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Faustball
U 21-Faustballer sind erneut Europameister

Solingen. OTV-Vereinssportlehrer Hartmut Maus und sein Bundestrainerkollege Roland Schubert führen Deutschland zum Titel. Von Georg Amend

Faustball ist ein familiärer Sport. Das macht sich nicht nur bei den Spielen und Turnieren bemerkbar, sondern spiegelt sich auch in der Vita von Hartmut Maus wider. Der Vereinssportlehrer des Ohligser TV ist mit Roland Schubert Bundestrainer der Faustballer der Altersklasse U 21 und kam vor einigen Jahrzehnten über seine Eltern zu dieser Sportart, die auch sein Bruder Holger ausübte. Kein Wunder, dass Hartmut Maus nun über die U 21-Europameisterschaft in der Schweiz sagt: "Am Wochenende hat man wieder gesehen, was es für eine unheimliche Nähe da gibt. Von allen Jungs waren die Eltern da und haben mitgeholfen. Das ist toll."

Und es trug mit zum Erfolg bei, denn die deutsche Mannschaft holte sich unangefochten den Titel, den sie somit erfolgreich verteidigte. In allen Partien sprangen Siege heraus: Gegen Tschechien mit 3:0-Sätzen, gegen Österreich mit 3:2 und gegen die Schweiz mit 3:1. Im Finale gab es dann die Neuauflage des Vorjahres, erneut wurde Österreich mit 3:2 bezwungen. Auch die hohen Temperaturen von 35 Grad im Schatten konnten den deutschen Siegeszug nicht stoppen. Seit 2003 ist Maus im Amt, bei 14 Großturnieren gab es zwölf Siege und zwei Mal Silber, von 2004 bis 2013 zehn Titel in Folge.

Ein wenig muss man dies allerdings einordnen, denn immerhin kamen nun gerade einmal vier Mannschaften zu der Europameisterschaft - die Konkurrenzsituation ist damit nicht die schwerste. "Die U 21 ist halt ein Zwischending", meint Maus. "Da hast du nur die EM. Bei der U 18 und den Senioren gibt es EM und WM, und es sind auch mehr Teams dabei. Diesmal war es schwer, andere Mannschaften, wie zum Beispiel Italien, die auch schon mal da waren, dabeizuhaben."

Die Erklärung dafür: "Im deutschsprachigen Raum ist Faustball gut verbreitet, in anderen Ländern gibt es aber meist nur kleinere Vereine, die es anbieten. Für die ist es dann schwieriger, zu so einem Turnier zu kommen." Denn: "Es ist immer eine Frage der Kosten. Es gibt ja keine Verbände, die die übernehmen würden. Wir sind eine nicht-olympische Sportart und nur über den Deutschen Olympischen Sportbund organisiert, weil wir eine World-Games-Sportart sind." Da sehen die Zuschüsse freilich bescheidener aus.

Mit Blick auf die am Montag in Nürnberg beginnende WM der U 18-Mädchen und -Jungen ergänzt Maus, der auch diese Mannschaften mit Schubert betreut: "Da haben wir bei den Jungs fünf Teams und bei den Mädchen sechs. Ein Problem sind die südamerikanischen Länder, wo es wirtschaftliche Probleme gibt. Argentinien, Brasilien, Chile - die kommen alle nicht, weil die Reisekosten zu hoch sind. Allein für die Flüge bist du bei so einem Tross ja schnell bei 20.000 Euro." Maus muss es wissen, immerhin hat er mit den Faustball-Nationalteams unter anderem schon Brasilien, Kolumbien, Namibia, Spanien oder Chile bereist. "Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften in Kolumbien und Brasilien 2012 und 2014 haben immer die Eltern einen Teil der Kosten übernommen. Das wäre in anderen Sportarten undenkbar", sagt Maus, der nach mehr als 200 Länderspielen an der Seitenlinie angibt, das "fast im Ehrenamt" zu tun. "Wir wollen etwas weitergeben."

Der 57-Jährige weiß, dass die Teilnahme an solchen Großereignissen entsprechenden Fleiß erfordert: "Die Spieler müssen schon täglich was machen, sonst kommen sie da nicht rein." Aus Ohligser Sicht haben das zwei Spieler besonders gut beherzigt: Die OTV-Akteure Christopher Hafer und Kaja Hutz stehen in den deutschen Aufgeboten, die möglichst die nächsten Titel holen sollen. "Understatement ist nicht meine Devise, ich will das realistisch einschätzen", betont Maus. "Im eigenen Land als Weltmeister mit beiden Geschlechtern bei einer WM zu sein, und dann zu sagen, wir wollen eine Medaille, halte ich für Quatsch. Wir wollen mit beiden Teams ins Finale, und dann ist alles möglich."

Quelle: RP
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