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Fechten
WMTV holt Fechter vom STB zurück

Fechten: WMTV holt Fechter vom STB zurück
WMTV-Fechter Ben Kochendörfer holte Silber in der B-Jugend. FOTO: TEPH
Solingen. Herrendegen-Trainer Hakan Uludüz kommt wieder zum Klub. Der Kooperationsvertrag mit der FALS wurde bereits gekündigt, über einen neuen muss verhandelt werden. Die Sportschule verschickte am Abend eine Stellungnahme. Von Georg Amend

Fechten ist ein Angriffssport. Der Wald-Merscheider TV bleibt aber bewusst defensiv, auch wenn er den Kooperationsvertrag mit der Friedrich-Alber-Lange-Schule (FALS) am Freitag gekündigt hat - was als "Attacke" verstanden werden könnte. Der Verein will das aber so keinesfalls nennen, schließlich möchte er einen neuen Kooperationsvertrag mit der NRW-Sportschule aushandeln. "Das ist ein ernsthaftes Angebot", betont Klaus Erkens, Vorsitzender des Fördervereins "Fechtfreunde Solingen" und Vater des STB-Aktiven Roman. "Wir wollen nicht in die Konfrontation gehen."

Verständlich, denn die Kündigung des bestehenden Vertrages soll nicht das Ende der Kooperation sein. Nur will sich der Verein ein wenig von der Schule emanzipieren. Ein Beleg dafür: Er holt die Fechter des Solinger Turnerbund und Hakan Uludüz zur Saison 2016/17 zurück. Dem Degentrainer war vor rund einem Jahr gekündigt worden, weil "die Kooperation mit der Friedrich-Albert-Lange-Schule und auch der Spitzensport in Solingen zu teuer" seien, wie es WMTV-Vorstand Markus Adams seinerzeit mit Blick auf den einzigen hauptamtlich angestellten Fechttrainer des Klubs erklärt hatte. Uludüz nahm daraufhin seinen erlernten Beruf als Physiotherapeut wieder auf, hatte aber parallel Erfolg mit den STB-Fechtern, von denen er 16 vom WMTV mitgebracht hatte. In Zukunft wird man darüber wieder bei den Wald-Merscheidern jubeln. Uludüz ergänzt zudem die Abteilungsleitung mit Adams und Heike Schreiber.

Hier ist Trainer Hakan Uludüz (rechts) noch verantwortlich für die Turnerbund-Fechter Sebastian Winkler, Corvin Remscheid, Simon Stange, Luke Bickenbach, Chenoa Remscheid, Stephan Behr, Ben Ziegs und David Schuber (von links). Zur neuen Saison ist er wieder für den Wald-Merscheider TV tätig. FOTO: Stephan Köhlen

Mehr Geld ist für ihn jetzt plötzlich nicht da, doch geht es generell um eine Bündelung der Ressourcen, auch der finanziellen. Im vergangenen Jahr war der Förderverein "Fechtfreunde Solingen" gegründet worden, der Förderverein "Fechten in Solingen" blieb parallel bestehen. "Die Fördersituation für den Leistungssport mit zwei Vereinen ist für keinen der beteiligten Vereine von Vorteil", sagt Klaus Erkens nun. Die mit den Mitgliedern einstimmig erarbeitete Lösung sieht vor, dass sich die "Fechtfreunde nach satzungsgemäßer Verwendung der Mittel auflösen und es nur noch einen Förderverein gibt", berichtet Erkens.

Die Bedingungen dazu: "Der Förderverein Fechten übernimmt unsere Satzung, die zwei Besonderheiten hat: Erstens muss es eine personelle Entflechtung geben, weil wir Interessenskonflikte vermeiden möchten. Vorstand des Fördervereins kann niemand sein, der in einem Organschafts- oder Angestelltenverhältnis der FALS oder des WMTV steht." Erkens weiter: "Der zweite Punkt ist: Die Verwendung von Fördermitteln wird künftig durch eine Förderordnung geregelt, aus der klar ersichtlich ist, aufgrund welcher Leistung es welche Fördermittel gegeben hat. Das sorgt für maximale Transparenz."

Die bemängelt der WMTV ebenfalls bei der Sportschule. In den vergangenen Jahren seien "Organisation und Abwicklung des Fechtsports im WMTV durch Angestellte der FALS erfolgt", erklärt Erkens. "Uns ist aber aufgefallen, dass wir mit allen Organen von wesentlichen Informationen abgeschnitten waren. Das war suboptimal", berichtet der Fördervereinsvorsitzende, der unter anderem die Verlängerung der Förderung für den Landesleistungsstützpunkt Solingen durch die Sportstiftung NRW meint, oder dass es die Aussicht gibt, ihn zum Bundesleistungsstützpunkt zu machen.

Da nun aber Leistungssport ohne die Sportschule nicht möglich ist, soll ein neuer Kooperationsvertrag her. "Mit der klaren Maßgabe: Der WMTV ist für den Vereinssport zuständig, die FALS für das NRW-Schulkonzept. Wir wollen die Schnittstellen optimieren, aber vermeiden, dass sich der WMTV in das Schulkonzept einmischt - oder umgekehrt", erläutert Erkens. "Jeder muss für seinen Bereich zuständig sein", betont auch Schreiber. "Wir sind nach wie vor daran interessiert, Leistungssport durchzuführen. Und das geht nur mit starken Partnern. Wir können den Stützpunkt aber nur erhalten, wenn wir im Verein eine breite Basis schaffen. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass Talente fürs Fechten ausschließlich aus der Schule kommen." Erkens: "Wir werden auch weiter bei talentierten Fechtern für die FALS werben. Aber wenn sich jemand entscheidet, sein Kind auf eine andere Schule zu schicken, kann das nicht eine Benachteiligung für den Vereinssport bedeuten. Die Talente werden im WMTV weiter betreut." Das weiß er genau: Sohn Roman ist zwar noch beim STB, Tochter Merit aber bei den Wald-Merscheidern. "Mir ist das persönlich nicht ganz unlieb, wenn das wieder zusammenkommt", gibt Erkens zu.

Ob das alles funktioniert und die FALS dem neuen Kooperationsvertrag zustimmt, werden mindestens die nächsten Tage zeigen. Schulleiter Peter Wirtz, der für Donnerstag zum Gespräch beim Verein eingeladen ist, verwies am Dienstag lediglich darauf, dass es das erfolgreichste Jahr im Fechten gewesen sei und bundesweit kein Stützpunkt besser abgeschnitten habe. Zu den Plänen des WMTV, die dieser am Abend seinen Mitgliedern vorstellte, wolle sich die Schule kommende Woche äußern.

Auch personelle Fragen gilt es zu klären: Der Verein will die Erfahrung des bei der Schule angestellten Erfolgstrainers Alexander "Sascha" Tykhomyrov nicht missen. Projektleiter Spitzensport und Damentrainer Dirk Schiffler erhalte "ein Gesprächsangebot". Da bedarf es sicher noch eines regen Austausches.

Der wird sich vermutlich auch auf die Stellungnahme ausdehnen, die die FALS am Abend verschickte. Diese beginnt so: ",Das nun erfolgreichste Fechtjahr aller Zeiten ist Wegbereiter weiterer professioneller Strukturen in Solingen', so Peter Wirtz von der NRW-Sportschule und Frank Herder vom Förderverein Fechten in Solingen." Dank gebühre Schiffler, Tykhomyrov und dem Herrendegentrainer Raphael Steinberger sowie auch dem Säbeltrainer Vitaly Chernous. "Die erfolgreichen Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften, Weltcup-, Europa- und Weltmeisterschaften machen den Fechtsport in Solingen zur allerersten Adresse. Dies schafft auch Neid in Europa und in Deutschland, den sich die Trainer allerdings hart erarbeitet haben. Manchmal schafft es auch Neid in Solingen." Herder wird weiter zitiert: "Hiervon können andere gerne auch lernen und profitieren. Wir werden in den kommenden Wochen wegweisende Entscheidungen für den Spitzensport Fechten treffen, und wir helfen auch gerne den STB-Fechtern, wenn sie sich vernünftig und ihrer Rolle angemessen einbringen."

Schiffler freue sich über die deutschen Meisterschaften in Solingen und gehe davon aus, dass der WMTV auch von den Erfolgen profitieren möchte. Weshalb alle Beteiligten "von einer vernünftigen Fortsetzung der Kooperation ausgehen. Allerdings: Sollte es nach der überraschenden und nicht abgesprochenen Kündigung auch einen Plan B geben, will man den Spitzensport in Solingen nicht gefährden."

Quelle: RP
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