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Bergischer HC
Unbeugsamer BHC schafft die Wende

Solingen. Zur Pause scheint der Handball-Bundesligist geschlagen, dreht aber einen Sieben-Tore-Rückstand in ein 26:26-Remis. Von Georg Amend

Als "Gallier von der Alb" bezeichnet sich die Mannschaft von FrischAuf Göppingen gern. Als wirklich unbeugsam erwies sich am Samstagabend aber der Bergische HC bei seinem Gastspiel in der Handball-Bundesliga. Dort lag er zur Pause mit 8:15 zurück, durch die kurzfristigen Erkrankungen von Maximilian Hermann und Christian Hoße (beide Magen-Darm-Virus) war die Ausfallliste auf sieben Spieler angewachsen, und so sprach zur Pause nichts für die Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze.

Doch der fand in der Kabine die richtigen Worte. "In der Besprechung ging es weniger um Taktik, sondern darum, wie wir auftreten wollen", sagte der Coach nach der Begegnung. Und sein Sportlicher Leiter Viktor Szilágyi, der erneut fast 50 Minuten durchspielte, ergänzte: "Sebastian ist in der Halbzeit zu Recht laut geworden. Aber was mich beeindruckt hat, war, wie die Mannschaft dann rausgegangen ist und gekämpft hat." Denn sie stellte mit drei Toren in Folge unter Beweis, dass sie noch lange nicht geschlagen war, Göppingen wurde in dieser Phase fahrig, und beim BHC klappte auf verschiedenen Positionen immer mehr. Torwart Christopher Rudeck entschärfte vor allem von außen etliche freie Bälle, Zugang Bogdan Criciotoiu brachte Wucht aus dem Rückraum, Szilágyi setzte die Kreisläufer in Szene und Spielmacher Tomás Babák wurde immer stärker. Das i-Tüpfelchen war sein Treffer zum 26:25, was 20 Sekunden vor dem Ende die erste Führung der Gäste in der gesamten Partie war. Mit dem letzten Angriff sicherte Jens Schöngarth den "Galliern" noch einen Punkt.

Rudeck gab sich im Anschluss daran selbstkritisch. "Der letzte Wurf ist auch haltbar", ärgerte sich der Schlussmann, der von ihm aus in die linke Ecke abgetaucht war, während Schöngarth am Block vorbei in die andere warf. Hinze nahm seinen Torwart ungefragt in Schutz: "Der letzte Angriff ist eigentlich auch gut verteidigt, der Doppelblock steht, und dass Rudi dann in die Ecke geht, verstehe ich." Der Keeper war indes mit sich nicht so glücklich, obwohl er acht sehr starke Paraden und sogar seinen ersten Bundesliga-Treffer ins wegen eines zusätzlichen Feldspielers verwaiste Göppinger Gehäuse geliefert hatte: "Von außen war es gut heute, aber aus dem Rückraum, wo ich mich eigentlich für stärker halte, waren drei, vier dabei, die haltbar waren. Mit den Würfen von außen kann ich zufrieden sein heute, aus dem Rückraum war es scheiße."

Ganz so schlimm war es sicher nicht, denn auch Hinze hatte einen "sehr, sehr guten Christopher Rudeck" gesehen. In seiner Analyse sagte der Coach: "Natürlich nehmen wir den einen Punkt sehr gerne mit, in der Halbzeit haben wir da nicht zwingend mit gerechnet. Wir können uns am Ende sogar ein bisschen ärgern, dass es nicht zwei geworden sind, aber auch nur ein bisschen. Wir müssen uns mehr über die erste Halbzeit ärgern als über die letzte Aktion. In der ersten Halbzeit ist passiert, was nicht passieren darf: Mit technischen Fehlern und Fehlschüssen haben wir Göppingen mit Anlauf zum Schuss kommen lassen. Da kriegen wir Tore, die wir nicht kriegen wollen." Nach seiner Halbzeitansprache kam der BHC aber ins Rollen. "Wir haben schnell den Anschluss hergestellt und das Gefühl bekommen, dass da was gehen kann", meinte Hinze. "Dann hatten wir die Situation, die wir von Anfang an haben wollten: Dass wir hier etwas gewinnen können. In der ersten Halbzeit hatten wir schon so viel verloren, dass diese Situation zwangsläufig so gekommen ist. Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten sie über 60 Minuten so gehabt."

Das waren allerdings kleine Probleme verglichen mit denen, die Magnus Andersson hatte: "Ich bin richtig enttäuscht über diese Leistung", sagte der Göppinger Trainer. "Wir haben in der Halbzeit gesagt, wir wollen weiter Gas geben. Und dann hat die Mannschaft geschlafen, von 15:8 geht es auf 15:11. Dann ist Unruhe reingekommen, und der BHC hat ganz clever gespielt", meinte der Schwede mit Blick auf Hinzes Taktik, im Angriff fast durchgehend mit dem siebten Feldspieler statt eines Torhüters zu spielen: "Mit dem Sieben gegen Sechs haben wir unglaublich viele Probleme gehabt. Der BHC hat lange Angriffe gespielt, und Viktor und Babák haben sehr gute Entscheidungen getroffen." Hinze sah es ähnlich: "Die zweite Halbzeit war nahezu perfekt. Wir hatten viel Ruhe in unserem Angriffsspiel und haben mit unseren beiden Spielmachern viel bessere Entscheidungen getroffen." Außerdem lobte er Criciotoiu: "Er hat das in der zweiten Halbzeit viel besser gemacht, ist breit geblieben, ins Eins-gegen-Eins gegangen und hat sich da das Selbstvertrauen geholt."

Rudeck meinte: "Wir sind derzeit für den Gegner unglaublich unangenehm. Unsere Angriffe dauern auch mal anderthalb Minuten. Das nervt den Gegner. Aber es macht Spaß, wenn der Plan aufgeht." Szilágyi fand: "Je länger das Spiel gedauert hat, umso breiter wurde unsere Brust. Aufgrund der zweiten Halbzeit ist es ein verdienter Punkt. Es macht mich einfach nur glücklich, wenn man sieht, wie wir hier aufgetreten sind." Wie die Gallier, mit unbeugsamem Willen.

Quelle: RP
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