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Volleyball
Zweitliga-Meister Volleys fehlt das Rüstzeug für die erste Liga

Solingen. Aufgrund von finanziellen und strukturellen Problemen müssen die Volleyballer auf den sportlich erreichten Aufstieg verzichten. Von Georg Amend

Bernd Werscheck nutzte die Sonnenstrahlen gestern am späten Nachmittag zu einem Spaziergang. Der Trainer der Solingen Volleys musste die Nachricht sacken lassen, dass sein Team in der kommenden Saison trotz souverän erreichten Meistertitels nicht in der Bundesliga antreten wird, da der Verein auf den Aufstieg verzichtet. "Es war nicht so überraschend, nach dem, wie es die letzten Tage gelaufen ist", sagt Werscheck im Gespräch mit unserer Redaktion. "Aber es ist schon sehr enttäuschend. Ich denke, dass wir es sportlich schon hätten wagen können. Dass es jetzt aus finanziellen und strukturellen Gründen nicht klappt, ist schon ärgerlich. Wir haben uns so viel Mühe gegeben."

Das hat Helmut Weissenbach sicher auch, doch nun musste der Manager der Volleys, der zugleich Vorsitzender des Gesamtvereins TSG Solingen ist, die Entscheidung treffen, auf den Aufstieg zu verzichten. "Die Liga hat uns vor Augen geführt, dass wir eher einen Etat von 250.000 Euro brauchen. Vieles, was wir bislang ehrenamtlich gemacht haben, muss monetär hinterlegt werden. Aber selbst für den Mindestetat von 200.000 Euro liegt der Zielerreichungsgrad nur bei 60, 65 Prozent", erklärt Weissenbach, der die "Lücke" bis zum Wunschetat mit 100.000 Euro beziffert. Der Manager betont, dass die "Bestandssponsoren ihr Invest sogar erhöht" hätten - allerdings fand er keinen neuen Großsponsor der Kategorie 50 bis 75.000 Euro. So war der Aufstieg finanziell nicht zu realisieren.

Zudem gab es auch strukturelle Probleme: "Ein Verein kann nur handeln, wenn er im Vorstand voll besetzt ist", erläutert Weissenbach. "Ich bin noch ein paar Tage im Amt, aber alle anderen müssen neu gewählt werden. Es bedarf einer Hauptamtlichkeit, eines geschäftsführenden Vorstandes, der zum Beispiel auch die nötigen Kooperationsverträge unterzeichnen kann. Das klassische Modell wäre, Event, Sponsoring, den operativen Bereich und das Controlling auf je eine Person zu übertragen. Wir müssen mehr Schultern finden, mit denen wir die Aufgaben stemmen können. Meine Aufgabe sollte nicht Hallensprecher oder das Catering sein, sondern dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann."

Weissenbach hofft, dass er einige neue Schultern im aktuellen Team der Volleys findet. "Wir wollen zum Beispiel Daniel Wernitz und Oliver Gies mehr ins Management miteinbeziehen. Die Signale sind gut." Das gelte auch für das Gros der Mannschaft. Trainer Werscheck hält dagegen: "Für die Spieler ist das alles nicht so toll. Wir werden überlegen, auch ich, ob man das weitermacht in Solingen. Ich bin Profitrainer, ich muss auch sehen, wo ich bleibe. Wir haben vor zwei Jahren mit dem Ziel angefangen, in die erste Liga aufzusteigen, und jetzt klappt es nicht. Der Frust ist schon da. Man muss sehen, ob es nächstes Jahr besser wird. Ich glaube es nicht." Für ihn noch bitterer: "Ich hatte das 2011 mit Mendig schon. Ich bin vom Süden in die Nordstaffel gewechselt und kann wieder nicht aufsteigen. Das ist Mist."

Quelle: RP
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