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Sportlerwahl

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Der Degen in der linken Hand: Kim Treudt-Gösser focht zunächst mit rechts, doch als Sascha Tykhomyrov ihr Trainer wurde, stellte er das um. Seitdem ist die 17-Jährige vom WMTV immer besser geworden. FOTO: Anja Tinter (Archiv)
Solingen. Inga Hundeborn (Leichtathletik), Amina Sherif (Schach) und Kim Treudt-Gösser (Fechten) stehen zur Wahl. Von Thomas Rademacher

Ereignisreich war sie, die Saison von Kim Treudt-Gösser. Die Degenfechterin des Wald-Merscheider TV hat sich weiterentwickelt und zahlreiche Erfolge zu verzeichnen. Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft bei den A-Jugendlichen und der Titel mit der Mannschaft bei den Aktiven ragen heraus. Aber auch den dritten Platz beim Junioren-Weltcup in Spanien und das Erreichen des Viertelfinals bei der A-Jugend-WM nennt die gerade 17 Jahre alt gewordene Schülerin der NRW-Sportschule (Friedrich-Albert-Lange-Schule), wenn es um die Saisonhöhepunkte geht. Doch wer weiß? Vielleicht wäre eines der größten Fechttalente in Deutschland unentdeckt geblieben, wenn Sascha Tykhomyrov nicht gewesen wäre.

Mit acht Jahren begann Treudt-Gösser mit dem Fechtsport. "Damals war das Training noch nicht so fechtspezifisch", erinnert sich die Solingerin. Erst als wenig später Tykhomyrov als neuer Trainer eingeführt wurde, änderte sich das, "und es hat angefangen, mir richtig Spaß zu machen".

Inga Hundeborn FOTO: Ati (Archiv)

Doch irgendetwas stimmte nicht. "Es sah wohl immer etwas komisch aus, wenn ich gefochten habe." Durch einen Zufall sah Tykhomyrov Kims Vater Andreas beim Schreiben. "Ihm ist aufgefallen, dass er Linkshänder ist", erzählt die Fechterin. So kam der Trainer auf die Idee, auch bei ihr nachzuhaken. "Klar war ich auch Linkshänderin, aber das Fechten ist mir immer mit rechts gezeigt worden." Der Trainer handelte prompt und ließ seinen Schützling mit der linken Hand an den Degen. "Leider kann ich mich nicht mehr an das Gefühl erinnern, wie es war, plötzlich mit links zu fechten", sagt Treudt-Gösser. Sicher ist aber, dass es der Schlüssel zum Erfolg war und fortan alles viel besser geklappt hat.

Dass sie Talent für's Fechten hat, hat die Sportlerin schnell gemerkt. "Bei meinem allerersten Turnier bin ich Zweite geworden." Während ihrer ersten Saison verzeichnete sie dann einige Erfolge, so dass sie dachte: "Hey, ich kann das ganz gut." Spezialisiert hat sie sich aber erst später. In jungen Jahren hat Treudt-Gösser gleichzeitig Taekwondo gemacht und es sogar bis zum blau-roten Gurt geschafft. "Ich musste mich dann irgendwann davon lösen, weil die Zeit einfach nicht mehr gereicht hat." Inzwischen steht sie täglich auf der Planche, auch wenn sie sich manchmal wünscht, nicht zum Training gehen zu müssen. "Aber ich muss ja hin. Ich will ja besser werden."

Amina Sherif FOTO: Privat

Immerhin hat Kim Treudt-Gösser gerade Saisonpause. Das Training geht zwar weiter, aber die Turniere und Veranstaltungen an den Wochenenden fallen momentan weg. "Das ist schön, weil ich endlich auch mal mehr Zeit für meine Freunde habe - und natürlich meinen Freund Max." Schon bald muss sie sich vom Wochenendleben einer normalen 17-Jährigen aber wieder verabschieden. Die Degenfechterin hat in der kommenden Saison Großes vor: "Ich will mich für die Welt- und Europameisterschaften der Junioren qualifizieren." Ob das schon in naher Zukunft klappt, ist offen, aber "in zwei Jahren möchte ich auf jeden Fall soweit sein". Langfristig visiert die Solingerin die Teilnahme an den Olympischen Spielen an. Für Rio wird es freilich noch nicht reichen, doch Tokyo ist ein schweres, aber erreichbares Ziel.

Um das zu schaffen, muss sie natürlich noch viel lernen. Das weiß sie. Auch an ihren fechterischen Stärken, der Taktik und Schnelligkeit, gibt es immer noch viel zu verbessern. Deshalb wird sie auch in der neuen Saison wieder zu wichtigen Turnieren im Ausland fliegen. "Auch wenn ich mir dann und wann mal wünsche, zu Hause zu bleiben."

Quelle: RP
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