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Solingen
Sportring muss Projekt alleine stemmen

Solingen: Sportring muss Projekt alleine stemmen
Im Mai 2015 ist in Ratingen eine Freilufthalle mit einer Spielfläche von 30 x 15 Metern eröffnet worden, wie sie auch auf dem Sportplatz-Gelände an der Neuenkamper Straße entstehen soll. FOTO: Achim Blazy, Martin Kempner
Solingen. Solingen erhält Fördermittel vom Land in Höhe von 383.000 Euro für den Felix Kids-Club, den geplanten Meetingpoint in Ohligs und gezielte Stadtteilarbeit. Nicht berücksichtigt wurde der Bau einer Freilufthalle in Höhscheid. Von Guido Radtke

Wenn Burkhard Vosskötter von der Trainingsarbeit mit den Inklusionsmannschaften erzählt, steht man irgendwann gedanklich mit ihm auf dem Sportplatz an der Neuenkamper Straße. Mit Herz und Leidenschaft berichtet der Jugendleiter des Sportrings Höhscheid beispielsweise von jenem Nachmittag, an dem ein autistischer Junge einem wegrollenden Ball hinterherläuft und dann für mehrere Minuten wie erstarrt stehenbleibt, weil er sich nicht auf die andere Seite des Trainingsplatzes unter die dort spielenden F-Junioren traut.

"Das war einer der Momente, die uns dazu gebracht haben, über einen eigenen abgetrennten Trainingsbereich für das Training der Inklusionsteams nachzudenken", sagt Burkhard Vosskötter. Die Idee, auf dem Gelände eine mit Kunstrasen ausgestattete Freilufthalle zu errichten, ist zufällig entstanden und wurde von Anfang an von Politik und Verwaltung unterstützt. Der Bauantrag ist bereits genehmigt, Bäume sind gefällt. In Kürze soll der Pachtvertrag für das Grundstück vorgelegt werden.

Zuletzt sind die Macher beim Sportring von der Verwaltung sogar bewusst gebremst worden, nachdem sie schon bei der Stadt-Sparkasse vorstellig geworden waren, um das Projekt mit Krediten zu verwirklichen. Die Stadt Solingen startete nämlich den Versuch, die Baukosten für die sogenannte Mc Arena in Höhe von 333.000 Euro über Fördermittel des Landes zu finanzieren. Im Dezember hatte das NRW-Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr das Sonderprogramm "Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen" mit einem Gesamtvolumen von 72 Millionen Euro ausgeschrieben.

"Es hätte sehr gut gepasst, weil dort nicht nur Inklusions-, sondern auch Integrationsarbeit betrieben werden soll", sagt Horst Schulten, Leiter des Stadtdienstes Sport und Freizeit. Gestern Nachmittag musste er mit einem weinenden und lachenden Auge registrieren, dass das ehrgeizige Konzept des Höhscheider Vereins im Gegensatz zu einigen anderen Solinger Projekten nicht berücksichtigt wurde. Mit 383.000 Euro werden der geplante "Meetingpoint" in Ohligs und der Felix Kids-Club sowie die Stadtteil-Arbeit als begleitende Maßnahme unterstützt.

Sobald die zugesagten Fördermittel fließen, ist in Ohligs zeitnah die Einrichtung einer Begegnungs-, Informations- und Veranstaltungsstätte für Einheimische und Flüchtlinge in einem leerstehenden Ladenlokal geplant. Ein anderer Teil der Zuschüsse soll dazu genutzt werden, neue Räumlichkeiten für den Felix Kids-Club herzurichten. Weil in den Clemens-Galerien ein Outlet-Center entsteht, muss die soziale Einrichtung ihren Standort aufgeben, an dem sie seit zwei Jahren Hausaufgaben-Betreuung, Sprachförderung sowie Sportangebote für Kinder und Jugendliche anbietet, aber inzwischen auch Flüchtlingskinder und ihre Familien betreut. "Die Förderzusage zeigt: Wir haben die richtigen Ideen, um die große Herausforderung zu meistern, die in der aktuellen Situation liegt", freut sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach.

Beim Sportring Höhscheid jedoch muss man bei der Planung wieder umdenken. "Eine Förderung war nie unser Plan A", sagt Burkhard Vosskötter. "Bevor diese Möglichkeit überhaupt in Aussicht gestanden hat, hatten wir gesagt, dass wir den Bau der Freilufthalle auch mit Krediten stemmen würden." Daran werde sich jetzt nichts ändern. "Wenn man die Begeisterung sieht, mit der in diesen Gruppen Fußball gespielt wird, weiß man, dass sich die Investition lohnen wird." Von anfangs vier Kindern ist die Zahl in den Inklusionsteams mittlerweile auf 70 angewachsen.

Eine Refinanzierung der Baukosten ist im Übrigen angedacht, indem die Stadt Entgelte zahlt, wenn Schulen oder Kindergärten die Freilufthalle nutzen. Wären Fördermittel geflossen, wären diese Stunden kostenfrei gewesen.

Quelle: RP
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