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Willems gewinnt Training mit Nadal

Lokalsport: Willems gewinnt Training mit Nadal
Tennis-Superstar Rafael Nadal hat bald einen neuen Trainingspartner für eine Woche: Johann Willems vom Solinger TC. FOTO: Imago/Kempner (Archiv)
Solingen. Die Nummer eins des Solinger TC hat bei einem Wettbewerb eine einwöchige Einheit mit dem Tennisstar ergattert. Von Georg Amend

In diesen Tagen war Johann Willems in Belgien unterwegs. Beim mit 10 000 Dollar dotierten Future-Turnier in Havre startete die Nummer eins des Tennis-Bundesligisten Solinger TC im Hauptfeld, schied dort jedoch am Mittwoch gegen den Franzosen Maxime Tabatruong mit 1:6, 0:6 aus. Tolle Erfolge hat der 20-Jährige aber schon davor errungen. Erst gewann er die Verbandsmeisterschaften der Herren, dann sicherte er sich in Stuttgart gleich zwei hochkarätige Preise: Da er den Wettbewerb "The Making of a Wimbledon champion 2015 by Toni Nadal" gewann, darf er nicht nur eine Woche mit dem Neffen des Tennistrainers, dem Weltstar Rafael Nadal, trainieren, sondern er erhielt auch noch eine Wildcard für den Mercedes Cup 2017 in Stuttgart. "Die letzten Wochen waren ganz gut", meint Willems bescheiden.

Dabei war der Solinger schon mit dem Ziel nach Stuttgart gefahren, den Wettbewerb um die Trainingswoche mit dem 14-maligen Grand-Slam-Sieger zu gewinnen. "Ich hatte gehofft, den Hauptpreis da zu holen, aber damit das klappt, muss man halt auch einiges gewinnen." Insgesamt traten 16 Tennisspieler an, zunächst wurde zwei Tage lang trainiert, damit sich alle an den Rasenplatz gewöhnen konnten. Die Jury - bestehend aus Toni Nadal, Fed-Cup-Kapitänin Barbara Rittner und Profi Philipp Petzschner - entschied dann, welche acht Spieler es eine Runde weiter schaffen - Willems war dabei.

In dieser nächsten Runde hieß es: jeder gegen jeden. Dazu wurden Tie-Breaks gespielt, der Solinger gewann vier, verlor zwei und kam so unter die besten Vier, die sich tags darauf in Halbfinals und einem Finale messen mussten, nun wieder über die gesamte Spieldauer und nicht nur über den Entscheidungssatz. "Tie-Breaks sind auch immer so eine Sache", sagt Willems. "Da gehört auch etwas Glück dazu, und da sind auch zwei sehr gute Spieler rausgeflogen. Aber genau das wollten Toni und Barbara auch sehen: Wie man sich durchsetzt, wenn es auch um etwas Glück geht." Und wie man mit dem Druck in diesen Ausnahmesituationen umgeht. Das ist Willems offensichtlich herausragend gelungen, denn er schaffte es zu den beiden Endspielen, die er dann auch gewann. "Ich war da aber froh, dass es normale Matches waren und nicht mehr nur Tie-Breaks."

Das Lob aus berufenem Munde folgte nach seinem Finalsieg: "Er hat gut gespielt", fasste Tennistrainer Toni Nadal zusammen. "Er hat gute Schläge gemacht und war besser als der andere. Er hat einen super Aufschlag und auch eine sehr gute Rückhand. Er ist noch jung, aber hat schon viele gute Sachen." Willems befand: "Es war das erste Mal auf Rasen für mich und hat super viel Spaß gemacht." Warum "Sandplatzkönig" Rafael Nadal seine Trainingspartner auf Rasen aussuchen lässt, erschloss sich dem Solinger allerdings auch nicht: "Auf Rasen spielt er ja nicht unbedingt so gerne. Aber die Trainingswoche mit ihm wird wohl auf Hartplatz sein." Der Ort, Nadals mallorquinische Heimat Manacor, steht schon fest, der Zeitpunkt noch nicht.

Sicher ist aber: "Mit den Besten trainieren zu dürfen, bringt einen auf jeden Fall weiter", erklärt Willems. "Man kann sich viel abgucken, allein, wie sie den Tag verbringen oder was sie beim Training machen." Seine eigene Woche sieht in der Regel so aus: montags bis freitags Training von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr, danach noch Fitnesstraining, an den Wochenenden stehen meist Turniere oder Spiele an. Was gibt es da noch abzugucken? "Das ist alles noch viel professioneller. Da ist alles vorprogrammiert: Das Aufstehen, das Frühstück, Physio, Training. Auf kleineren Turnieren sieht das nicht so aus. Weltstars führen ein anderes Leben, das ist schon Luxus. Ich arbeite daran und hoffe, da einmal hinzukommen."

Dass Nadal ein absoluter Weltstar ist, ist bei jemandem, der 141 Wochen an Position eins der Tennis-Weltrangliste stand, ziemlich offensichtlich. Ob sich der Solinger mehr abschauen kann, weil Nadal wie Willems Linkshänder ist? "Ich glaube, das ist egal", sagt der 20-Jährige. "Ich bin zwar mal auf ihn aufmerksam geworden, weil er auch Linkshänder ist und weil er mit viel Spin spielt, was auch zu mir passt, und es ist einfacher, weil man nicht umdenken muss. Aber natürlich kann ich mir auch von Rechtshändern etwas abschauen."

Für Willems bedeutet der Preis zum Einen eine Wiederholung, denn er wurde bereits ein Mal von Nadal zum Training eingeladen, zum Anderen aber auch die Krönung eines bis dahin schwierigen Jahres. Eine Lendenwirbelverletzung hatte ihn aus dem Tritt gebracht. "Ich konnte erst im Winter wieder zurück, musste viel im Fitnessbereich und im Tennis machen. Ich habe Sachen trainiert, die vorher selbstverständlich waren. Ich bin froh, dass ich nun wieder topfit und schmerzfrei bin und mich auf dem Platz wieder wohlfühle. Auch, weil in einem Monat ja die Bundesliga-Saison startet."

Die Sommerspielzeit mit dem STC schätzt die Nummer eins so ein: "Wir werden es nicht einfach haben. Wir haben sehr viele interne Spieler und haben nicht wie andere großartig Ausländer eingekauft." Darin sieht Willems aber auch einen Vorteil: "Man spielt mit Leuten zusammen, die man schon kennt. Natürlich wäre das einfacher, drei Leute vorne zuzukaufen, aber für den Team-Spirit ist das so, wie wir es haben, besser. Mal mit den ganzen Freunden einen Monat zusammensein, ist schön, wenn man sonst viel alleine unterwegs ist. Das ist eine schöne Abwechslung." Das wird das Training mit Nadal sicher auch.

Quelle: RP
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