavanger. "Dort war am Samstag aber spielfrei, so dass wir ihn für unser Duell gegen Hockenheim loseisen konnten", erläuterte Kniest. Ragger flog ein und zeigte eine seiner besten Saisonleistungen für die Solinger. Er setzte Ivan Saric matt und verbesserte seine Gesamtbilanz auf 8,5 von 14 möglichen Punkten. Ragger hat damit alle Saisonmatches für die Solinger bestritten - nur das letzte und entscheidende gegen Griesheim nicht.

Mit seinem Sieg gegen Hockenheim waren die Klingenstädter bereits auf der Erfolgsspur. Artur Jussupow und Alexander Naumann gewannen ebenfalls schnell, so dass der Gesamterfolg nur noch Formsache war. Rapport setzte Dennis Wagner am Spitzenbrett matt, der Rest der Truppe spielte Remis, was zum 6:2-Gesamtsieg reichte. "Das lief einfacher, als erwartet", freute sich der Vorsitzende, der gestern gemeinsam mit Teamchef Herbert Scheidt und der Mannschaft den zwölften Meistertitel feierte.

Ob es so weitergeht? "Es wäre vermessen zu sagen, wir würden nächstes Jahr wieder Deutscher Meister", weiß Kniest. "Aber wir wollen Baden-Baden selbstverständlich wieder ärgern." Dazu ist im Schach bekanntlich ein Kader nötig, der für die Spieltage extra herangeholt wird. Ohne Sponsorengeld funktioniert das nicht. "Ich hatte den Eindruck, dass Michael Kölker (Geschäftsführer der Firma Forst, Anm. d. Red.) unser Sieg gut gefallen hat", meint Kniest mit Blick auf den Hauptsponsor der SG.

Quelle: RP
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