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Sportlerwahl

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Norman Eberhardt hat bei den Alligators das Sagen. FOTO: geu (Archiv)
Solingen. Sebastian Hinze (Handball), Norman Eberhardt (Baseball) sowie das Gespann Sascha Tykhomyrov/Dirk Schiffler (Fechten) stehen zur Wahl. Von Georg Amend

Der Kellner in einem Solinger Café kommt mit der Kirschschorle und eines ist ihm wichtig: "Ich wollte noch herzlichen Glückwunsch sagen zum Klassenerhalt." Sebastian Hinze lächelt. "Danke." Der Trainer des Bergischen HC kann es inzwischen ein wenig genießen, dass er mit einem Team, das über einen der kleinsten Etats der Liga verfügt, zum zweiten Mal in Folge die Handball-Bundesliga gehalten hat. "Ich habe nach der Saison eine Woche gebraucht, um runterzukommen. In der Saison ist das schwierig. Da gibt es Phasen, wo es mit dem Abschalten klappt, und wo es nicht klappt."

Hinze weiß: "Es ist dann wichtig, etwas zu machen, was nichts mit Handball zu tun hat. Ich habe es eine Zeit lang sonntags geschafft, auf den Hof zu fahren, wo das Pferd meiner Frau steht. Ich reite nicht, aber beim Stall ausmisten oder den Hof fegen kann ich ganz gut runterkommen. Das habe ich aber ab Februar nicht mehr geschafft." Dann forderte ihn die Rückrunde noch stärker als ohnehin. "Ich war der festen Überzeugung, dass wir es schaffen", sagt der 36-Jährige, "aber meine Aufgabe ist, Sachen zu erkennen, bevor sie passieren. Das war ein höheres Stresslevel."

So konnte er sich während der Saison auch nicht über Lob freuen, selbst dann nicht, als er mit seinem Team durch einen Sieg über Hamburg den Klassenerhalt geschafft hatte: "Nach dem HSV-Spiel hieß es, wir hätten das ja auch sehr souverän die ganze Saison gemacht. Das war ein Unterschied zwischen externer und interner Wahrnehmung", meint Hinze und ergänzt: "Wenn ich die Saison rein faktisch analysiere, sehe ich, dass wir kein Mal auf einem Abstiegsplatz gestanden haben, dass wir immer einen Puffer hatten und kontinuierlich gepunktet haben. Das sind alles Faktoren, die wir im ersten Jahr nicht hatten."

Die weitere Analyse des gebürtigen Wuppertalers: "Ich habe auch gesehen, dass es eine enge Kiste war, auch mit glücklichen Fügungen. Das erste Spiel gegen Bietigheim gewinnen wir, weil wir unser Abwehrsystem auflösen. In Berlin funktioniert gar nichts, und gegen Magdeburg greift das Abwehrsystem. Wir haben mit einem Tor verloren, aber der Glaube daran war da. Als es das Unentschieden gegen Erlangen und den Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen gab, hat man gesehen, was damit möglich ist. Ab da haben wir eine souveräne Saison gespielt."

Dass der Klassenerhalt in einem Jahr mit vier Absteigern und lauter Englischen Wochen den größten Erfolg der Vereinsgeschichte darstellt, weiß Hinze. "Es war ein sehr schweres Jahr, wir haben zu einem hohen Prozentsatz am Limit agiert. Wir hatten das Glück, bis zum Ende der Saison von langen Verletzungen verschont geblieben zu sein. Wir mussten zwar regelmäßig einen Spieler ersetzen, konnten das aber gut kompensieren. Wir haben Mannschaften geschlagen, die man sonst nicht schlägt. Von vier Absteigern hatten drei mehr als 20 Punkte - eine verrückte Saison. Wir waren abhängig von verschiedenen Faktoren: Unserer Heimstärke, dass das Abwehrsystem greift, und dass wir wenig Verletzungen haben. Hätte nur eines davon nicht funktioniert, wären wir jetzt in der Zweiten Liga."

Der ehemalige Mittelmann und Kreisläufer, der bereits mit 16 Jahren den C-Trainerschein erwarb und neben seiner Profikarriere Wirtschaftswissenschaften studierte, hätte sich auch eine Vollbeschäftigung an der Sportschule NRW vorstellen können, in der er bis heute tätig ist. "Das hat mir viel Spaß gemacht. Dann hat sich aber eine neue Situation ergeben, als ich das Angebot bekam, die erste Mannschaft zu trainieren." Zu dem Zeitpunkt hatte er die A-Lizenz und hat seitdem den BHC kontinuierlich entwickelt, aber: "Das Streben nach Weiterentwicklung geht weiter. Wenn wir es schaffen, nur einen der genannten Faktoren kompensieren zu können, dann sind wir ein etablierter Erstligist."

Hinze gestaltet aber nicht nur den BHC, sondern auch außerhalb des Handballs: "Ich heimwerke gerne. Im Winter habe ich eine Schiebetür zwischen Ess- und Wohnzimmer gebaut. Einen Esstisch will ich auch noch bauen, wenn ich frei habe." Das Talent dafür hat er sich erarbeitet: "Mit 17 bin ich von zu Hause ausgezogen und musste meine Wohnungen immer selbst renovieren, Böden verlegen et cetera. Mein Schwager ist Bauingenieur, und wir haben deren Haus zusammen gebaut. Learning by doing." Hinzu kommen kleinere Reparaturen an seinem Oldtimer, einem roten BMW 2002 aus dem Jahr 1972. "Ich stehe eher auf alte Sachen. Das Schöne ist, diese Einfachheit und dass man selber etwas machen kann. Man hat Gestaltungsmöglichkeiten. Es lohnt sich, etwas zu erhalten, was sonst auf einem Autofriedhof gelandet oder abgerissen worden wäre."

Quelle: RP
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