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Handball
Weltverband legt den Vereinen ein Ei ins Nest

Solingen. Die IHF hat fünf Regel-Änderungen beschlossen, die für die neue Saison gelten und bereits bei den Olympischen Spielen angewandt werden. Von Georg Amend Unter Mithilfe der Handballer der Sg Unterrath

Es wird bunt zur neuen Saison in der Handball-Bundesliga: Neben der gelben und roten Karte werden Schiedsrichter bald auch eine blaue mit sich führen. Das ist eine der fünf Regel-Änderungen (siehe Info-Kasten), die der Weltverband IHF beschlossen hat und die schon bei den Olympischen Spielen angewandt werden. Diese Änderungen werden in allen Ligen umgesetzt, und je tiefer man kommt, desto mehr regiert die Sorge, dass Schwierigkeiten programmiert sind. Vermutlich haben sich die innovativen IHF-Köpfe schon lange kein Bild mehr von der Altersstruktur der Schiedsrichter und des Kampfgerichts in - sagen wir mal - der Kreisliga gemacht. Ob da wirklich nachgehalten werden kann, dass ein auf dem Feld behandelter Spieler die angeordneten drei Angriffe ausgesetzt hat? "Die IHF hat uns ein schönes Ei ins Nest gelegt", fand Peter Rauchfuß, Schiedsrichterwart des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Dass es noch dicker hätte kommen können, zeigen die folgenden Ideen, wie man den Sport noch verändern könnte.

Nach gelb, rot und blau - warum nicht auch eine rosa Karte? Zusammen mit den grünen, die die Trainer für ihre Auszeiten haben, hätte man eine Farbpalette, nach der man jeden Raum in der Wohnung individuell streichen kann. Fehlt nur noch ein Grund, die rosa Karte zu ziehen. Idee: Verstöße gegen die Kleiderordnung. Das Trikot gehört in die Hose, Socken bis zu den Knien sind was für Fußballer und Goldkettchen ebenso. Wer nicht hört - zack, da gibt's die rosa Karte. Der Spieler muss hernach in die Kabine und sich regelkonform kleiden, zur Not hilft ihm Mami dabei.

Was Mutter sicher nicht leiden kann, ist unsportliches Verhalten, doch den Sünder direkt mit Rot vom Platz zu stellen, damit sie ihn ausschimpfen kann, scheint doch etwas altbacken. Warum nicht dafür sorgen, dass alle was davon haben? Wer sich unsportlich verhält, muss ins Tor, sich umdrehen und vorbeugen, der geschädigte Spieler erhält drei Würfe von der Siebenmeter-Linie auf den Hintern des Sünders. Ähnlich verfahren die Spieler ja schon beim Kicken vor den Partien, warum also nicht diese Bestrafung auch auf dem Handball-Feld anwenden? Durch die Öffentlichkeit würde ein Lerneffekt erzielt, der unsportliches Verhalten auf ein Minimum begrenzen könnte. Die Uhr wird während der Strafe natürlich angehalten.

Apropos Uhr: Die Änderung zum passiven Spiel kann ja eigentlich nur der Anfang sein. Die Schiedsrichter haben ja dann immer noch zu viel Einfluss. Warum also nicht eine "Shot-Clock" einführen, die pro Angriff rückwärts läuft und die Zeit signalisiert, bis geworfen werden muss? Das ist im Basketball schließlich kontinuierlich erprobt worden. Und wo wir gerade dabei sind: Ebenfalls wie bei den Korbjägern sollte man im Handball über eine Verlängerung nachdenken. Unentschieden mag doch eh keiner.

Für die also bald einzuführende Verlängerung ergeben sich ganz viele Möglichkeiten, sie noch spannender zu machen - zum Beispiel, an dem man an der Zählweise der Tore herumschraubt. Treffer von jenseits der Mittellinie werden als "Drei-Punkte-Würfe" gewertet. Kopfballtore zählen doppelt. Trifft eine Mannschaft drei Mal in Folge Aluminium, gibt es einen Siebenmeter für sie. Verwirft der Schütze, darf er gar nicht mehr werfen.

Damit die Chancen steigen, dass es überhaupt zu einer derart spannenden Verlängerung kommt, müssen natürlich auch die Regeln während des Spiels angepasst werden. Schützenfeste wie etwa von Flensburg gegen Hannover (37:21) sind doch Langweiler, die keiner sehen mag. Also greift bald folgende Regel: Wenn eine Mannschaft mit zehn Toren führt, muss sie in Unterzahl weiterspielen. Das sorgt für Chancengleichheit - sofern man ein gutes Überzahlspiel hat.

Bei allen Änderungen bleibt die größte Schwachstelle aber bestehen: menschliches Versagen. Die Wachsamkeit der Unparteiischen muss erhöht werden. Bei einer Fehlentscheidung - wenn sich beide Trainer einig sind - muss der Schiri ab der kommenden Saison zwei Strafsprints machen, verweigert er das, kriegt er zwei Minuten. Der falsche Pfiff wird zwar nicht zurückgenommen (Stichwort: Tatsachenentscheidung), aber der Schiri wird sich fortan zwei Mal überlegen, was er pfeift. Damit die Trainer signalisieren können, dass sie diese Regel anwenden wollen, brauchen sie natürlich eine zusätzliche Karte. Vielleicht eine weiße? Alle anderen Farben sind ja schon vergeben.

Quelle: RP
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