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Baseball
"Wir wollen unsere Talente im Verein halten"

Baseball: "Wir wollen unsere Talente im Verein halten"
Svenja Niemeyer ist Jugendwartin der Alligators. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Svenja Niemeyer, die Jugendwartin der Solingen Alligators möchte die Nachwuchsarbeit im Baseballverein wieder zu alter Stärke führen.

In der Vergangenheit waren die Solingen Alligators dafür bekannt, eigene Talente zu entwickeln und in die Bundesliga-Mannschaft zu integrieren. Das scheint in den vergangenen Jahren nachgelassen zu haben. Wie sehen Sie sich aufgestellt?

Niemeyer Eigentlich sind wir ganz gut aufgestellt. Im vergangenen November haben wir einen Tag der offenen Tür für Kinder der dritten bis sechsten Klasse veranstaltet. Der wurde sehr gut angenommen. 22 Interessierte sind gekommen und immerhin acht davon haben sich im Verein angemeldet. Alle spielen jetzt in unserer Schüler-Mannschaft, deren Kader so stark ist wie selten zuvor.

Wie sind die Nachwuchsteams derzeit geordnet?

Niemeyer Wir haben drei Nachwuchsteams im Spielbetrieb. Die Jüngsten bis maximal zwölf Jahre spielen bei den Schülern, wo wir in dieser Saison in der T-Ball-Liga aktiv sind. Dort wird der Ball nicht aus der Luft, sondern von einer Aufstellung heruntergeschlagen, was es für Anfänger leichter macht. 21 Kinder sind dort dabei. In der Jugend, die für 13- bis 15-Jährige ist, haben wir zwölf Kids, die in der Landesliga spielen werden. Die Junioren, also die 16- bis 18-Jährigen, sind in der höchsten Spielklasse, der Verbandsliga, aktiv.

Dieser Kader hat vor zwei Jahren die Deutsche Jugendmeisterschaft und davor auch die Schüler-Meisterschaft gewonnen. Die Mannschaft dürfte also sehr stark sein.

Niemeyer So ist es. Es ist derselbe Kader. Nur Justin Ballmann ist nicht mehr dabei, weil er nach Regensburg gewechselt ist. Wir hoffen und gehen trotzdem davon aus, dass das Team ganz oben mitspielen kann.

Abgänge von Nachwuchstalenten hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Oft locken die Regensburg Legionäre, die ein Baseball-Internat betreiben und bekannt dafür sind, Spieler in die USA zu vermitteln. Ist so etwas ein Problem?

Niemeyer Es tut schon weh, wenn Leute nach Regensburg oder zu anderen Standorten abwandern. Aber wir müssen daraus unsere Lehren ziehen, Dinge besser und vielleicht auch anders machen. Auch deshalb habe ich das Amt des Jugendwarts übernommen, damit wir die Nachwuchsarbeit wieder konsequenter angehen. Aus verschiedenen Gründen gab es zum Beispiel in den letzten Jahren kaum Kontinuität bei den Nachwuchstrainern und teilweise stand auch nur ein Trainer pro Mannschaft zur Verfügung - das haben wir jetzt geändert. Positiv hinzu kommt, dass auch der Headcoach der Bundesliga sich verstärkt in die Nachwuchsarbeit einbringen wird.

Ein Baseball-Internat wie in Regensburg kommt aber hier nicht infrage?

Niemeyer Derzeit sicher nicht. Wir müssen andere Wege gehen und unsere Ausbildungsqualität hoch halten. Wir wollen unbedingt unsere Talente im Verein halten und sie optimal auf die Männer-Bundesliga vorbereiten. Ich bin überzeugt, dass wir das mit unserem neuen Trainerstab schaffen werden.

Wo sind die Unterschiede zur Vorsaison?

Niemeyer Die Junioren wurden zuletzt von Tanner Leigthon trainiert. Das hat er bestimmt auch gut gemacht, aber als Spieler in der Bundesliga hatte er einfach nicht genug Zeit, um sich gleichzeitig auch noch voll auf den Nachwuchs zu konzentrieren. Außerdem gab es immer wieder Überschneidungen bei den Spielen. Das kann uns jetzt nicht mehr passieren. Mit Gilberto Marshall haben wir einen erfahrenen Coach verpflichtet, der aus den Anfangszeiten der Alligators bekannt ist.

Hinter den starken Junioren klafft eine Lücke. Der Jugendkader ist nicht so stark besetzt. Wie wollen Sie schwächere Jahrgänge in Zukunft verhindern?

Niemeyer Baseball ist eine Randsportart. Darüber müssen wir uns im Klaren sein, auch wenn der Verein in Solingen einen großen Stellenwert hat. Die Kinder kommen nicht zufällig darauf, Baseball spielen zu wollen. Das geht nur durch gute Werbung und Mund-zu-Mund-Propaganda. Der bereits angesprochene Tag der offenen Tür war nur eine Möglichkeit, auf unseren Sport aufmerksam zu machen. Eine weitere ist die Schulliga, die wir seit 2003 betreiben.

Diese ist 2016 attraktiver als zuvor?

Niemeyer In den vergangenen Jahren hat sich fast kein Teilnehmer der Schulliga später im Verein angemeldet. Das wollten wir ändern und haben den Fokus wieder stark auf die Liga gelegt. Statt drei Grundschulen sind in diesem Jahr sechs dabei. Klauberg, Stübchen und die Wiener Straße sind ja bereits seit Jahren im Spielbetrieb, was größtenteils an sehr engagierten Sportlehrerinnen liegt, die sich für Baseball interessieren. Neu dabei sind die Grundschulen Kreuzweg, Bökerhof und Aufderhöhe, die alle durch persönliches Engagement unserer Mitglieder ins Boot geholt wurden.

Und jetzt werden die Kids gezielt auf Baseball vorbereitet?

Niemeyer Genau. Unsere Juniorenmannschaft stellt für jede Schule zwei Trainer, die sich in einer wöchentlichen AG um die Kinder kümmern. Seit Februar wird trainiert, nach Pfingsten dürfen alle Schulen bei uns auf den Platz und Übungsspiele bestreiten. Das große Finale um den Titel des Grundschulmeisters findet am Samstag, 25. Juni bei uns am Weyersberg statt. Wir hoffen, dass einige so viel Spaß daran haben, dass sie danach auch am Vereinsleben teilnehmen möchten.

THOMAS RADEMACHER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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